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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main   

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Klaus Schmidt-Montfort vom ADFC im Gespräch
mit dem Neufundland-Management: Kathrin Storck (Marketing), Stefan Enders (Fahrrad-Werkstatt) und Betriebsleiter Peter Heinemann

 

Nachhaltig und sozial!

Neufundland – ein schöner Name für ein Secondhand-Warenhaus. Das liegt zwar etwas abgelegen im Griesheimer Gewerbegebiet, aber das Anradeln lohnt sich: denn hier gibt es alles, was das Herz begehrt.
Auch gebrauchte Fahrräder sind im Angebot.

So eine kleine Fahrradtour von Sachsenhausen am Main entlang nach Frankfurt Griesheim ins Gewerbegebiet ist eine Reise wert. Man kommt sogar mehr oder weniger bequem auf Radwegen ans Ziel, ohne App, aber mit dem roten Radwegestadtplan findet man eine sichere Route. In der Lärchenstraße angekommen fängt es an zu regnen, aber das Warenhaus Neufundland ist zum Glück erreicht.

Klaus Schmidt-Montfort und ich sind mit Kathrin Storck und Peter Heinemann verabredet. Kathrin Storck ist für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zuständig, Peter Heinemann ist der Betriebsleiter.

Gleich beim Eintreten in die große Halle fällt das riesige Angebot an Secondhandwaren auf. Wohl geordnet und sehr übersichtlich sind die gebrauchten Artikel auf Tischen, in Regalen und Schränken sortiert.

Kreislaufwirtschaft ist
uns sehr wichtig

„Kreislaufwirtschaft, Qualität und Nachhaltigkeit sind uns sehr wichtig“, erklärt Kathrin Storck. Durch den Kauf/Verkauf werden somit Ressourcen geschont und ökologisch sinnvoll gehandelt. Die Waren sind außerdem sehr günstig, faire Preise für Bücher, Kleidung, Haushaltswaren, manchmal sogar ein antikes Schnäppchen. Student:innen, Schüler:innen und Menschen, die einen Frankfurtpass besitzen, erhalten darüberhinaus auf fast alle Produkte 20 % Rabatt.

Wie funktioniert es? Im ersten Schritt werden die Spenden in einem separaten Bereich außerhalb des Verkaufsraums angenommen, dann wird jeder Artikel unter die Lupe genommen und nach Wertigkeit sortiert. „Nur das Beste wird an die Kundschaft weitergegeben“, so Peter Heinemann. Auch werden elektrische Geräte genauestens überprüft, bevor sie das Haus verlassen. Damit erhalten sie für ein Jahr eine gesetzliche Gewährleistung.

„Gebrauchte Helme nehmen wir nicht an. Zu groß ist das Risiko, dass sie beschädigt sind“. Damit sind wir beim Thema Fahrrad, genau deshalb sind wir ja da. Denn zum allgemeinen Angebot von Secondhandwaren werden auch gebrauchte Fahrräder und Fahrradteile verkauft. Herr und Meister der Räder ist Stefan Enders, der die Fahrrad-Kreativ-Werkstatt managt. Hier werden Fahrräder in Schuss gebracht oder in ihre Einzelteile für das Ersatzteillager zerlegt. „Wir beschäftigen Menschen, die lange nicht in Arbeit waren“, so Enders. Vermittelt vom Jobcenter, erhalten sie eine zeitlich befristete Arbeitsgelegenheit (AGH) zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Arbeitsstrukturen und -prozesse werden erlernt, um wieder im Arbeitsleben Fuß fassen zu können und anschließend gegebenenfalls in eine Ausbildung oder andere Qualifizierungsmaßnahmen zu gehen. Insgesamt sind bis zu 15 Arbeitsplätze im Fahrradbereich belegbar, aber in der Regel sind nicht alle besetzt. Auch in anderen Bereichen von Neufundland wie z. B. im Verkauf oder der Lagerlogistik werden Bildungs- und Ausbildungsangebote für Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben, durchgeführt. Neufundland und das Recyclingzentrum Frankfurt gehören zum Unternehmen GWR, einem gemeinnützigen Unternehmen für Arbeitsmarktdienstleistungen, das ganz in der Nähe ansässig ist.

Im Recyclingzentrum gibt es eine riesige Demontagehalle. Hier werden händisch, also sehr schonend, wiederverwertbare Teile z. B. aus Handys ausgebaut und für die Weiternutzung aufbereitet. „Abnehmer sind Industrie, Wertstoffbörse oder Betriebe, mit denen wir kooperieren“, erläutert Kathrin Storck.

Fahrräder reisen im Container nach Afrika

Seit Dezember 2024 beteiligt sich die Fahrradwerkstatt am Afrikaprojekt, eine Kooperation mit der gemeinnützigen Schweizer Organisation Velafrica (Velafrica.ch), die seit über 30 Jahren zusammen mit Partnergesellschaften Fahrräder für Afrika sammelt. Inzwischen sind gut 300.000 Räder in Länder wie Gambia, Ghana oder Tansania verschifft worden. In der Frankfurter Werkstatt werden dafür Fahrräder sorgfältig zusammengestellt, aufbereitet und repariert. Zwei 40-Fuß-Container voller Räder, Ersatzteile und Laufräder sind schon verfrachtet worden. Über Antwerpen und den Suezkanal nach Mosambik, dann per Lkw nach Malawi, wo sie inzwischen vielseitig genutzt werden. So wird nachhaltige Mobilität vor Ort gefördert. „Eine logistische Meisterleistung, den Container bis unters Dach zu füllen“, freut sich Enders. So werde den Menschen hier wie dort geholfen.

Die Fahrräder kommen häufig über das Ordnungsamt oder über das Fundbüro der Stadt Frankfurt –Räder, die keiner mehr haben will, Räder, die im öffentlichen Raum vergessen werden.

Last but not least bietet die Werkstatt regelmäßig Schnupperkurse für Laien an. Hier lernt man ein paar Grundlagen rund ums Fahrrad. Bei Interesse, immer mal wieder auf die Homepage schauen. Und natürlich einfach mal vorbeikommen, es ist für jede und jeden was dabei.

Dagmar Berges

„Grundkurs Fahrrad-Technik“ am
29. Mai 2026, 10:30 – 13:30 Uhr. Anmeldung unter neufundland-
online@gwr-frankfurt.de
3_2026 Mai/Juni

Logistische Meisterleistung: Stefan Enders, Herr der Fahrrad-Werkstatt, befüllt einen Container für die Reise nach Afrika
Gut gesichert: Die Fahrrad-Werkstatt im Griesheimer Secondhand-Warenhaus NeufundlandDagmar Berges (3)

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Ansgar Hegerfeld