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Leser Meinungen

Frankfurt aktuell 3/19,
Sechs kleine Schritte nach vorn

Generell finde ich den Ansatz richtig, nicht nur zu nörgeln, sondern auch zu loben, wenn es in Frankfurt Verbesserungen für Fußgänger und Fahrradfahrer gibt. Allerdings war ich bei der Lektüre der Mai/Juni-Ausgabe von „Frankfurt aktuell“ gleich an mehreren Stellen fassungslos, mit wie wenig sich der ADFC zufrieden gibt und welche Minimal-Änderungen, die nichts an den grundsätzlichen Problemen und Gefahrenstellen ändern, als vermeintliche Verbesserungen gefeiert werden.

Allen voran ist mir der angebliche „kleine Schritt nach vorn“ auf der Schweizer Straße (Seite 12) ins Auge gefallen. Ich kenne die Stelle gut, da ich sie täglich auf meinem Arbeitsweg in beide Richtungen passiere. Durch die Fahrrad-Symbole auf der Straße, und die auf der westlichen Seite um gefühlt 10 oder 20 Zentimeter nach rechts verlegten Parkplätze, hat sich an der grundsätzlichen Problematik der Stelle nichts verbessert.

Das für die Fahrradfahrer nun auch offiziell vorgesehene Stück Straße zwischen den parkenden Autos und den Straßenbahn-Schienen ist nach wie vor zu schmal für eine sichere Passage mit dem Fahrrad. Es braucht nur ein Autofahrer unachtsam eine Tür zu öffnen, oder auszuparken, und man hat als Fahrradfahrer wenig bis gar keine Optionen. Zudem regt der vermeintlich große verfügbare Straßenraum auf den Schienen Pkw-Fahrer zu knappen und gefährlichen Überholmanövern an.

Aus meiner Sicht ist die einzig sichere Art und Weise, als Fahrradfahrer das Stück zu passieren, an den Stellen mit Parkplätzen in der Mitte der Straßenbahn-Schienen zu fahren. Dies gibt ausreichende Ausweich-Optionen in beide Richtungen und verhindert gefährliche Überholmanöver durch Autofahrer (die man an der nächsten roten Ampel dann wieder trifft). Dazu braucht man als Radfahrer allerdings mitunter starke Nerven, da nicht alle Autofahrer die Gefährlichkeit des Straßendesigns verstehen und im Zweifel ungeduldig werden.

Die einzig wirkliche Möglichkeit, die Stelle zu entschärfen, wäre die Abschaffung der Parkplätze auf beiden Seiten und die Schaffung eines breiten, eigenständigen Radwegs.

Auch die Klemmfixe an der Düsseldorfer Straße können nicht wirklich zufrieden stellen. Der Radstreifen ist so schmal, dass andere, langsamere Radler nicht überholt werden können. Zugleich werden für den motorisierten Verkehr zwei überbreite Fahrspuren angeboten. Würde man diese schmaler machen, oder gar – Revolution! – auf eine reduzieren, wäre mehr als genug Platz für einen breiten und sicheren Radweg, der dann von mir aus auch mit Klemmfixen vor Falschparkern geschützt werden kann. Ein typisches Beispiel für eine Alibi-Verbesserung, bei der weiterhin ganz klar der umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Radverkehr von den Verkehrsplanern benachteiligt wird.

Das dritte Beispiel, das mich zum Kopfschütteln gebracht hat, ist der Beitrag auf Seite 13 zur angeblich „ordentlichen Radführung vom Rossmarkt über die Untermainbrücke zur Schweizer Straße und zurück“. Nordwärts kann man das einigermaßen fahren, wobei der Radweg auf der Untermainbrücke zu schmal und die Ampelschaltungen systematisch zum Nachteil der Fahrradfahrer sind. Südwärts ist die Radverkehrsführung auf dem Gehweg entlang der Oper ein einziger schlechter Kompromiss, da die Infrastruktur dort regelmäßig Konflikte mit Fußgängern produziert. Das gesamte Straßenlayout ist darauf ausgelegt, möglichst viel Blech möglichst schnell durch die Stadt zu schleusen. Fußgänger und Radfahrer hat man nachträglich irgendwie noch reingefummelt. Das ist das tägliche Elend einer autozentrierten Stadtplanung.

Aber damit sollten wir uns nicht zufrieden geben, oder es auch noch als großen Fortschritt loben! Damit werden die Radfahrer, die sich täglich mit der nach wie vor unbefriedigenden und teilweise gefährlichen Infrastruktur rumärgern müssen, für dumm verkauft, und die Stadtplaner können sich rühmen, vom ADFC gelobt zu werden, ohne wirklich sinnvolle Verbesserungen erzielt zu haben.

Olaf Storbeck,
Frankfurt/Main



Direkte Antwort des Autors Bertram Giebeler hierauf:

Lieber Olaf Storbeck,

es stimmt, weder an der Schweizer Straße noch rund um den Hauptbahnhof noch am Theater haben wir gute Radverkehrsführungen, schon gar nicht in der nötigen Kontinuität und Streckenlänge. Trotzdem sind sowohl die Ummarkierung an der Ecke Schweizer Sraße-Gartenstraße als auch die Klemmfix-Sicherung des kurzen Abschnitts an der Düsseldorfer Straße als auch die Radspurmarkierung und Neusignalisierung im Bereich Rossmarkt bis Mainufer richtige Maßnahmen. Die Diagonalführung an Hofstraße/Untermainbrücke ist sogar recht kreativ.

Diese Maßnahmen beheben oder lindern jeweils ein punktuelles Problem (Schweizer: akute Gefährdung mit Unfallhäufung; Düsseldorfer: permanentes Falschbeparken; Rossmarkt/Theater: Konflikte mit Fußgängern, vorherige Null-Führung). Was sie nicht leisten, ist die Herstellung einer nachhaltig radverkehrsfreundlichen Infrastruktur auch im weiteren Umfeld. Trotzdem kann der lokale ADFC durchaus solche punktuellen Maßnahmen positiv beurteilen, ohne jedes Mal gleich dänische oder niederländische Maßstäbe anzulegen.

Schweizer Straße und der Bereich um den Hauptbahnhof haben weder Tempo 30 noch überhaupt eine Radverkehrsführung. Wir haben schon mehrfach gegenüber der Stadt angemahnt, dass dieser Zustand angesichts von bald 20 Prozent Radverkehrsanteil völlig unakzeptabel ist. Für beide Straßenabschnitte sind nach dem Verhandlungsergebnis zwischen Radentscheid-Initiative und der Stadt deutliche Verbesserungen vorgesehen (siehe Bericht Seite 4). Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass künftig in ganz Frankfurt die Regel gilt: Radweg oder Tempo 30!

Bertram Giebeler




Automobiler Anachronismus

Wer wissen will, warum Wege gnadenlos zugeparkt werden, dem hilft ein Blick auf die unglaublich niedrigen Verwarngelder in Deutschland. Nirgendwo sonst in Europa wird Schwarzparken so billig geahndet wie in Deutschland. Selbst Schwarzfahren ist teurer – und Behörden schauen tatenlos zu.

Im Jahre 2019 sollte sich langsam eine andere Haltung entwickeln. Feinstaub und Lärmbelästigung sind ja nicht naturgewollt. Gerade in Innenstädten mit gutem öffentlichen Nahverkehr ist ein Auto, das von 24 Stunden gerade mal 1 oder 2 Stunden genutzt wird, ein Anachronismus. Citymaut, keine kostenlosen Abstellmöglichkeiten, Parkhäuser ausschließlich am Stadtrand, sind erste Schritte zur Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen. Stockholm, London, Madrid machen es vor – wo ein Wille, ist auch ein Weg.

Uwe Barkow,
Frankfurt/Main




Chaos auf dem Weg zum Freibad Eschersheim

Der Alexander-Riese-Weg ist eine schmale, kurze Sackgasse, die nur zum Freibad Eschersheim und zu einem Sportplatz führt. In der Freibadsaison drängeln sich hier hunderte Autos in beiden Richtungen (Sackgasse!) auf ihrer meist erfolglosen Parkplatzsuche und die erfreulich vielen Familien auf Rädern/Lastenrädern/mit Anhängern. Wie man sieht, führt das zu chaotischen Situationen. Die beiden Mädchen auf dem Bild kommen nur weiter, indem sie sich mit einem Fuß auf dem Bordstein abstützen. Und wenn zwei Autos sich begegnen, fordern die Autofahrer die Radler auf, die Straße freizumachen und auf den Fußweg auszuweichen, damit ein Auto rückwärts fahren kann. Der Alexander-Riese-Weg ist zudem Teil des Grüngürtelradweges, hier wird also auch der Rad-Durchgangsverkehr entlang geführt. Das Verkehrsaufkommen wird in diesen Sommerferien wegen der Bauarbeiten an den U-Bahnlinien noch zusätzlich ansteigen.

Wann wird dieses kurze Stück Sackgasse endlich aus Sicherheitsgründen für den Autoverkehr gesperrt? Entsprechende Schilder aufzustellen kostet nicht viel Geld und ist schnell realisiert, die Stadt muss es nur wollen.

Iris Nattermann,
Frankfurt/Main

Inhalt Ausgabe 4 (Jul/Aug) / 2019

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