Rund-um-Räder-Flohmarkt: Wer packt in Zukunft mit an?
Erfolgsprojekt in Hausen vermittelt jährlich über 100 Räder – und Spaß am Fahren für die Jüngsten
Frühling in Frankfurt-Hausen. Zwei Schulkinder fahren schlingernd ein winziges Dreirad Probe. Wenig später satteln sie auf altersentsprechende Radmodelle um – und nun beweisen die beiden Mädchen makellose Fahrleistung. Frieda und Merle sind engagierte Helferinnen für den Rund-um-Räder-Flohmarkt an ihrer Schule. Heute als Testfahrerinnen: Welche Räder taugen für den Verkauf? Wo fehlt noch eine wichtige Schraube? Denn im benachbarten Garten werkeln ihre Eltern gerade beim Reparatur-Café.
„Hier werden die Herzstücke des Flohmarkts zum Glänzen gebracht: Die Spendenräder!“, erklärt Stephanie. Sie gehört zum Förderverein der Kerschensteinerschule. Mit drei weiteren Eltern hat sie 2018 den Rund-um-Räder-Flohmarkt ins Leben gerufen. „An der Schule war das Geld knapp. Und wir liebten Flohmärkte.“ Das attraktive Konzept prangt seitdem jedes Frühjahr auf den Plakaten: „Sie bringen – wir verkaufen für Sie!“ 15 % des Erlöses jedes Artikels gehen an den Förderverein. Die Herzstücke jedoch bringen 100 % Gewinn. „Unter den Spenden sind dank der Ankündigung im ADFC-Newsletter auch immer wieder gute Räder von Mitgliedern“, freut sich Sabine. Sie ist selbst beim ADFC und Teil des Flohmarkt-Gründungsteams. „Mit unserer Aktion erreichen wir inzwischen hunderte Familien. Bei uns bekommen sie das passende Rad für ihre Kinder. Immer wieder.“ So beginnen frühzeitige Radfahrkarrieren.
Grundschüler:innen übernehmen die Testfahrten
Beim Flohmarkt selbst braucht es ergänzend zum 10-köpfigen Organisationsteam weitere 35 Unterstützerinnen und Helfer. Auf- und Abbau, Verkauf, Kasse – es gibt viel zu tun. Tatsächlich ist der Räderflohmarkt inzwischen eine generationen- und jahrgangsübergreifende Aktion: Den Popcorn-Verkauf übernehmen ehemalige Schülerinnen der Grundschule, besagte Testfahrten die aktuellen. Die Kinder des Gründungsteams haben die Schulzeit teils schon hinter sich. 2026 – und begleitend gerne auch 2027 – sind ihre Eltern weiterhin dabei. „Wir haben wahnsinnig viel Spaß an der Sache“, beteuert Stephanie. „Aber nach acht Jahren ist es jetzt einfach Zeit, dass neue Gesichter übernehmen.“
Die Grundlage für einen glatten Übergang ist bestens gegeben: Ein maßgeschneidertes Online-System für Anmeldung und Buchung. Ausgezahlt wird viel über PayPal. Eingespielte Abläufe, wie Genehmigungen seitens der Stadt. „Alles ist super organisiert. Aber am schönsten ist der Team-Spirit“, betont Sabine Dizallas. „Den feiern wir richtig. Unsere Saison startet mit einem Grill-Treffen, dann gibt es das Reparatur-Café. Und die Eltern-Kind-Karawane beim Transfer der Spendenräder zur Schule ist mittlerweile fröhliche Tradition.“
Ein paar weitere Eltern sind in diesem Schuljahr bereits beim Flohmarktteam eingestiegen. Welche Aufgaben sie übernehmen, können sie selbst entscheiden. „Ich bin eher der Macher-Typ, wenn es praktisch losgeht“, sagt der Vater von Testfahrerin Merle. „Plakate aufhängen, Räder in Schuss bringen – dafür bin ich spontan gerne wieder zu haben.“ Wichtig aus Sicht des Gründungsteams wären jetzt noch zwei Neue, die 2027 beginnen, die Fäden in der Hand zu halten. Dann könnte es eine Zukunft geben für den Rund-um-Räder-Flohmarkt in Hausen – wie bisher, oder auch anders.
25. April 2026, 21 Uhr: Der diesjährige Flohmarkt ist vorbei, die Auswertung läuft noch. Sicher ist bereits jetzt: Es war ein voller Erfolg. Der Erlös für die Schule beträgt erneut über 3.000 Euro. Mit dem heutigen Tag haben seit 2018 rund 800 Räder neue Besitzer und Besitzerinnen gefunden. Und die Verkehrswende ist ein Stück näher gerückt.














