Radfahren in Grünanlagen – ein paar Grundsätze

Munterer Radbetrieb in und an der Grünanlage: Anlangenring, Ausgang Scheffeleck, nachmittags
Foto: Jörg Hofmann

Es ist gut, dass Frankfurt viele Grünanlagen hat. Wir Radfahrer freuen uns darüber und halten uns gern in Grünanlagen auf (wenn wir denn Zeit dazu haben), auch wenn wir mal was anderes tun als Rad fahren. Alle Grünanlagen haben ihre ökologische Bedeutung für Fauna, Flora und frische Luft. Die Menschen nutzen sie (Friedhöfe ausgenommen) in unterschiedlichster Weise:

  • einfach nur da sein und die Ruhe und das Grün genießen
  • liegen, sitzen, stehen, flanieren
  • Blumenbeete oder Bäume, Enten oder Kaninchen betrachten
  • Kinder im Kinderwagen schieben oder laufen und spielen lassen
  • Ball spielen, oder Frisbee/Badminton
  • Hunde Gassi führen
  • in Gruppen auf der Wiese liegen oder sitzen, schwätzen, etwas essen und trinken
  • grillen – wenn erlaubt
  • Party machen – aber hinterher den Müll mitnehmen
  • Events veranstalten (z.B. Stoffel im Günthersburgpark)
  • joggen, Gymnastik, Yoga, Sport treiben

aber eben auch

  • die Grünanlage auf dem Weg von A nach B durchqueren – zu Fuß oder mit dem Fahrrad, und zwar auf gemeinsamen Wegen. Weil es schöner und angenehmer oder schneller oder sowieso die einzige Alternative ohne großen Umweg ist. Diese Nutzung der öffentlichen Grünflächen ist genau so legitim wie die reine Erholungssuche. Oft kommt beides zusammen. Wer auf dem Weg zur Arbeit eine Grünanlage durchfährt oder durchläuft, für den fängt der Tag besser an.

Eigentlich koexistieren diese Nutzungen der Grünanlagen in Frankfurt ganz gut miteinander. Morgens dominieren die Sportler und die „Durchquerer“, später kommen die Erholungssucher dazu, am Nachmittag sind beide Nutzertypen da, es kann dann schon mal Engpässe geben, aber der Stress hält sich in Grenzen – wenn niemand gezielt Stress macht!

Für uns Radfahrer heißt das: angemessene Geschwindigkeit, wir haben die Wege im Park nicht für uns allein. Die angemessene Geschwindigkeit kann dann schon mal richtig langsam sein, etwa beim Passieren einer Fußgängergruppe mit Kindern. Aggressives Drängeln ist ein No-Go. Wer unbedingt schnell fahren muss oder will, und wer es partout nicht erträgt, auch mal abzubremsen, der muss sich halt aus Grünflächen (das gilt auch für die Uferwege an Nidda und Main) raushalten und sich Wege auf den Straßen suchen. Auch beim Klingeln gilt: der Ton macht die Musik. Fußgänger haben in Parks das Recht, ziellos hin und her zu bummeln, in die Luft zu gucken und dabei ins Handy zu quasseln. Klingeln kann man freundlich und rechtzeitig, beim Passieren kann man auch lächeln und sogar Danke sagen. Was sich niemand anhören muss sind „Achtung!“ oder „Platz da, Alter!“

Kraftfahrzeuge haben in der Regel nichts in Parks zu suchen, aber für Dienstfahrzeuge des Grünflächenamts und für Rettungsfahrzeuge müssen bestimmte Wege befahrbar sein – das hat Auswirkungen auf deren Breite und Befestigung. Asphaltierung muss dafür nicht zwingend sein und wird in Frankfurt auch fast dogmatisch vermieden. Radfahrer müssen daher mit Pflasterung oder mit der sogenannten „wassergebundenen Decke“ vorlieb nehmen und bei schlechtem Wetter mit schmutzigen Schuhen und Hosenbeinen rechnen. Das ist akzeptabel, wenn die für den Radverkehr wichtigen Wege auch in Schuss gehalten werden, was gar nicht so einfach ist. Für bestimmte Situationen, insbesondere Gefällstrecken, empfehlen wir dennoch dringend die Asphaltierung. Pflasterung ist rutschgefährlich, und wassergebundene Decke wäscht sich zu schnell aus.

Es gibt für Frankfurt eine beschlossene Planung für ein Radverkehrsnetz (Magistratsbericht B108/2014) mit einem kartografischen Anhang des Radverkehrsnetzes. Diese Karte sollte unter anderem auch im Umweltdezernat, wie Verkehrs- und Planungsdezernat GRÜN geführt, und seinen angeschlossenen Behörden, z.B. dem Grünflächenamt, bekannt sein. Und nicht nur das, die B108 sollte eigentlich auch bei Planungen und Baumaßnahmen sowie temporären Sperrungen und Umleitungen auf Teilstrecken dieses Netzes zwingend zur vorherigen Rücksprache mit dem Radfahrbüro veranlassen!

Hier die wichtigsten Radverkehrsnetz-Teilstrecken in Grünflächen, von West nach Ost, Sondersituationen Stadtwald, Grüngürtelradweg sowie Nidda- und Mainufer ausgenommen:

  • Sindlingen, Mainuferanlage
  • Sossenheim, Am Sulzbach
  • Gallus, Rebstockpark, Tangente am Südwestrand
  • Hausen, Volkspark Niddatal, N-S Durchfahrt Praunheim-Bockenheim
  • Hausen, Volkspark Niddatal, W-O Durchfahrt Hausen-Ginnheim
  • Westend, Grüneburgpark, N-S Durchfahrt Ginnheim-Westend
  • Sachsenhausen, Grünanlage Brückenstraße
  • City, Anlagenring
  • Nordend, Holzhausenpark N-S Tangente (z.Z. Schul-Baustelle)
  • Dornbusch, Anlage zwischen Kirschwaldstraße und Fritz-Tarnow-Straße
  • Eschersheim, Elisabeth-Schwarzhaupt-Anlage
  • Sachsenhausen, Seehofpark, N-S Durchfahrt
  • Nordend-Bornheim, Günthersburgpark W-O Weidenbornstraße
  • Kalbach, Golfplatz, N-S Durchfahrt
  • Ostend, Ostpark, W-O südliche Tangente bis Unterführung A661
  • Bornheim-Enkheim, W-O Unterführung A661 – Gelastraße
  • Seckbach-Enkheim, Ried ab Friesstraße – Voltenseeweg
  • Seckbach-Bergen, alte Straßenbahntrasse
  • Riederwald, W-O Verbindung Volgersbrunnenweg – Orber Straße
  • Enkheim, Wald, Sandweg

Dies sind wohlgemerkt nur die Verbindungen in und an Grünanlagen, die Teil des demnächst wegweisend auszuschildernden Radverkehrsnetzes sein sollen. Es handelt sich nicht um eine willkürliche Auswahl des ADFC, sondern um „gelernte“ Verbindungen, die Frankfurts Radfahrer z.T. seit Jahren nutzen. Es sollte Konsens der drei Dezernate Planung/Bau, Umwelt und Verkehr sein, dass auf diesen Verbindungen der Radverkehr möglichst komfortabel sein muss. Auf keinen Fall kann es im Sinne einer vernünftigen Radverkehrspolitik sein, diese Strecken – wie derzeit im Grüneburgpark geplant – zu Hoppelpisten umzubauen.

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 5 (Sep/Okt) / 2015

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