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Der große Kartentisch

1991 kam ich als studierter Geograph aus dem Ruhrgebiet ins Rhein-Main-Gebiet, um bei der Stadtverwaltung Frankfurt zu arbeiten. Als Geograph hat man Vorkenntnisse in Sachen Kartographie sowie eine Vorliebe für Reisen, bei denen man eine geeignete Karte dabei haben sollte. Ich habe mich während des Studiums sogar sehr intensiv mit der sogenannten Fernerkundung in Form von Karten- und Luftbildinterpretation beschäftigt. Das Lesen und Deuten topographischer Karten war mir also vertraut.

Das Sortiment ist inzwischen verkauft
Landkarten Schwarz

Schon im Ruhrgebiet war ich aktives ADFC-Mitglied und u. a. als Tourenleiter tätig, wofür eine gute (Papier-) Karte ebenfalls sinnvoll und wichtig ist. Da der Infoladen des ADFC damals unweit vom Landkarten Schwarz in der Eckenheimer Landstraße lag, wurde ich bald auf dieses tolle Fachgeschäft aufmerksam und lernte noch die langjährige Inhaberin Barbara Schwarz persönlich kennenlernte.

Beeindruckend waren nicht nur die meterhohen Regalwände in den Altbau-Räumen, sondern auch der große Tisch gleich am Eingang. Auf diesem wurden die Karten zur näheren Betrachtung ausgebreitet, aber nicht immer gleich wieder weggeräumt, sodass sich mit der Zeit eine mehr oder weniger dicke Papierschicht auf dem Tisch bildete. Frau Schwarz und ihr Team behielten erstaunlicherweise immer den Überblick, auch über alle Karten und Bücher die – scheinbar unsortiert – in den Regalen standen. Es erschien wenig sinnvoll, selbst in den Regalen zu stöbern. Eine Frage, ein Griff und schon lagen gleich mehrere unterschiedliche Titel zur gewünschten Region auf dem Tisch. Dieses Prinzip hat sich, auch nach dem Umzug in die Innenstadt, bis heute erhalten.

Die Gründe, warum bei Landkarten Schwarz jetzt leider Schluss ist, haben wir beim ADFC in den letzten Jahren hautnah mitbekommen, vor allem bei der Infoladen AG und der Kartographie AG.

Im Frankfurter ADFC spielte die Kartographie schon immer eine wichtige Rolle. Dies haben wir Dr. Harald Braunewell zu verdanken, der – zusammen mit einem kommerziellen Verlag – maßgeblich an der Entstehung des ersten Frankfurter Fahrradstadtplanes beteiligt war, wie auch an der Entstehung des Frankfurter GrünGürtels und der dazu gehörigen Freizeitkarte des Umweltamtes. Die damalige Kartographie AG habe ich vor fast 20 Jahren von Harald übernommen und deshalb unmittelbar zu spüren mitbekommen, wie sich die schnell fortschreitende Digitalisierung ganz besonders in diesem Bereich ausgewirkt hat. Das sieht man einerseits an den stark ausgedünnten Karten- und Buchbeständen in unserem heutigen Infoladen, aber vor allem auch an dem Wandel der Kartographie AG zur Kartographie & GPS AG. Nach wie vor spielen bei uns Papierkarten eine wichtige Rolle, denn wir sind immer noch bei vier Kartenwerken maßgeblich an den fahrradspezifischen Inhalten beteiligt. Neben dem Fahrradstadtplan des Geomap-Verlages und der GrünGürtel-Freizeitkarte sind das die regionalen Fahrradkarten der bikemedia-Gruppe und des Meki-Verlags. Doch seit gut 10 Jahren nimmt auch bei uns das Thema der elektronischen Satellitenavigation breiten Raum ein, nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Nachfrage bei den Verbrauchern.

Trotzdem habe ich neben dem GPS-Empfänger immer auch eine oder mehrere Papierkarten dabei. Die Karten bestehen heute aus feuchtigkeitsresistentem Papier. Doch leider wird es zunehmend schwerer, Papierkarten zu bekommen, und ganz besonders schwierig, sich diese vorher auch noch anzusehen. Denn jedes Kartenbild ist anders aufgemacht und zeigt einen anderen Ausschnitt der immer noch real existierenden Welt.

Wolfgang Preising

Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2020

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