Kühne Projekte – metropolen­gerechte Bauwerke für Fußgänger und Radfahrer könnten so aussehen: Auf einer Brücke hoch über der B43 hinein ins Squaire, mit dem Fahrrad mitten ins Zentrum des Stadtteils Flughafen
Foto: Bertram Giebeler, Peter Sauer/Montage

Was muss sich als erstes ändern?

Es ist nicht Aufgabe des ADFC, dem vom „Arbeitskreis Radanbindung an den Stadtteil Flughafen“ zu entwickelnden umfassenden Radverkehrskonzept vorzugreifen. Doch zu mehreren Punkten haben wir konkrete Vorstellungen davon, wie die Probleme anzupacken sind und was kurzfristig geschehen muss. Wir schränken die Aufgabenstellung ein auf den Standardfall: Beschäftigte/-r im Stadtteil Flughafen, wohnhaft in zumutbarer Entfernung von nicht mehr als 10 km, will mit dem eigenen Rad zum Arbeitsplatz und wieder nach Hause. Sonderfälle wie Leihfahrradsysteme, bike & ride oder Werksfahrräder klammern wir aus.

Systematisch orientieren wir uns dabei an den drei Problembereichen
  • Hinkommen zum Stadtteil Flughafen
  • Möglichst nahe zum Arbeitsplatz kommen
  • Abstellen des Fahrrades
Und wir fügen noch etwas hinzu:
  • kühne Projekte mit Metropolenniveau

Hinkommen zum Flughafen
Wir schlagen vor, dass die Regionalpark RheinMain GmbH die Patenschaft über alle wichtigen Wege aus Frankfurt und den Flughafen-Nachbarkommunen zum Stadtteil Flughafen übernimmt und für deren Qualitätssicherung nachhaltig sorgt. Die Regionalpark RheinMain Gmbh hat ausreichende finanzielle Mittel für diese Aufgabe. Mit allen Kommunen rund um den Flughafen ist sie gut vernetzt. Ein großer Teil der Wege zum Flughafen, die wir oben aufgeführt haben, sind schon jetzt Regionalpark-Wege, wenn auch mehr mit nahtouristischer Zielsetzung.

Die Wege zum Flughafen hätten als wichtige Alltagsradverbindungen künftig einen etwas anderen Charakter als die „üblichen“ nahtouristischen Regionalparkwege. Sie wären zu einem Sonderprojekt zu bündeln und alltagsverkehrstauglich zu ertüchtigen. Asphalt und Beleuchtung wären natürlich ideal, aber wir wissen, dass Naturschutzgesichtspunkte zu berücksichtigen sind. Ein fester Belag wie am Niddaufer in Eschersheim oder in der Grünanlage Gateway Gardens wären mögliche Alternativen zu Asphalt. Reflektoren bieten bei Dunkelheit wenigstens etwas mehr Orientierung.

Die Ausschilderung dieser Wege sollte, um den Alltagsverbindungscharakter hervorzuheben, nach FGSV-Richtlinien und nicht nach dem Regionalpark-Schema erfolgen, also grüne Zielbeschriftung mit Entfernungsangabe auf weißem Grund. Das Regionalpark-­Logo sollte als Einschub hinzugefügt werden.

Zielerreichung im Stadtteil Flughafen
Wir schlagen vor, eine „Task-Force Radverkehr Hugo-Eckener-Ring“ aufzustellen, aus den am oben genannten Arbeitskreis beteiligten Akteuren. Aufgabe der „Task Force“ wäre es, aufgrund einer Verkehrsanalyse mit professionellen planerischen Methoden Möglichkeiten zu entwickeln, die die Situation für Radfahrer und Fußgänger dort verbessern. Jedes Detail zählt, schon kleine Veränderungen können etwas bewirken. Es wäre vorab ergebnisoffen zu prüfen, welche Funktion für den KFZ-Verkehr diese Straße und der erste Abschnitt des Airportrings bis zur Mörfelder Straße jetzt hat, ob der Geh- und Radweg benutzungspflichtig bleiben muss und ob und unter welchen Bedingungen Radverkehr auf der Straße künftig dort möglich ist.

Kurzfristig halten wir folgende baulichen Maßnahmen für erforderlich:

  • Öffnung der Unterführung unter die A3 südlich von Gateway ­Gar­dens für Radfahrer und Fußgänger durch Versetzung des „Schengen-Zauns“ um ca. zwei Meter.
  • Bau einer Rampe von der Mörfelder Straße zum „Sicherheitsweg“ zwischen Squaire und A3
  • Errichtung einer Querungshilfe für Radfahrer und Fußgänger am Hugo-Eckener-Ring in Höhe der Durchfahrt zwischen FAC und Großparkhaus, Beseitigung aller nicht konstruktiv nötigen Betonhindernisse dort
  • Bau des Radwegs auf dem kurzen Stück zwischen Thea-­Rasche-Straße (Westausgang Gateway Gardens) und Hugo-Eckener-Ring in der nötigen Breite für Zweirichtungsverkehr

Fahrrad abstellen im Stadtteil Flughafen
Wir schlagen vor, an 5 Punkten möglichst große Gruppen von Fahrradabstellanlagen zu installieren:

Terminal 1 / Squaire:
  • an den Freiflächen im Umfeld des Übergangs zwischen FAC und Parkhaus, insbesondere unterhalb von Straßenbauten
  • am „Sicherheitsweg“ zwischen Squaire und A3, besonders unterhalb des Übergangs vom Squaire zum Sheraton Hotel und FAC

Terminal 2:
  • auf der oberen Ebene hinter der Auffahrtsrampe zum Terminal
  • auf den noch verfügbaren Flächen unterhalb und in der Nähe der Rampe

Gateway Gardens
Hier befürworten wir insgesamt ein dezentrales Konzept. Im Umfeld der künftigen S-Bahn-Station wird eine große Abstellanlage erforderlich sein, denn diese Station kann auch für Beschäftigte an anderen Stellen des Flughafens ein bike& ride-Knoten werden – sie ist dafür besser geeignet als der Regio­nal­bahnhof Flughafen. Nur mal ein Beispiel: mit der S-Bahn bis Gateway Gardens, schnell aufs Fahrrad, südlich unter der A3 hindurch raus aus Gateway Gardens, und in wenigen Minuten ist per Rad die Cargo-City-Süd am Gate Zeppelinheim erreicht.

Foto: Uwe Hofacker

Kühne Projekte: metropolengerechte Bauwerke für Fußgänger und Radfahrer

Warum nicht mal etwas Phantasie? Kürzlich gingen die Fotos von Sir Norman Foster und Boris Johnson um die Welt (Ffa 2/14), die kühne Pläne zur Überbauung von Londons Eisenbahnstrecken mit Radwegen zeigten. Es geht auch eine Nummer kleiner: in ­Raunheim steht jetzt eine wunderschöne Brücke für Fußgänger und Radfahrer über den Ölhafen, geplant von einem Top-Architekten­büro. Am Flughafen, wo baulich grundsätzlich in anderen Dimensionen gedacht wird, darf auch für den Radverkehr gelten: THINK BIG!

Folgende Projekte (die Ideen dazu stammen nur teilweise von uns, es gibt auch andere kreative Köpfe um uns herum) halten wir für sinnvoll und befürworten eine Machbarkeitsstudie:

Verlängerung der Flughafenschneise mit einem Brückenbauwerk über die B 43 und die A5 hinweg direkt hinein nach Gateway Gardens. Diese Maßnahme würde zum einen die Verbindung Niederrad – Flughafen beschleunigen und ihr beinahe den Radschnellwegcharakter verleihen. Zum anderen wäre es optisch ein starkes verkehrspolitisches Signal: von dem Komplex A5 / Fernbahnstrecke / Einflugschneise gibt es ganze Post­kartenserien, mit den drei ­motorisierten Verkehrsarten Auto –Bahn – Flieger auf einem Bild. Frankfurt sollte demonstrieren: in dieser Stadt, sogar hier am Flug­hafen, gehören auch Fußgänger und Radfahrer dazu. Jeder der auf der A5 mit dem Auto darunter her fährt könnte dies bestaunen

Schaffung eines direkten Zugangs für Fußgänger und Radfahrer von Norden in den Squaire, in der Mitte, auf dem Niveau der Fernbahnhof-Serviceebene. Hierfür wäre eine Überbauung der B 43 mit einer leichten Konstruktion erforderlich (siehe unsere Montage auf Seite 9). Dadurch würde eine Vorplatz-Situation für den Fernbahnhof geschaffen. Die kurze Fußweg-Anbindung an den ÖPNV wäre per Bus an der Schwanheimer Bahnstraße gegeben. Eine Fahrradabstellanlage wäre nördlich der B 43 im Stadtwaldgebiet zu errichten.

direkte Anbindung der nordmainischen Gemeinden Okriftel, Hattersheim, Kriftel an den Flughafen, mit einer Fußgänger/Radfahrer-Überbrückung des Mains zwischen Okrif­tel und Kelsterbach. Über die neu ausgebaute Okrifteler Straße mit ihrem Radweg, unter der Landebahn hindurch, wäre eine schnelle Anbindung an den Kernbereich des Flughafens gegeben. Eine Überbrückung des Mains an dieser Stelle hätte gleichermaßen touristischen wie alltagsverkehrlichen Wert

Ob kühn & elegant oder schlicht & einfach: packt es an, Geld ist da!
Was auch immer zu einer besseren Radverkehrsanbindung des Stadtteils Flughafen beitragen kann, ob nur 50 Meter Zaun versetzen oder gleich das Frankfurter Kreuz überbrücken: die Kosten wären „Peanuts“ im Vergleich zu dem was sonst investiert wird in die dortige Infrastruktur für KFZ und Bahn ­(allein die S-Bahnstation Gateway Gardens kostet 200 Millionen), von Landebahnen und Terminals ganz zu schweigen. Auch der Regionalpark leidet nicht unter finanzieller Schwindsucht, wenn man die erstaunliche Vielzahl seiner Projekte zum Maßstab nimmt. Für eine adäquate Radverkehrsinfrastruktur rund um den Flughafen kann schon mit bescheidenen Mitteln viel erreicht werden. Wenn der politische Wille da ist, sollte es am Geld nicht scheitern.

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 4 (Jul/Aug) / 2014

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