Glitzermoos im Grüngürtel

Kunst im Tunnel: Glitzermoos
Foto: Torsten Willner

Was hat der ADFC mit dem Grüngürtel zu tun? Nun: Viele Touren des ADFC führen entlang des Grüngürtels. Jährlich veranstaltet der ADFC Frankfurt sein Sommerfest auf dem Bonameser Flugplatz, mitten im Grüngürtel. Politisch setzt sich die Frankfurter Radfahrlobby für den Erhalt des Grüngürtels als wichtiges Naherholungsgebiet in Frankfurt ein. Somit wird der ADCF in der privaten wie in der amtlichen Wahrnehmung positiv mit dem Grüngürtel in Verbindung gebracht.

Foto: Torsten Willner

Es war also naheliegend, dass der ADFC Frankfurt vom Umweltamt der Stadt Frankfurt eine Einladung zur Einweihung eines Kunstwerks im Grüngürtel erhielt. Unser verkehrspolitischer Sprecher, Bertram Giebeler, folgte der Einladung zur Unterführung unter der A661 zwischen Eschersheimer Freibad und Bonames. Es muss den Verantwortlichen der Projektgruppe GrünGürtel aufgefallen sein, dass diese Unterführung ein Ort ist, an dem ein Verweilen wenig Spaß macht. Dunkel, voll mit ungeordneter Graffiti und unübersichtlich dient dieser Ort der eiligen Unterquerung der A661. Die Künstlergruppe „Sounds of Silence“ wurde beauftragt, die Unterführung künstlerisch aufzuwerten. „Sounds of Silence“ sind Petra Eichler und Susanne Kessler, zwei junge Frauen, die seit 2005 zusammenarbeiten. Sie beobachteten die krassen Gegensätze der Lichtverhältnisse in der Unterführung und dem Außenbereich. So entstand vermutlich die Idee, etwas von dem Licht des Niddauferweges im „Tunnel“ reflektieren zu lassen. „Glitzermoos“ ist ihre Antwort auf die düstere Tristesse der Unterführung. 30.000 goldenfarbene Reißzwecken, eingegossen in Acrylglas und zu 250 wolkigen Elementen geformt, haben sie an den Wänden des Brückenbauwerks befestigt. Wanderer und Radfahrer werden bei ihrer Unterquerung der A661 die Glitzermoose vielleicht erst flüchtig wahrnehmen, dann aber doch genauer hinsehen. Interessant wird sicher die Durchfahrt bei Dunkelheit. Wer mit dem Fahrrad und einem hellen Scheinwerfer unterwegs ist, wird ungewohnte Reflexionen erzeugen können.

links: Das Kunstwerk wird seinem Namen gerecht: Glitzermoos im Sonnenlicht.
Foto: Günter Tatara
rechts: Bertram Giebeler (hier im Gespräch mit Lorenz Rautenstrauch – damals noch Geschäftsführer Regionalpark RheinMain GmbH, jetzt im Ruhestand) war wie viele Andere zur Einweihung von Glitzermoos gekommen.
Foto: Torsten Willner

Die Einweihung des Kunstwerkes fand am Freitag, den 30. November 2012, um 11.30 Uhr statt. Ein Zeitpunkt, zu dem nicht befürchtet werden musste, den Tunnel wegen Überfüllung schließen zu müssen. Einige Besucher sahen sich die kleinen pieksigen Wolken an den Wänden genauer an. Die Köpfe der Reißzwecken sind in Acrylglas fest eingeschlossen, die Messingstifte ragen spitz nach vorne. Ich konnte im Gespräch mit den Künstlerinnen eine Frage nicht zurückhalten: „Haben Sie daran gedacht, einige der Wolken auch auf dem Dach der Unterführung anzubringen?“ Zur Beruhigung: es war eine Scherzfrage, denn auch ich bin neben Fußgänger und Fahrradfahrer auch Autofahrer.

Klaus Hoppe, Leiter der Projektgruppe GrünGürtel im Umweltamt, und Lorenz Rautenstrauch, Geschäftsführer der Regionalpark RheinMain GmbH (zwischenzeitlich im Ruhestand), eröffneten mit zwei kurzen Reden die Kunstinstallation. Es gab Brezeln und heißen Apfelwein. Die Besucher standen in kleinen Gruppen herum und plauderten – vermutlich über Kunst am Bau und Kunst im Allgemeinen. Und ab und zu kam ein Radfahrer durch den Tunnel gefahren und bahnte sich – mal mehr, mal weniger verständnisvoll – seinen Weg durch die Feiernden.

Günter Tatara

Inhalt Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2013


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