Radfahren auf der Zeil auch in Zukunft erlaubt

  Weiterhin legal – Radfahrer am Brockhausbrunnen auf der Zeil.   Foto: (Peter Sauer)

Das Stadtparlament hat in seiner Novembersitzung die Weichen dafür gestellt, dass das friedliche Miteinander von Fußgängern und Radfahrern auf der Zeil weiterhin möglich ist. Mit großer Mehrheit wurde einem Antrag der CDU zugestimmt, der wichtige Anliegen des ADFC aufgreift.

Dem Verkehrsausschuss des Stadtparlaments lagen in seiner letzten Sitzung nicht weniger als sechs Anträge zum Thema Radfahren in Fußgängerzonen / Radfahren auf der Zeil vor. Ihre Zielsetzung reichte vom Auftrag an den Magistrat, zu untersuchen und zu berichten, ob es überhaupt ein Problem gibt (FAG) über die Forderung nach verstärktem Einsatz der Ordnungskräfte gegen Regelverletzungen bis hin zu unterschiedlich weit reichenden Verbotsforderungen.

Fritz Biel legte im Rahmen der Bürgerrunde noch einmal die Position des ADFC dar, die er zuvor in einer Pressemitteilung zusammengefasst hatte. Der ADFC hält die gegenwärtige Regelung in der Abwägung aller Argumente und Erfahrungen für die brauchbarste Lösung, weil sie im Wesentlichen funktioniert und unter den gegebenen städtebaulichen und verkehrlichen Randbedingungen einen akzeptablen Kompromiss darstellt. Die Öffnung aller Fußgängerzonen in Frankfurt für den Radverkehr im Schritttempo gilt seit Mitte 1991. Das Verbot, das in Abständen immer mal wieder gefordert wird, gab es vor 1991 in allen Fußgängerzonen. Es funktionierte aber schon damals nicht, da es nicht praxisgerecht war und deshalb die Einhaltung nicht kontrolliert wurde. Das Motto hieß: Verbieten, aber die Übertretung dulden. Der ADFC hält dies nicht für einen sinnvollen Weg.

  Weiterhin wenig attraktiv – Fahrradstraße Töngesgasse
Foto: Fritz Biel

Welche Alternativen gibt es?

Eine Politik, die sich die Förderung des Radverkehrs zum Ziel gesetzt hat, wird diese Frage anders beantworten als eine, die andere Schwerpunkte setzt. Dabei ist immer wieder darauf hinzuweisen, dass es keine Gruppe von Verkehrsteilneh-
mern gibt, die so heterogen ist, wie die der Radfahrer. Wo dem Einen die Befahrung der die Frankfurter Innenstadt umschließenden Hauptverkehrsstraßen selbst im Mischverkehr mit den Autos kein Problem bereitet, flüchten Andere selbst vor dem langsam fließenden Gewimmel der südlichen Zeil-Umfahrung durch die Töngesgasse in die „sichere“ Fußgängerzone. Wo dem Einen das Schieben eines Fahrrades über einige hundert Meter kein Problem bereitet, tun sich Andere schwer, die eventuell deshalb auf das Fahrrad steigen, weil sie aus Altersgründen oder auf Grund einer Behinderung schlecht laufen können.

Was heißt das nun konkret für die Frankfurter Situation?

Zunächst einmal gilt es festzuhalten: Es geht nicht nur um die Zeil. Die Zeil ist integraler Teil einer Fußgängerzone, die sich als kilometerlanger Sperrriegel von West nach Ost quer durch die gesamte Innenstadt vom Opernplatz bis zur Konstablerwache erstreckt. Seit der Sperrung der Hauptwache gibt es nur noch ein einziges Schlupfloch in Richtung Süden am Goetheplatz. Parallel dazu gibt es Alternativstrecken, aber selbst diese sind nicht ohne die Mitbenutzung der Fußgängerzonen befahrbar, insbesondere in den Platzbereichen, von den teilweise chaotischen Verhältnissen im Bezug auf den ruhenden Verkehr, den Lieferverkehr und den Parkplatzsuchverkehr auf diesen Parallelstrecken ganz zu schweigen. Aber immerhin gibt es in west-östlicher Richtung diese Alternativen. Für die Querung der Innenstadt in Nord-Süd-Richtung gibt es keine. Überall muss man durch die Fußgängerzone, sei es an der Konstablerwache, am Brockhausbrunnen in der Mitte der Zeil oder an der Hauptwache. Entsprechend der Radverkehrskonzeption verlaufen offziell vier Fahrradrouten durch die Fußgängerzonen. Leider wurde das bislang bei den städtebaulichen Planungen so gut wie gar nicht berücksichtigt. In der vor kurzem vom Frankfurter Magistrat vorgelegten überarbeiteten Innenstadtkonzeption gibt es nun erste Ansätze, auch wenn vieles noch unklar bleibt. Eine Schließung der Fußgängerzonen für den Radverkehr würde faktisch große Teile der Innenstadt für den Radverkehr noch schwerer passierbar machen, als es heute schon ist.

Bliebe die isolierte Sperrung der beiden Zeil Abschnitte zwischen Hauptwache und Brockhausbrunnen bzw. zwischen Brockhausbrunnen und Konstablerwache. Einmal davon abgesehen, was eine solche „Kurzstreckensperrung“ an Beschilderungsaufwand bedeuten würde: Eine ständig wechselnde Regelung wäre letztlich in der Praxis nicht vermittelbar und würde keinen der real existierenden Konflikte lösen. Es ist ja keineswegs attraktiv, auf der Zeil Rad zu fahren. Wer dort fährt, will im allgemeinen auch dort hin. Der Ost-West-Durchgangsverkehr ist nach Einschätzung des ADFC heute eher geringer als noch vor 10 Jahren. Die Hauptproblematik ist der Nord-Süd-Verkehr und für den gibt es, wie gesagt, keine Alternative.

Die immer wieder ins Spiel gebrachte Beschränkung der Freigabe auf die Stunden außerhalb der Geschäftszeiten hält der ADFC nicht für sinnvoll. Die Zielgruppe der geltenden Regelung sind die Kunden der Geschäfte auf der Zeil. Sie haben nichts davon, wenn sie dort außerhalb der Geschäftszeiten fahren dürfen. Eine Öffnung in den Nachtstunden würde genau den Durchgangsverkehr wieder in die Zeil locken, den man dort gerade nicht haben will.

Fazit: Die bestehende Regelung hat sich alles in allem bewährt. Die Forderungen nach einer Sperrung stehen in keinem Verhältnis zu den real existierenden Problemen. Der ADFC fordert seit mehr als zehn Jahren, gezielt gegen die Minderheit vorzugehen, die sich nicht an die geltenden Regeln hält. Die Polizei sah sich dazu bisher nicht in der Lage. Es wäre sehr verwunderlich, wenn sie nach einem Platzverweis auch für alle regeltreuen Radfahrer plötzlich Personalreserven „entdecken“ würde, die ihr eine wirksame Kontrolle ermöglichten.

Eine große Chance liegt in der Weiterentwicklung des Innenstadtkonzepts. In diesem Rahmen müssen differenzierte Lösungsansätze entwickelt werden. Die innerstädtischen Fahrradrouten müssen ein sicheres und attraktives Angebot werden für alle Radfahrer. Nicht zuletzt in diese Richtung zielt der Antrag der CDU. Er weist einen gangbaren Weg, der den unterschiedlichen Ansichten und Interessen gerecht wird.

Der ADFC dankt allen Beteiligten für die Unterstützung.

Fritz Biel

Vorsicht Satire!

 

Anläßlich der Einweihung der runderneuerten Zeil hat der Magistrat einen Modellversuch zur Verringerung der Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern gestartet. Rechts und links der Baumreihen wurden rot markierte Radwege angelegt. Damit wurde in abgewandelter Form ein Vorschlag des Vorsitzenden des Einzelhandelsverbandes, Frank Albrecht, aufgegriffen, den dieser schon vor einiger Zeit in die Diskussion geworfen hatte. ADFC-Sprecher Fritz Biel zeigte sich skeptisch: „Die Markierung roter Radwege könnte zu Missverständnissen führen, da in Frankfurt seit den 80er-Jahren im Gegensatz zum bundesweiten Standard die Gehwege rot gepflastert werden. Die Einkäufer könnten in dem Glauben bestärkt werden, die Stadt rolle ihnen gewissermaßen einen roten Teppich aus auf der Zeil.

Fritz Biel


Inhalt Ausgabe 6 (Nov/Dez) / 2010


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