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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Anregungen an Ämter

Mehrfach haben wir schon darauf hingewiesen, dass Anregungen an die zuständigen Ämter der Stadt betreffend den Radverkehr durchaus sinnvoll sind. In aller Regel wird auf diese reagiert und die Reaktionen belegen auch die Auseinandersetzung mit den Anregungen oder Vorschlägen. Mehrfach fanden auch im Laufe der letzten Jahre entsprechende Umsetzungen statt. Über eine Reaktion des Ordnungsamtes soll hier berichtet werden, auch wenn vorerst keine Veränderung der Situation erfolgen wird.

Die Initiative betrifft die Kreuzung Hansaallee/Miquelallee und geht zurück auf die Mail eines ADFC-Mitgliedes aus dem Februar 2006 an die AG Unfall. Wie sicher schon anderen Radfahrern ist diesem Mitglied aufgefallen, dass Radfahrer auf der Hansaallee in Richtung Innenstadt bei der Querung der Miquelallee gefährdet sind. Der Inhalt seiner Mail soll hier wiedergegeben werden:

„An der Ecke Hansa/Miquelallee hatte ich letztes Jahr einige Fast-Zusammenstöße, da Autofahrer illegal in der zweiten Spur rechts abbiegen. Können Sie mir helfen, die Unfallgefahr an dieser Kreuzung zu entschärfen?

1) Ist Zustand

An der Hansaallee führt ein Hauptradweg stadteinwärts. Die Straße ist hier dreispurig. Zwei Spuren für den Geradeausverkehr, eine für Rechtsabbieger. Auto- und Radverkehr stadteinwärts werden von derselben Ampel gesteuert.

Leider wird häufig in der Hauptverkehrszeit regelwidrig zweispurig rechts abgebogen, was zur Gefährdung des Radverkehrs führt. Teilweise habe ich 1-2 Autos pro Grünphase beobachtet, die in der zweiten Spur rechts abbiegen.

Alle 4-6 Wochen habe ich einen Beinahe-Unfall an dieser Stelle mit einem Autofahrer, der dort in der zweiten Spur ordnungswidrig abbiegt. Ich empfinde es immer wieder als sehr heftig, dort stuntmanmässig bremsen zu müssen, weil sich Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln halten. Der Hammer ist es aber, dann auch noch beschimpft zu werden, weil man als Radfahrer „den Weg versperrt“.

Momentan komme ich wegen des Frostes häufig im Bus der Linie 32 an dieser Kreuzung auf dem Weg zur Arbeit vorbei. Dabei konnte ich beobachten, dass der überwiegende Teil des Autoverkehrs an der Kreuzung auf die A66 abbiegt. Es bildet sich ein Rückstau von mehreren Fahrzeugen, die nicht während einer Ampelphase rechts abbiegen können. Die zwei geradeausweisenden Spuren werden in der Regel von 2-3 Fahrzeugen pro Spur benutzt, so dass dieser Verkehr sehr zügig abfließt.

2) Lösungsvorschlag

Eine mögliche Lösung des Konflikts, die auch verkehrsmäßig eine Entlastung bringen würde, wäre aus meiner Sicht, wenn der Autoverkehr zügig zweispurig an der Kreuzung abbiegen könnte.

Als die mittlere Spur stadteinwärts wegen einer Baustelle mehrere Tage gesperrt war hat dies nicht zu einer wahrnehmbaren Beeinträchtigung des stadteinwärts fahrenden Verkehrs geführt.

Damit gäbe es dann ein ausreichendes Zeitfenster für eine eigene Ampelphase für geradeaus fahrende Radfahrer und Fußgänger. Diese Ampelphase sollte aber wesentlich länger sein als die bereits vorhandene Grünphase an der Fußgängerampel, da sonst ein deutlicher Rückstau im Radverkehr entstehen würde.“

Mit diesem Vorschlag haben wir uns in der AG Verkehr auseinandergesetzt und beschlossen, ihn mit unseren Anmerkungen an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Der folgende Text wurde dem Brief angefügt:

„Die geschilderten Beobachtungen sind zutreffend. – Herr Biel hat schon mehrfach auf die Gefahren hingewiesen und Vorschläge zur Verminderung gemacht. So die Forderung nach Aufbringung einer roten Asphaltdecke auf dem Radweg im Kreuzungsbereich.

Der ADFC-Frankfurt hat sich die in der Mail gemachten Vorschläge zwar nicht zu eigen gemacht, wir halten es aber für sinnvoll, sie im einzelnen zu prüfen und zu diskutieren. Insbesondere die Frage der Länge des Zeitfensters für die Grünphase für Radfahrer und Fußgänger bei Einrichtung einer Ampel für Rechtsabbieger sollte geprüft werden.

Die Aufstellung einer Blinkanlage für Rechtsabbieger Richtung Autobahn sollte ebenfalls geprüft werden.

Einer Antwort auf die Anregungen sehen wir mit Interesse entgegen.“

Die Schreiben gingen am 6. März 2006 an die verschiedenen Ämter. Teilweise wurde unser Brief weitergegeben an das zuständige Amt, hier offenbar das Ordnungsamt. Von diesem erhielten wir dann auch Mitte April (18.4.2006) bereits eine ausführliche Antwort, in der auch auf die einzelnen Punkte eingegangen wird. Auch dieses Schreiben sei im folgenden wiedergegeben:

„Gefährdung von Radfahrern durch Rechtsabbieger an der Ecke Hansa-/Miquelallee

Sehr geehrter Herr Bergerhoff,

wie Radfahrer über einen Knotenpunkt geführt werden, hängt von der Art, der Auslastung und den Platzverhältnissen ab. Der Grundsatz der Führungskontinuität sollte aber beachtet werden.

An der Kreuzung Hansaallee / Miquelallee erhält der ausfahrende Kraftfahrzeugverkehr aus dem nördlichen Abschnitt der Hansaallee gleichzeitig mit dem querenden Radfahrer die Freigabezeit. Das bedeutet, die Grünzeiten für Kfz und Radfahrer sind identisch.

Den Vorschlag, zweispurig in Richtung BAB abzubiegen, kann nicht entsprochen werden. Gemäß den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) müssen Rad- und Fußgängerfurten getrennt vom Kraftfahrzeugverkehr signalisiert werden, wenn dieser mehrspurig abbiegen kann.

Eine Änderung der heutigen Phasenabwicklung ist aufgrund der Verkehrssituation – es werden bereits vier Signalphasen geschaltet – nicht möglich. Die Einrichtung einer separaten Fußgängerphase hätte eine Einbuße der Leistungsfähigkeit des Knotenpunkts von bis zu ca. 20 bis 30 % zur Folge, was vor allem in der morgendlichen und abendlichen Verkehrsspitze zu erheblichen Verkehrsstaus führen würde bzw. schon vorhandene Rückstaus deutlich verlängern würde.

Gelbblinker sind nach der „Allgemeinen Verwaltungsvorschrift“ zur Straßenverkehrsordnung (StVO) sparsam und nur dann einzusetzen, wenn aufgrund der baulichen Gegebenheiten der Kreuzung der querende Fußgänger für den abbiegenden Kraftfahrer nicht rechtzeitig erkennbar ist. An dem von Ihnen beschriebenen signalgeregelten Überweg ist die notwendige Übersicht vorhanden, so dass Ihrer Anregung, einen Gelbblinker zu installieren, nicht entsprochen wird.

Farblich abgesetzte Radfahrstreifen werden im Stadtgebiet der Stadt Frankfurt am Main nur angeordnet, wenn es sich um einen Unfallschwerpunkt handelt. Nach Rücksprache mit der Polizei und dem Unfallsachbearbeiter der Stadt Frankfurt am Main handelt es sich in diesem Fall um keinen Unfallschwerpunkt und somit muss ich auch diesen Vorschlag von Ihnen ablehnen.

In der Hoffnung, ihnen mit diesen Angaben geholfen zu haben, ....“

Dem Brief ist zu entnehmen, dass den Änderungswünschen sowohl allgemeine Vorschriften als auch Beschlüsse der Stadt Frankfurt am Main entgegen stehen. Letzteres gilt hier für die farbliche Gestaltung von Radwegen bzw. Radfahrstreifen. Dies ist schon seit längerer Zeit ein Gegenstand der Diskussion. Das in vielen Gemeinden und Kreisen angewandte Verfahren, wenigstens in Kreuzungsbereichen die Radstreifen in rotem Asphalt auszuführen, wird bisher in Frankfurt nicht angewandt. Dass dies aufmerksamkeitsfördernd auf die Autofahrer wirkt oder wirken kann zeigt die Tatsache, dass es an Unfallschwerpunkten auch in der Stadt Frankfurt am Main realisiert wird und an vielen Stellen auch bereits zu finden ist. Dies ist neben anderen ein Punkt, der in den zu erarbeitenden Radwegestandards aufgenommen werden muss. Auch hierzu ist der im Februar 2006 vorgelegte Bericht des Magistrats (B 114) ohne eine Aussage.

Im übrigen wollen wir der Frage nach der Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes bzw. deren Einbuße durch Veränderungen der Schaltphasen im vorgeschlagenen Sinne nachgehen.

Fitz Bergerhoff

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Blick nach Norden in die Hansaallee im Kreuzungsbereich mit der Miquelallee. Nur wenige Fahrzeuge nutzen die beiden geradeaus Richtung Innenstadt führenden Fahrspuren. Auf der Rechtsabbiegerspur in Richtung Autobahn (im Bild links) dagegen staut sich der motorisierte Verkehr weit zurück. Die geradeaus führenden Fahrspuren sind zu Beginn der Grünphase schnell frei. Dies verleitet eilige Kfz-Lenker dazu, an den auf querende Radfahrer oder Fußgänger wartenden Fahrzeugen vorbei zu ziehen und am Ende der mittleren Fahrspur verkehrsgefährdend nach rechts abzubiegen.

Fotos: Peter Sauer

13.09.2006 I ADFC Frankfurt am Main e. V. |