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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Ausgabe 1/2000   Jan. / Feb.


BIKE POINT

Mit Schwung in die nächste Saison

Eine Bilanz zum Jahresende

Im April 1999 startete Bike-Point, ein Projekt, das FahrradfahrerInnen bei Großveranstaltungen am Frankfurter Waldstadion eine Bewachungsmöglichkeit und einen Pflege- und Pannenservice für Fahrräder anbietet. Frankfurt aktuell berichtete in seiner Mai-Ausgabe über das Projekt. Was damals als Versuchsballon gestartet wurde — von vielen wohlwollend, aber doch mit erheblicher Skepsis begleitet — hat sich auf vielen Ebenen erfolgreich durchgesetzt und als Projekt mit Zukunftsperspektiven etabliert.

D er Zeitpunkt für eine erste Bilanzierung ist jetzt gekommen, zumal die Bike-Point Station am Waldstadion während der Wintermonate ihre Pforten geschlossen hat, und die weiteren Planungen für das Jahr 2000 laufen.

Zur Ausgangslage

Für LeserInnen, die das Projekt noch nicht kennen, seien an dieser Stelle nochmals die Rahmenbedingungen und die Intention kurz skizziert: Bike-Point ist ein Jobeinstiegsprojekt des Jugendbüros Griesheim für arbeitslose, oder sich im Übergang von Schule und Beruf befindlichen Jugendlichen. Träger der Einrichtung ist der Internationale Bund e.V.

Dieser Gruppe soll mit Bike-Point eine sinnvolle Jobmöglichkeit und ein niedrigschwelliger Einstieg in ein Beschäftigungsverhältnis angeboten werden. Die sozialpädagogische Betreuung übernimmt das Jugendbüro hinsichtlich Beratung und Vermittlung in Ausbildungsverhältnisse oder feste Arbeitsstellen.

Eine Anschubfinanzierung wurde durch das Sozialdezernat und das Jugendamt der Stadt Frankfurt sichergestellt.

Grundsätzlich stellt Bike-Point den Versuch dar, im — unterentwickelten — Dienstleistungsbereich Fahrrad ein Angebot zu etablieren, das sich am Dienstleistungsmarkt behaupten kann, und dies zu verbinden mit einem sozialintegrativen Ansatz, nämlich benachteiligten Jugendlichen eine zugleich attraktive wie auch verantwortungsvolle Arbeitsmöglichkeit anzubieten.

Um dem Projekt ein professionelles Erscheinungsbild zu geben — wichtig sowohl für die Außenwirkung wie auch für die Jugendlichen — wurden T-Shirts, Regenjacken und die Sicherungsbanderolen von einer Fachfirma mit dem Bike-Point Logo bedruckt. Ästhetisch ansprechende Werbeträger wie Flyer, Hinweisschilder und Transparente sind von Jugendlichen und Mitarbeitern selbst hergestellt worden.

Die Arbeit von Bike-Point

Nach einem eher zögerlichen Start ist das Angebot von BesucherInnen der Bundesligaspiele der Eintracht immer stärker in Anspruch genommen worden. Während anfänglich nur 30 oder 40 Fahrräder abgegeben wurden, stieg die Zahl der Aufbewahrungen in der warmen Jahreszeit auf weit über hundert an. Zweimal wurde die Kapazitätsgrenze der Station von 150 Fahrrädern erreicht. Natürlich war der ultimative Höhepunkt die Begegnung gegen Kaiserslautern mit dem damit verbundenen Klassenerhalt der Eintracht in der 1. Bundesliga. Leider deutet ja zur Zeit alles auf eine ähnliche Zitterpartie hin ...

Von vielen KundInnen und auch Nichtradfahrern sind die Bike-Point Mitarbeiter häufig angesprochen worden, daß sie dies für ein tolles Angebot hielten. Für die Motivation und als positive Bestärkung war das für die Jugendlichen eine sehr wichtige Erfahrung. Besonders BesitzerInnen von hochwertigen Fahrrädern erklärten, daß sie jetzt wieder mit dem Fahrrad ins Stadion kämen, weil sie die Sicherheit haben, ihr Rad nach Spielende unversehrt wieder vorzufinden.

Der Servicebereich ist am Stadion unterschiedlich, je nach Besucherandrang, in Anspruch genommen worden. Dabei ist zur Hälfte der Reinigungsservice nachgefragt worden, während die anderen Serviceleistungen sich um Kleinreparaturen wie ein nicht funktionierendes Rücklicht, fehlendem Reifendruck oder fehlerhafte Schaltungseinstellung drehten.

Bei den immer häufiger angesetzten Abendspielen um 20 Uhr, bedingt durch die medienausgerichtete Vermarktungsstrategie des DFB und der Vereine, ist der Service nur wenig nachgefragt worden. Dann war es den B-P Mitarbeitern öfters langweilig. Gerade in diesem Zeitraum von Spielbeginn bis Ende von ca. 2 Stunden sollten die Jugendlichen mit Serviceaufträgen beschäftigt sein, um auch das Betriebsergebnis von B-P zu verbessern. Hier besteht Optimierungsbedarf, was sicher in erster Linie mit mehr und gezielterer Werbung und Information zu erreichen ist.

Die anderen von Bike-Point am Stadion angebotenen Termine, also die Footballspiele der Frankfurt Galaxy, Rockkonzerte und an Wochenenden im Hochsommer für die Schwimmbadbesucher des Stadionbades sind dagegen nur wenig angenommen worden, so dass dem jeweiligen Aufwand an Kosten, Personal und Vorbereitung kein adäquates Ergebnis gegenüberstand.

Bei den Konzertveranstaltungen und den Footballspielen handelt es sich um Zielgruppen, die aus einem größeren Einzugsbereich zu den Veranstaltungen kommen (Auto oder Bahn). Außerdem sind diese Veranstaltungen erst nach 22 Uhr beendet. Für viele potenzielle FahrradfahrerInnen, besonders Familien mit Kindern, ist dann der Weg in der Dunkelheit in die Stadt oder durch den Stadtwald zu gefährlich und unattraktiv (beim Zustand der Radwege und der Anbindung des Stadions leicht nachvollziehbar).

Die mangelnde Resonanz bei den Schwimmbadbesuchern ist eher auf logistische Probleme und die nicht kontinuierliche Präsenz der Station (nur bei Badewetter, aber was ist das?) zurückzuführen. Mit der Stadion GmbH, die bisher Bike-Point an vielen Stellen unterstützt hat, wird es über diesen Bereich Gespräche geben.

Ein absolutes Highlight war dafür die Bike-Point Station beim letzten Museumsuferfest am Main. Obwohl der Arbeits- und Organisationsaufwand immens war (jeweils ab 10 Uhr bis 1 Uhr nachts), hat die durchweg positive Resonanz den Arbeitsansatz "Mobile Bike-Point Station" vollauf bestätigt. Neben der Aufbewahrung (am Liebieghaus) ist hier auch der Pflege- und Reparaturservice stark nachgefragt worden.

Ein paar Daten

Bike-Point hat 1999 insgesamt 35 Termine angeboten, bei denen über 1.500 Fahrräder verwahrt wurden. Das Serviceangebot ist ca. 160 mal beansprucht worden. Bei keiner einzigen Verwahrung hat es Probleme bei der Fahrradrückgabe gegeben. Zu dem festen Bike-Point Team gehörten 1999 neben der Projektleitung und dem Fachanleiter zwei weibliche und drei männliche Jugendliche. Außerdem wurden punktuell sechs Jugendliche eingesetzt, die gerichtliche Arbeitsauflagen zu erfüllen hatten, u.a. wegen Fahrraddiebstahls.

Nachgefragt

"Ultrakorrekt" war eine der Rückmeldungen, die auf einem Fragebogen vermerkt war, der von Bike-Point zu unterschiedlichen Terminen an die KundInnen verteilt worden ist. Von ca. 150 ausgeteilten gab es einen Rücklauf von 53 ausgefüllten Fragebögen. Natürlich ergeben diese Bögen keine repräsentative Rückmeldung, aber sie stellen ein Stimmungsbild dar.

Die Frage nach der Aufbewahrungsgebühr (DM 3,- bzw. DM 1,50 für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre) ist von 75 % als angemessen beantwortet worden, 15 % fanden sie zu hoch, 10 % zu niedrig.

Der Wunsch nach einer bewachten Fahrradstation ist nach der Häufigkeit der Nennungen wie folgt beantwortet worden: 1. Großveranstaltungen (Sport und Kultur), 2. Schwimmbäder, 3. Bahnhöfe, 4. Abendveranstaltungen Innenstadt (Kino, Disco, Theater).

Für 80 % der Befragten ist eine Entfernung zwischen Station und Zielort von bis zu 5 Minuten akzeptabel, 20 % würden auch 10 Minuten in Kauf nehmen. 70 % der Befragten haben erklärt, dass sie ihr Fahrrad häufiger nutzen würden, wenn sie dieses sicher aufbewahrt wissen.

Noch einige statistische Daten: 75 % nutzen ihr Fahrrad täglich. Der Anschaffungspreis der Räder lag bei 40% der Kunden über DM 1.000,-, 45% gaben einen Preis zwischen DM 500 und DM 1.000,- an. 67% ist das Fahrrad schon mindestens einmal gestohlen worden. Die am Ende des Fragebogens formulierten individuellen Rückmeldungen sind sehr positiv ausgefallen, darunter auch hilfreiche Anmerkungen für die weitere Arbeit.

Wie geht’s weiter

Aufgrund der positiven Erfahrungen wird das Projekt im Jahr 2000 fortgeführt und ausgebaut. Besonders die erstmalig angebotene mobile Bike-Point Station am Museumsuferfest ist so gut angenommen worden, daß B-P im kommenden Jahr auch bei anderen Großveranstaltungen seinen Service anbieten wird. Geplant sind Wäldchestag, Sound of Frankfurt, Tage der offenen Tür u.a. Beim Museumsuferfest 2000 (25.8. bis 27.8.) wird der ADFC einen Stand neben der Bike-Point Station betreiben.

Als korporatives Mitglied ist B-P dem ADFC inzwischen beigetreten. Hier sind sicher noch mehr Formen der Zusammenarbeit denkbar, ein fachlicher Austausch mit Fritz Biel hat schon einige Male stattgefunden. Weitere Projekte für 2000 sind: Arbeitsprojekt Fahrradwegemarkierung und Aufbau eines Fahrradverleihs. Die Finanzierung der gesamten Vorhaben ist durch Haushaltsmittel der Stadt und des Internationalen Bundes weitestgehend sichergestellt.

Zu guter Letzt

Bike-Point hat einen Preis gewonnen. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ausgeschriebenen Wettbewerbs für soziale und berufliche Integrationsmodelle ist das Projekt ausgezeichnet (Preisgeld: DM 5.000,-).

Ausführliche Informationen über das Projekt bietet der Zwischenbericht (Stand Sept. 99), anzufordern bei Bike-Point. Darin ist auch der sozialpädagogische Ansatz ausführlicher dargestellt. Bitte DM 8,- in Briefmarken beilegen (incl. Versandkosten). BIKE-POINT, AUTOGENSTR. 12, 65933 FRANKFURT

Volker Rapp (Sozialarbeiter + Fahrradfahrer), Projektleitung Bike-Point

frankfurt aktuell 1/2000 (2000112)   © Copyright 1999 by ADFC Frankfurt am Main e.V.
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