Wer unbedingt will, kommt hin

Es ist schwierig, aber sie haben es geschafft: Zwei Radler auf der Ankunftsebene des Frankfurter Flughafens
Foto: Jörg Hofmann (Foto-AG)

Airport Frankfurt, der Gigant im Süden der Stadt – aus der Luft besser zu erreichen als mit dem Rad?

Der Flughafen Frankfurt ist sicher der am besten erreichbare Punkt Deutschlands, wenn nicht gar ­Europas. Immerhin kann man dort ja nicht nur einfliegen, sondern dort ist auch ein sehr zentraler Fernbahnhof (was London-Heathrow nicht hat) und ein sehr zentraler Autobahnknoten (was wiederum Paris-CDG nicht hat). Die Anbindung mit S-Bahn und Bussen ist ebenfalls problemlos. Das benachbarte Kelsterbach ist der zentrale Luftfracht-Knoten für die LKW-Spediteure. Für Autofahrer gibt es A3, A5, B43, B44, Ringstraßen, gigantische Parkhäuser. Das heißt: aus der Luft, per Bahn, mit LKW und PKW – man ist immer ruckzuck da! Aber mit dem Fahrrad?

Gleich nebenan in Gateway Gardens hat sich das HOLM (House of Logistics and Mobility) angesiedelt. Dynamische Männer im dunklen Anzug diskutieren dort globale Probleme der Verkehrsbranche. Der Autor nimmt dort als lokaler ADFC-Sprecher hin und wieder an Fachmeetings teil. Schon die Frage nach der Fahrradanbindung des Flughafens löst bei vielen Highrollern der Verkehrsbranche erst mal nur basses Erstaunen aus: „Wie bitte? Mit dem Fahrrad? Zum Flughafen? Meinen Sie das ernst?“ Ja, das meinen wir ernst, aber wir meinen nicht die Fluggäste. Die sind mit zwei Bahnhöfen und riesigen Parkhäusern gut bedient.

Wir meinen die Beschäftigten!

Der Frankfurter Flughafen ist die größte Arbeitsstätte in Deutschland mit über 60.000 Arbeitsplätzen auf seinem Gelände, weit vor dem Volkswagenwerk in Wolfsburg und dem BASF-Stammwerk in Ludwigshafen. Die Hauptunternehmen sind Fraport und Lufthansa, aber daneben arbeiten hunderte von Unternehmen auf dem Gelände, andere Airlines, Frachtunternehmen, Gastronomen, Einzelhändler, Hoteliers, Sicherheitsdienste, Friseure, Seelsorger – es gibt kaum einen Berufsstand, der nicht auf dem Flughafen vertreten ist. Direkt um den Flughafen, innerhalb und außerhalb des Flughafengeländes, entstanden und entstehen immer neue Betriebsstätten, die entweder direkt mit dem Flugbetrieb zu tun haben oder wegen des Standorts dort implantiert wurden – Cargo-City Süd, The Squaire, Gateway Gardens, bald möglicherweise Terminal 3.

Es gibt die Begriffe „Stadtteil Flughafen“ oder neudeutsch „Airport-City“ für diesen ganzen Komplex. Die Zahl der Arbeitsplätze in dieser Airport-City wächst, und irgendwie müssen zigtausende Beschäftigte ja zur Arbeit kommen. Ein großer Teil dieser Beschäftigten wohnt sogar ziemlich nah, in fahrradgängiger Entfernung – in den Frankfurter Stadteilen westlich der City und südlich des Mains, in Neu-Isenburg, Kelsterbach, Mörfelden-Walldorf, Dreieich-Sprendlingen, Dreieich-Buchschlag, Raunheim, Rüsselsheim. Für das Kernunternehmen Fraport ergab eine Untersuchung anhand der Postleitzahlen der Wohnorte der Arbeitnehmer, dass rund 15 % in den genannten Orten wohnen. Fraport hat in Frankfurt rund 20.000 Leute auf der Payroll. Hochgerechnet auf die gesamte Airport-City ergibt sich, dass für rund 10.000 Beschäftigte das Fahrrad eine schnelle und komfortable Verkehrsmittelwahl zum Arbeitsplatz sein könnte – wenn denn die Bedingungen danach wären!

Es gibt prinzipiell 5 Zugangspunkte, um per Rad zur Airport-City zu kommen:
1: Unterschweinstiege-Kreisel / 2: Gate Zeppelinheim / 3: Tor 31 / 4: Airport-Ring West / 5: Kelsterbach
Grafik: Peter Sauer

Damit sind wir bei Problem Nr. 1:
wie komme ich mit dem Rad zur Airport-City?

Es gibt prinzipiell 5 Zugangspunkte, um per Rad zur Airport-City zu kommen:

  • der Unterschweinstiege-Kreisel unweit von Terminal 2 und Gateway Gardens (1)
  • das alte Gate zur ehemaligen US-Airbase in Höhe Zeppelinheim (2)
  • die Cargo-City Süd / Tor 31 nördlich von Walldorf (3)
  • der Airportring am Westrand der Startbahn West (4)
  • die Kreuzung Mörfelder Straße aus Kelsterbach / Airportring, unweit der Lufthansa-Hauptverwaltung (5).

In der Nähe bzw. zwischen den beiden Zugangspunkten 1 und 5, im Nordosten des Flughafens, liegt das Gros der Betriebsstätten des Stadtteils Flughafen. Diese beiden Zugangspunkte liegen 3 km weit auseinander, dazwischen gibt es absolut keinen Zugang zur Airport-City für Radfahrer.

Praktisch alle Frankfurter Airport-Fahrradpendler stoßen auf den Unterschweinstiege-Kreisel. Dort münden alle 4 Zuwege durch den Stadtwald:

  • von Schwanheim über die Schwanheimer Bahnstraße
  • von Goldstein über die Unterschweinstiegschneise
  • von Niederrad über die Flughafenstraße / Flughafenschneise / Trichterfeldschneise
  • von Niederrad über Flughafenstraße / Hinkelsteinschneise / Unterschweinstiegschneise

Alle diese Zuwege sind derzeit bei gutem Wetter gut befahrbar. Die Schwanheimer Bahnstraße ist asphaltiert, hat aber größtenteils keine Radverkehrseinrichtung (Radweg, Radstreifen oder Schutzstreifen) und ist im Berufsverkehr stark befahren. Die Stadtwaldschneisen sind größtenteils ordentlich befestigt, aber nur teilweise asphaltiert, nachts nicht beleuchtet und erfordern bei Nässe eine schmutzabweisende Über­hose. Sie sind zu 90 % trekkingrad­taug­lich.

Für Zeilsheimer und Sindlinger und natürlich für Kelsterbacher ist der Weg über den Zugangspunkt Kelsterbach interessant. Er ist aber im Berufsverkehr stark KFZ-belastet und weist noch eine besondere Tücke auf: im Kelsterbacher Gewerbegebiet Taubengrund ist das technische Servicezentrum für alle Mietwagen am Airport. Die Mietwagen werden von ihren Garagenplätzen zum Servicezentrum gefahren, die Fahrer „im Akkord“ (nach gebrachten Fahrzeugen) entlohnt. Entsprechend fahren sie auch. An der Kreuzung Mörfelder Straße / Am Taubengrund herrscht für Radfahrer regelmäßig Gefahr.

Pendler aus Mörfelden-Walldorf und südlich davon haben eine ziemlich direkte Verbindung zur Cargo-City Süd / Tor 31 über die Okrifteler Straße mit gut ausgebautem Radweg, oder zum Gate Zeppelinheim über einen gut befahr­baren Regionalpark-Weg ab der KZ-Gedenkstätte im Norden von Walldorf.

Pendler aus Rüsselsheim und Raunheim stoßen über den Regionalpark-Weg am Waldsee auf den Airportring an der Startbahn West. Wer zum Norden des Flughafens will, fährt am Kieswerk vorbei, wer nach Süden will, rollt durch den Wald über den „Planespotter“-Aussichtspunkt an der Unterführung unter die Startbahn West.

Pendler aus Dreieich oder Langen kommen über Zeppelinheim auf recht gut befahrbaren Waldwegen ohne große Umwege ans Gate Zeppelinheim.

Entlang der A3 bewegen sich Fahrradpendler aus Neu-Isenburg auf recht gut befahrbaren Waldwegen, allerdings ohne Beschilderung und mit einer hochgefährlichen Querung der B44, zur Trichterfeldschneise und treffen dort die Frankfurter Pendler von Niederrad. Zum südlichen Bereich des Flughafens geht es recht komfortabel über Zeppelinheim.

Fazit: Wer will, kommt mit dem Fahrrad schon hin zur Airport-City. Frankfurter haben es sogar noch relativ leicht. Es ist aber klar erkennbar, dass noch nie jemand systematisch eine Verbindung für den Alltagsradverkehr gestalten wollte. Die Beschilderung ist, wenn überhaupt vorhanden, größtenteils auf nahtouristisches „Sonntags­radeln“ ausgelegt.

links: Beschilderung für nahtouristisches Sonntagsradeln
Foto: Jörg Hofmann
rechts: Hier käme man gut ans Terminal 1 und zum Squaire, hier wäre auch Platz für Fahrräder, Motorbiker machen es schon: „Point Delta“ zwischen FAC und Parkhaus
Foto: Bertram Giebeler

Bin ich im Stadtteil Flughafen, kommt Problem Nr. 2:
Wie komme ich mit dem Rad in die Nähe meines ­Arbeitsplatzes?

Man kann die Situation grob in zwei Bereiche unterteilen: einen relativ problemlosen Bereich, und eine Problemzone, in der aber leider die meisten Arbeitsplätze konzentriert sind. Betrachten wir die Lage im Uhrzeigersinn und beginnen ein kurzes Stück östlich des Terminal 2, zwischen Terminal 2 und Tor 2.

Hier beginnt der relativ problemlose Bereich mit dem Radweg zum Gate Zeppelinheim, zwischen der Autobahn A5 und dem Zaun des Flughafengeländes, unter der Einflugschneise bei Westwetterlage. Schön ist das nicht, aber der Berufspendler ist ja nicht zum Spaß unterwegs. Das Gate Zeppelinheim wird schnell erreicht. Wer jetzt das Problem hat, den Flughafen südlich tangieren zu müssen in Richtung auf Tor 31, muss dies teilweise auf Waldwegen am Nordrand von Walldorf bewerkstelligen, etwa dem Regionalpark-Weg zur KZ-Gedenkstätte, dem Walldorfer Nordring und der Okrifteler Schneise. Die Waldwege sind zwar nicht asphaltiert, aber trotzdem nicht schlecht befahrbar.

Ab dem Tor 31 steht am Airport­ring ein separater Zweirichtungs-Geh und Radweg zur Verfügung. Da es normalerweise nicht viele Fußgänger dort gibt im Berufsverkehr, reicht die Breite aus. Der Weg ist in Teilen neu asphaltiert und sehr gut befahrbar. Das geht so weiter unter der Startbahn West hindurch, auch unter dem Rollfeld zur neuen Landebahn hindurch, quert noch ganz manierlich die vom Mainufer kommende Okrifteler Straße, und dann kommt schon die erste Prüfung für diejenigen, die in der Cargo-City Nord arbeiten und zum ersten Tor rein müssen: wie komme ich rüber auf die andere Straßenseite? Querungshilfe oder Übergang? In beiden Fällen Fehlanzeige! Wer dieses Problem nicht hat, fährt weiter (das nächste Tor zur Cargo-City Nord hat immerhin einen signalisierten Übergang), unterquert das zweite Rollfeld und erreicht den Zugangspunkt Kelsterbach/Mörfelder Straße.

Es gibt prinzipiell 5 Zugangspunkte, um per Rad zur Airport-City zu kommen:
1: Unterschweinstiege-Kreisel / 2: Gesperrte Südeinfahrt Gateway Gardens / 3: Rampe zu Terminal 2 / 4: Kreuzung Mörfelder Straße/Airportring / 5: Fernbahnhof/Squaire /
6: „Point Delta“
Grafik: Peter Sauer

Dann hört der Spaß auf, und zwar schlagartig! Der Weg am Airportring wird enger, die mehrphasige Querung der B43-Querspange Kelsterbach ist schon stressig, jetzt gibt es auch mehr Fußgänger, und auf der anderen Seite der ­Straße liegen die Flughafentore von Flight Operation Center und Lufthansa-Hauptverwaltung. Wir sind jetzt im Zentrum der Probleme, dem notorischen

Hugo-Eckener-Ring
Diese mehrspurige Straße stammt aus den 60er Jahren und ist im Stil einer reinen Autostraße ausgeführt, zum Teil mit baulicher Abtrennung der Fahrtrichtungen. Radverkehr war dort nie und nimmer vorgesehen. Parallel dazu verläuft hauptsächlich nördlich davon (beim Terminal 2 ein Stück auf der Südseite) der benutzungspflichtige gemeinsame Geh- und Radweg, den sich Fußgänger und Radfahrer in beiden Richtungen teilen sollen. Dieser Weg erfüllt stellenweise noch nicht einmal die Mindestbreiten-Erfordernisse eines Einrichtungs-Radwegs. Damit käme der Kummer gewohnte Frankfurter Radfahrer noch zurecht, aber:

Es ist ein echtes Aberteuer, von diesem Radweg legal und sicher vor die Betriebsbereiche zu kommen, insbesondere am Terminal 1, wo letztlich die Arbeitsplätze für die meisten Beschäftigten sind, und am Fernbahnhof/Squaire. Dies ist in Teilen völlig unmöglich, anderswo für findige und sportliche Radler vielleicht doch, auf alle Fälle nirgends beabsichtigt.

Zwischen dem „Frankfurt Airport Center“ (FAC) und dem Großparkhaus, direkt vor dem Ankunftsbereich A, gibt es theoretisch eine gute Zugangsstelle für Radfahrer. Motorradfahrer haben sie schon für sich entdeckt und parken dort. Bei souveräner Auslegung der StVO kann man mit dem Fahrrad durchkommen, muss aber einige Betonhürden überwinden. Außerdem gibt es eine Treppe hinauf zur Autorampe zum Squaire-Parkhaus, das Squaire (das spektakuläre ­Gebäude über dem Fernbahnhof) ist von diesem Punkt aus zu Fuß erreichbar. Über eine Feuerwehrzufahrt kann man auch über die Autorampe mit dem Fahrrad zum Squaire hochfahren. Nennen wir diesen Punkt einmal „Point Delta“, er taucht im folgenden noch öfter auf.

Weiter östlich entlang Sheraton Hotel, in Höhe Terminal 1 B und C, ist partout kein Durchkommen, alles ist zugebaut, es gibt noch zusätzlich die zweistreifige Hotel- und FAC-Ausfahrt. Generell gilt: bei allen Gates zum Gelände, zwischen Mörfelder Straße und Terminal 2, muss sich der Radfahrer in einen Fußgänger verwandeln, bevor er auf die andere Seite wechseln kann, teilweise mit mehrphasigen Ampeln.

Beim Terminal 2 ist es leichter. Hat man die mehrphasige Ampelschaltung für Fußgänger und Radfahrer an der Kreuzung Kapitän-Lehmann-Straße / Hugo Eckener-Ring überwunden, ist es kein Problem, die breite Rampe zum Terminalgebäude hochzufahren. Einen Radweg, Radstreifen oder Schutzstreifen gibt es aber nicht. Der Radweg am Hugo-Eckener-Ring wechselt dann auf die südliche Seite und weist dabei eine gefähr­liche Engstelle auf. Das östlichste Betriebstor, Tor 2 zum „Betriebs­bereich Nordost“, ist aber gut erreichbar

Fazit: Außen herum um den Flughafen geht es ganz gut, aber die Straßen-Infrastruktur im Kernbereich des Flughafens ist nur etwas für hartgesottene Rad­fah­rer/-innen mit ausgeprägter Leidensfähigkeit. Es war offensichtlich niemals ein planerisches Ziel, Radfahren und zu Fuß gehen dort komfortabel zu machen. Eingekeilt zwischen Autobahn A3, Schnellstraße B43, ICE-Trasse und Ser­vicestraßen zu Hotels und Parkhäusern verbleibt Radfahrern und Fußgängern eine kümmerliche Restfläche in Dauerlärm und Ab­gas­nebel, an einigen Punkten noch nicht einmal das.

Wer sich dennoch dieser Aufgabe gewachsen zeigt, stößt dann auf
Problem Nr. 3: Wo stelle ich mein Rad ab, wo schließe ich es an?

Wer innerhalb des Sicherheitsbereichs des Betriebsgeländes beschäftigt ist, für den gilt die gleiche Regelung wie für Autopendler: durch das Tor geht es kontrolliert durch, das Rad wird abgestellt, meistens in der Nähe der Mitarbeiterparkplätze, und dann geht es zu Fuß durch die Sicherheitskontrolle. Eine Mitnahme des Fahrrades bis direkt vor den Arbeitsplatz ist nicht möglich. Dies ist eine Verfügung des Luftfahrtbundesamtes und des Bundesministeriums, darüber diskutieren zu wollen macht keinen Sinn. Im Umfeld der Mitarbeiterparkplätze gibt es offenbar genug Abstellmöglichkeiten für Fahrräder – dies versicherte uns ein Lufthansa-Betriebsrat. Im Erdgeschoss des Terminal 2 ist eine solche größere Abstellanlage auch zu sehen.

links: In solch einer Röhre geht’s hinauf, und man ist mittendrin im Fernbahnhof
rechts: Einige wenige haben’s schon entdeckt – Sicherheitsweg zwischen Squaire und Autobahn A3
Fotos: Bertram Giebeler

Für Beschäftigte, die im riesigen öffentlich zugänglichen Bereich arbeiten, sieht es deutlich schlechter aus. Am Terminal 2 gibt es oben einige wenige Fahrradständer vom Typ „Felgenkiller“ und unter der Rampe, nicht leicht zu finden, eine Gruppe vernünftiger Abstellanlagen. Am Terminal 1 und am Squaire gibt es ganz vereinzelt wenige Abstellbügel. Der Verkehrsraum ist ansonsten maximal für Autoverkehr jeder Art ausgenutzt.

Am „Point Delta“ zwischen FAC und Parkhaus gibt es sogar einen kleinen Set hübscher Fahrradständer aus Edelstahl, mehr zur Dekoration. Da kaum jemand dort hin findet, stehen auch kaum Räder dran. Dabei wäre dies der geeignete Punkt, um Radfahrer gezielt an den Terminal 1 heranzuführen und dort in ausreichendem Maß Abstellmöglichkeiten zu schaffen. Es gibt sogar jede Menge regengeschützte Flächen unter den vielen Straßen-Überbauungen.

Findige radelnde Mitarbeiter haben noch eine weitere Möglichkeit ausbaldowert, das Fahrrad ­arbeitsplatznah abzustellen: den Sicherheitsweg zwischen A3 und Fernbahntrasse, direkt vor dem Untergeschoss des Squaire auf dessen Südseite. Diesen Sicherheitsweg, eine gut asphaltierte Straße für Rettungsfahrzeuge, erreicht man per Rad nur von Osten, von der Kapitän-Lehmann-Sraße aus, unmittelbar vor der Unterführung unter die A3. Wer zum Squaire weiterradelt und sein Rad dort abstellt (es gibt einige wenige Fahrradständer, aber ein langes Geländer), kann eine der röhrenförmigen Treppen hochsteigen und ist durch eine Fluchttür mitten im Geschehen des Fernbahnhofs! Dies ist ein sehr zentraler Punkt. Wer erst mal dort ist, für den ist die Entfernung zu den meisten Arbeitsplätzen im Terminal 1 fußläufig erreichbar.

Man kann auch etwas weiter westlich das Rad anschließen und durch eine Treppenröhre auf die ­Autobrücke zum Squaire steigen – und sofort ist man an der „strategischen Stelle“ vor dem Ankunfts­bereich A zwischen FAC und Parkhaus.

Der Sicherheitsweg wäre eine hervorragende Alternative für alle, die im Squaire und im zentralen Bereich vor und in Terminal 1 arbeiten. Er hat nur einen entscheidenden Nachteil: er ist nur von einer Seite zugänglich für den Radverkehr! Im Westen, direkt unter dem Zugangspunkt Kelsterbach, endet er für KFZs mit einer Schleife auf der Kraftfahrstraße B43 und für Radfahrer und Fußgänger im Gestrüpp. Es ist unmöglich, vom ­Sicherheitsweg auf die Mörfelder Straße hinauf zu kommen. Selbst sportliche Fußgänger hätten Probleme damit, mit Rad geht es gar nicht. Jammerschade, denn dies wäre eine ideale Anbindung, aber wer von Westen kommt, fährt sicher nicht den Umweg zum Ter­minal 2.

Fazit: wer es geschafft hat, seinen Arbeitsbereich durch eins der Betriebstore zu erreichen, hat dann auch ganz gute Abstellmöglichkeiten fürs Fahrrad. Wer aber im öffentlich zugänglichen Bereich arbeitet, und das sind abertausende, muss entweder ein ganz schlauer Fuchs sein, oder nimmt doch lieber aus Frust die S-Bahn.

Hat jemand die Absicht, an dieser Situation etwas zu ändern?

Ja, natürlich der ADFC und viele engagierte radelnde Mit­arbei­ter/-innen auf dem Flughafen. Aber auch auf höherer Ebene tut sich etwas. Es gibt seit Ende 2013 einen „Arbeitskreis Radanbindung an den Stadtteil Flughafen“. Dieser Arbeitskreis wurde zusammengestellt aus 2 früheren Arbeitskreisen, die sich speziell mit Gateway Gardens und dem Terminal 3 befassten. Vertreten in diesem Arbeitskreis sind unter anderem Fraport, GGP, HOLM, die Stadt Frankfurt über das Radfahrbüro, aber auch der ADFC. Die Leitung hat Georgios Kontos vom Regionalverband FrankfurtRheinMain, aufmerksamen Lesern von Frankfurt aktuell aus der letzten Ausgabe bekannt. Aus diesem Arbeitskreis heraus soll ein Radverkehrskonzept für den Stadtteil Flughafen entwickelt werden. Der ADFC wird sich an dieser Arbeit beteiligen. Der vorliegene Artikel soll dazu auch ein Beitrag sein.

Fraport ist seit längerem Partner von „bike + business“, einem gemeinsamen Projekt von Regionalverband FrankfurtRheinMain und ADFC Hessen. Die Lufthansa beteiligt sich seit langem an der Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“ von AOK Hessen und ADFC Hessen. Ein Gesichtspunkt, der auch eine Rolle spielt: Die Zahl der Beschäftigten steigt, der Flughafen kann aber nicht beliebig expandieren, Platz wird immer knapper. Ein höherer Radfahreranteil bei den Mitarbeitern erspart den Firmen kostbare Quadratmeter für Mitarbeiter-Parkplätze.

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 4 (Jul/Aug) / 2014

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