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Auch wegen der E-Scooter: Baut bessere Radwege!

Einzig logische Konsequenz aus der Straßenverkehrszulassung der Elektro-Tretroller

Bild zum Artikel Testfahrt mit einem relativ robusten Modell auf dem ADFC-Radler-Fest.
Torsten Willner

Ab diesem Sommer wird man sie verstärkt im Straßenbild wahrnehmen, auf Straßen und Radwegen – wo sie fahren sollen – und leider wahrscheinlich auch auf Fußwegen, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben: dynamisch auftretende Menschen auf elektrisch angetriebenen Tretrollern oder denglisch E-Scootern (zur Begriffsverwirrung siehe auch unsere Kolumne). In Frankfurt gibt es seit Ende Juni ein Vermietungssystem (Tier-Mobility), weitere werden folgen. Wie viele Frankfurter/innen sich privat einen E-Roller kaufen werden, entscheidet der Markt, aber es werden schon einige sein.

Dass man das E-Tretroller-Fahren auf Radwegen zugelassen hat, war eher eine Verlegenheitslösung nach dem Motto „wo sollen sie denn sonst fahren“. Auf Bürgersteigen wären sie ein ernsthaftes Problem. Aus Paris wurden schon massiv Konflikte und Unfälle gemeldet, so dass man sie dort gleich wieder vom Trottoir verbannt hat. Also sind die E-Tretroller verkehrlich Fahrrädern gleichgestellt, mit Radwegebenutzungspflicht, obwohl sie im Unterschied zu Pedelecs Kraftfahrzeuge sind. Wo es keinen Radweg gibt, müssen sie, wie Fahrräder auch, auf der Fahrbahn bewegt werden. Wie bei Fahrrädern besteht keine Helmpflicht. Dagegen müssen die E-Roller allerdings versichert und ihre Fahrer/-innen mindestens 14 Jahre alt sein.

Für kurze Strecken ist der E-Tretroller eine gute Idee

Lassen wir den momentanen Medienhype um die E-Scooter mal außer Acht und gehen wir nüchtern aus Radfahrersicht damit um. Wenn die Fahrer/innen der E-Roller ihre Gefährte gut beherrschen, sollte die Konfliktlage auf Radwegen überschaubar sein. Geübte Inlineskater sind auf Radwegen schließlich auch kein echtes Problem.

Bild zum Artikel Die Tretroller zum Mieten von Tier-Mobility sind kleiner und leichter, aber immer noch ziemlich schwer
Torsten Willner

Für kurze Strecken genutzt, etwa zur S-Bahn, dort platzsparend zusammengeklappt, ist ein E-Roller keine schlechte Idee. Zur Mitnahme im ÖPNV eignen sie sich aber nur für Kraftathleten: wer schon mal einen der neuen mintgrünen Tier-Mobility-E-Scooter hochgehoben hat, der weiß: so einen Trumm möchtest du nicht über jede Treppe schleppen! Dabei sind diese noch die leichteren unter den E-Rollern. Probiert es einfach mal aus!

Umgekehrt wird ein Schuh draus: für flott-dynamische E-Rollerfahrer/innen im Business-Outfit, wie sie derzeit auf Werbebildern auftauchen, ist die bestehende Qualität der Radverkehrsinfrastruktur das Problem! Wo ein City- oder Trekkingrad noch so eben drüberrollt, etwa Bordsteine, Kopfsteinpflaster oder Baustellenschutt, kommt ein Roller mit seinen kleinen Rädern in ernste Gefahr. Lassen die „normalen“ Standards unserer Radwege aus den 70ern mit Knochenpflaster, Wurzelaufbrüchen, Schlaglöchern, schon auf dem Fahrrad keinen Fahrspaß aufkommen, gilt das für E-Roller erst recht. Daher unsere bundesweite ADFC-Forderung: Wer E-Roller auf Radwegen zulässt, muss auch genügend gute Radwege bauen!

Bertram Giebeler

Inhalt Ausgabe 4 (Jul/Aug) / 2019

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