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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

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Regionaltangente West (RTW) PLUS Radverkehr

– subjektiv betrachtet

Bild zum Artikel RTW Plus braucht mehr als ADFC-Aktionen.
Gabriele Wittendorfer

Die Presse jubelt, alle Parteien sind für die Radtrasse, und der Geschäftsführer der RTW Planungsgesellschaft entpuppt sich im Eschborner Bauausschuss als Verfechter einer radverkehrstauglichen Spindellösung am RTW-Haltepunkt Sossenheimer Straße.

Alles prima, zurücklehnen und erstmal feiern? Von wegen!
Hinter den geschlossenen Türen geht es schon wieder zur Sache. Die Eschborner Autofraktion will schon nichts mehr von der zur Spindel gehörenden Radfahrer- und Fußgängerbrücke wissen, den Rattentunnel zwischen Sulzbach und Sossenheim hat sowieso keiner mehr auf der Agenda und beim ersten Abstimmgespräch zwischen Eschborner Sachbearbeitern und ihren Pendants im Ministerium wird aus dem Satz "Wir als Land werden die Kommune Eschborn großzügig unterstützen." die Variante "Wir als Land müssen uns um 450 Kommunen in ganz Hessen kümmern." Aber es geht nicht primär um Eschborn.

Knackpunkt 1: Für Radverkehrsförderung kann jeder sein, denn es bleibt folgenlos
Wie ist die Geschäftsstruktur der RTW? Es gibt 12 Gesellschafter – das Land Hessen, der RMV und alle tangierten Landkreise und Kommunen sind mit Vertretern und Finanzen mit an Bord. Alle wollen, dass die RTW gebaut wird. Dafür gibt es ein festangestelltes Team und Projektpartner. Was in der Gesellschafterversammlung entschieden wird, setzen die Mitarbeiter/innen um.

Wie schaut die Umsetzungsstruktur für RTW PLUS aus? Die gibt es nicht. Je nach Priorität jedes einzelnen Rathauses verschwindet das Thema ganz einfach in der Schublade. Und selbst wenn dies im glücklicheren Fall nicht so ist, dann hat bestimmt irgendein relevanter Stadtverordnetenvertreter im Bauausschuss eine andere Vorstellung. Und wegen Radverkehr will man sich schließlich nicht anlegen. RTW PLUS – war da was?

Knackpunkt 2: Radverkehrsförderung hört immer noch an der Kirchturmspitze auf
Woher kommt die Einigkeit der "end-to-end"-Betrachtung bei der RTW? Die RTW soll Menschen von Bad Homburg bis Buchschlag transportieren und braucht dafür eine durchgängige Infrastruktur. Bad Homburg und Frankfurt müssen also an einem Strang ziehen.

Ganz anders bei RTW PLUS: Die Mehrzahl der politischen Entscheider kann sich immer noch nicht vorstellen, dass Menschen auf dem Rad auch auf eine durchgängige Infrastruktur angewiesen sind. Schlechte Oberflächen, ungeführte Kreuzungsbereiche, ständige "Radweg-Ende"-Erlebnisse ... Was beim sonntäglichen Radausflug vielleicht noch akzeptabel sein mag, ist zweimal täglich schlicht eine Zumutung. Und leider ganz normal, wenn man beim Radverkehr zwischen den Kommunen nicht an einem Strang zieht.

Hessenweite Radverkehrsförderung braucht jetzt hessenweite RadverkehrsBAUprojekte
So, und jetzt mal Klartext. Wenn für die RTW PLUS (das gilt übrigens für alle überregionalen Radwege) keine Umsetzungsstrukturen, Ressourcen und Kompetenzen geschaffen werden, die über die beteiligten Kommunen hinausgehen, dann brauchen wir kein einziges Radverkehrskonzept, keine einzige Machbarkeitsstudie und keinen einzigen Experten mehr. Die heutigen Radverkehrswege-Umsetzungsstrukturen taugen vielleicht noch für einzelne Bordsteinabsenkungen, aber schon bei der kreisweiten Radroutenbeschilderung scheitern sie.

Wenn die beteiligten Personen und Parteien nicht schleunigst aus der Deckung kommen – hier ist in erster Linie das Land Hessen gefordert – dann wird sich auch RTW PLUS in die Reihe der überregionalen "Hat sich redlich bemüht"-Projekte einreihen, die wir schon kennen:

Der Radschnellweg von Darmstadt nach Frankfurt bedient vor allem die Bedürfnisse der tangierten Kommunen und endet spätestens an der Frankfurter Stadtgrenze.

Das hessische Radhauptnetz dient nur "der Orientierung" der Bürgermeister und übrigens als Zubringer für Radschnellwege, die bis heute keiner kennt.

Und ob es dem neuen Regionalen Flächennutzungsplan Rhein-Main bezüglich seiner Leuchtturmfunktion für Radrouten anders ergehen wird als dem von 2010, darf sehr bezweifelt werden.

Papier ist geduldig. Ich nicht.

Gabriele Wittendorfer