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Radfahren in Eschborn, Teil 1:

Was war, was ist, was muss

Bild zum Artikel Immer wieder zu beobachten – die Radroute von der Bahnhofstraße kommend wird verkehrswidrig bei einer Rote-Ampel-Phase zugestellt
Foto: Helge Wagner

Es ist zum Verzweifeln. Da hatte sich Eschborn vor einigen Jahren durch die Beschilderung mit Radwegweisern quer durch den Ort und der Anbindung an überört­liche Radrouten mit an die Spitze im MTK gesetzt. Diese Radrouten waren Grundlage eines Radverkehrskonzeptes.

Der ADFC forderte und unterstützte das Projekt in der gemeinsamen Rad-AG, bestehend aus Vertretern der Stadtverwaltung und des ADFC. Aufgrund des Koalitionsvertrages nach der Kommunalwahl 2011 wurde schließlich ein Beauftragter für umweltverträgliche Mobilität im Rathaus eingestellt, der sich insbesondere den Belangen des Radverkehrs verpflichtet sah. Er war der unverzichtbare Ansprechpartner für die Vorschläge, Vorstellungen und Forderungen des ADFC zur Verbesserung des Radverkehrs. Vor allem aber kümmerte sich der Beauftragte für umweltverträgliche Mobilität um die Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Projekte, was bei der Auswertung des Fahrradklima­tests 2014 zu dem überaus positiven Ergebnis führte, dass sich Eschborn bei den „Aufholern“ bundesweit auf dem zweiten Platz wiederfand.

Bild zum Artikel Zu wenig Abstellplätze am Bahnhof Niederhöchstadt
Foto: Helge Wagner

Vor über eineinhalb Jahren wechselte dann der Sachbearbeiter ins Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung nach Wiesbaden. Wir vom ADFC forderten eine umgehende Neubesetzung der Stelle. Seitdem ist die Stelle in Eschborns Rathaus vakant. Seitdem herrscht Stillstand in Sachen Radverkehrspolitik in Eschborn. Mitte Juli schrieb die Stadt Eschborn schließlich die Stelle öffentlich aus.

Was erlebt man auf den Straßen Eschborns beim Radfahren? Der Kfz-Verkehr nimmt zu. Die Menschen stöhnen über die Staus in den Hauptverkehrszeiten durch Eschborn und Niederhöchstadt. Nervöse und gestresste Autofahrer übersehen gerne mal einen Radler. Hierdurch werden viele Radfahrer auf die Gehwege getrieben, weil ihnen das Fahren mit dem Rad im Straßenverkehr zu gefährlich ist. Als Radfahrer werden sie damit auf dem vermeintlich sicheren Weg für Fußgänger selbst zur Gefahrenquelle, was vor allem für solche Pedalisten gilt, die den schnellen Weg bei einer roten Ampel über den Gehweg suchen. Eine Entlastung des innerörtlichen Straßenverkehrs und eine Zurückdrängung des aggressiven Verhaltens im Straßenverkehr wird immer nötiger: Pkw werden auf Gehwegen geparkt, Fußgänger werden behindert, Radfahrer werden geschnitten und in unfallträchtige Situationen gebracht. Unfallflucht nimmt zu. Man könnte die Aufzählung fortsetzen …

Leider ist seit der frei gewordenen Stelle eines Fahrradbeauftragten viel Zeit verstrichen. Zeit, in der über Maßnahmen zur Verbesserung und Förderung des Radverkehrs hätte beraten und geplant werden können. Selbst die eingetragenen Vorschläge und Hinweise in der eingerichteten Option „RADar“ der Homepage von „STADTRADELN“ stehen weiterhin mit der Bemerkung „unbearbeitete Meldung“ im Netz. Das hinterlässt in der Öffentlichkeit keinen guten Eindruck. Eine Fortsetzung der Rad-AG in Eschborn, in der diese Punkte diskutiert werden könnten, steht in den Sternen.

Radfahren fördern
Angesichts der gesamten Verkehrssituation muss eine Radverkehrsinfrastruktur entwickelt werden, die den Radverkehr in den Straßenraum integriert. Ein reduzierter motorisierter Verkehr und niedrige Fahrgeschwindigkeiten erhöhen die Lebensqualität und die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden. Eine solche Radinfrastruktur dient allen Alters- und Nutzergruppen. Das Radfahren verbindet Quellen und Ziel im Ort und fördert einen leichten Verkehrsfluss. Ein Umstieg vom Pkw aufs Rad mindert zudem die Abgase­missionen und hilft somit der Umwelt. Eine strukturierte und integrierte Anbindung für Radler und Fußgänger an den öffentlichen Nahverkehr gehört dazu. Entsprechende organisatorische, technische und bauliche Maßnahmen für Nahmobilität unterstützen das: Radfahr- und Radschutzstreifen, genügend Fahrradboxen und -abstellanlagen, bessere Fahrplanabstimmung, flüssige Busrouten, individuellere Arbeitszeitgestaltung der Beschäftigten, Barrierefreiheit usw. Eine zukunftsfähige Radverkehrsinfrastruktur muss entwickelt werden, die den abzuschätzenden Entwicklungen im Straßenverkehr standhält (aus den „Leitlinien des ADFC für sichere, zukunftsfähige Radverkehrsinfrastruktur“).

Leider gibt es zu viele negative Beispiele: Ein Kreisverkehr ist eine feine Sache für den Pkw- und Lkw-Verkehr, für manchen Radler kann eine Durchfahrt in jenem Rondell zu einem Höllenritt werden. Das passiert, wenn Planer und Bauausführende einen Kreisel derart großzügig gestalten, der für den Schwerlastverkehr aber nicht erforderlich ist. Hier blieben jüngere Mahnungen und Vorschläge des ADFC zu den Kreiseln in Eschborn ungehört. Ungehört bleiben auch die Vorschläge der ERA („Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“, siehe nebenstehende Info-Box) bei den verkehrstechnischen Planungen in Eschborn und ebenso bei den Planungsbüros.

Während einer Diskussionsrunde von kompetenten Fachleuten (u.a. Prof. Dr. Stephan Rammler, Mobilitäts- und Zukunftsforscher) über neue Mobilität in der Heinrich-von-Kleist-Schule im November 2016 (siehe Frankfurt aktuell, Ausgabe 1/2017) bekamen die zuhörenden Teilnehmer spannende Visionen und Vorstellungen einer Verkehrsplanung der Zukunft vermittelt, die bei den Kommunalpolitikern aber keine Resonanz fanden. Hier muss einiges nachgeladen werden, damit die Verantwortlichen der Ortspolitik und der Stadtverwaltung sich den Aufgaben des Radverkehrs für die Zukunft stellen. Es kann nicht sein, dass man bei dem zunehmenden Individualverkehr, bei dem mancher am liebsten bis vor die Ladentür fahren würde, und man bei nervenden und umweltbelastenden Staus die Lösung im Bau weiterer Straßen sucht. Und bis die Regionaltangente West für den Schienenverkehr zur Entlastung des Straßenverkehrs gebaut ist, vergeht weitere wertvolle Zeit.

Inzwischen wurde in Eschborn den Stadtverordneten und der Öffentlichkeit das Konzept zu einem Stadtentwicklungsplan, dem „Masterplan Eschborn 2030+“, vorgelegt. Eine sinnvolle Sache für die Zukunftsplanungen des örtlichen Verkehrs und der Nahmobilität. Die Verantwortlichen beziehen Ideen und Vorschläge aus der Bevölkerung in die Planungen für ein Eschborn der nächsten 10, 15 Jahre ein. Ein integratives Nahmobilitätskonzept ist ein wichtiger Bestandteil: Wie kann man möglichst ohne Auto nach Eschborn zur Arbeit oder zum Einkaufen kommen? Wo und wie kann man öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um von A nach B zu gelangen? Wie kann ich am besten mein Fahrrad vor Ort benutzen? Wo und wie kann ich mein Rad abstellen, wo fehlen Fahrradparkplätze? Gibt es Leihräder vor Ort? Welche baulichen Maßnahmen sind dafür durchzuführen? Was muss in Planungen für die Zukunft noch getan werden?

Was ist die „ERA“

Die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (kurz ERA) sind ein in Deutschland anerkanntes technisches Regelwerk für die Planung, den Entwurf und den Betrieb von Radverkehrsanlagen. Die ERA werden von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen in Köln herausgegeben. Durch den Verweis in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) auf die ERA wie auch infolge der Rechtsprechung sind die ERA als Stand der Technik anerkannt.

Quelle: Wikipedia

Der ADFC hofft, dass bei der Entwicklung eines „Masterplans“ die Kommunalpolitik die Fortentwicklung einer zukunftsfähigen Radverkehrsplanung nicht unter die Räder kommen lässt. Von Seiten des ADFC ist die Einstellung eines Radverkehrsbeauftragten und die Wiederbelebung der Rad-AG unerlässlich. Über Aspekte zur Förderung des Radverkehrs in Eschborn muss weitergedacht werden.

Worüber sonst noch nachgedacht werden muss, berichten wir in der nächsten Ausgabe.

Helge Wagner




Foto: Helge Wagner

Elena Barz – Schülerin

Ich radele zusammen mit Schulfreundinnen fast jeden Tag zum Schulbus nach Kronberg. Wir haben als Gruppe viel Spaß. Besonders im Sommer ist es toll.


Foto: Helge Wagner

Carmen Hornung

Um mich fit zu halten und um die Umwelt zu schonen, erledige ich Vieles zu Fuß. Wenn die Zeit mal knapp oder die Entfernung groß ist, nehme ich das Fahrrad. Innerhalb Eschborns dauert das nicht länger als mit dem Auto. Nach Frankfurt zum Einkaufsbummel oder nach Kelkheim zum Arzt klappt das auch in angemessener Zeit. Mit unserem Fahrradanhänger bekommen wir auch größere Einkäufe gut nach Hause.


Foto: Helge Wagner

Philipp Breitschädel-Sotgia
– Musiklehrer

Ich nutze das Rad zu Fahrten zu meiner Arbeitsstätte sowie zum Einkaufen. Meist ist das kein Problem und ich freue mich immer, die kurzen Strecken über das Feld und am Bach entlang zu fahren. Schwieriger wird es immer nur dann, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit mal mehr als nur eine Gitarre mitnehmen muss. Der Gedanke, möglichst viele Ziele mit dem Rad zu erreichen, gefällt mir und ich versuche, dieses noch auszuweiten.

Inhalt Ausgabe 5 (Sep/Okt) / 2018

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