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Der Hölderlin-Pfad

Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin, 1770-1843


Dies berühmte Gedicht „Hälfte des Lebens“ kann eigentlich nur auf dem Hof des Homburger Schlosses entstanden sein, denn nur von dort ist der Schlossteich zu sehen und sind die Windfahnen aus Metall auf den Türmen zu hören. Hölderlin hat gegenüber an der Ecke Löwengasse/Dorotheenstraße gewohnt und ist oft durch den Schlosspark spaziert.

Zwei Jahre lang ist er an jedem ersten Donnerstag im Monat zu seiner geliebten Susette Gontard, die anderweitig verheiratet war, nach Frankfurt gezogen – und auch wieder zurück, damals natürlich noch zu Fuß, ganz ohne Fahrrad. Das würdigt heute der Hölderlin-Pfad, der am Schlosstor beginnt. „Pfad“ klingt sehr nach Fußweg. Es zeigt sich jedoch, dass der Weg fast durchgehend befestigt und mit dem Fahrrad befahrbar ist – und das völlig legal.

Start ist am Tor des Homburger Schlosses. Die Wegmarkierung mit dem Kopf des Dichters ist für Radler durchaus groß genug. Allerdings sind die Zeichen relativ sparsam verteilt und die Richtungspfeile oft verblasst. Der Hölderlin-Pfad geht zunächst zum Regionalpark-Rundweg, dann über die Autobahn, am Stadtteil Riedberg vorbei und lange bergab bis an den Kalbach. Hier ist der Weg tatsächlich für ein paar Meter nur ein Pfad. Weiter unter der Autobahn hindurch bis zu einem unbeschrankten Übergang über die U-Bahn. Wenig später erreicht man den Alten Flugplatz und überquert auf der Robert-Gernhardt-Brücke die Nidda. Rechts steht das vom Namensgeber entworfene und „nach der Natur gebaute“ Grüngürteltier. Hätte Hölderlin das damals sehen können, wäre ihm sicherlich ein passendes Gedicht eingefallen. Aber er konnte die Nidda wohl nur über die alte Brücke in Bonames überqueren.

Jetzt fährt man ein Stück die Nidda aufwärts und biegt vor der Ampel nach rechts auf den breiten Radweg ab. Weiter aufwärts bis zur Main-Weser-Bahn. Der Hölderlin-Pfad unterquert hier die Bahn. Mit dem Fahrrad muss man aber an der Straße bleiben und die Bahn auf einer Brücke überqueren. Weiter auf der Homburger Landstraße bis zum Autobahn-Zubringer, davor nach rechts auf einen Sandweg abbiegen. Zunächst unter der Autobahn hindurch, dann über eine Brücke hinüber nach Eckenheim. Ab jetzt aufpassen, denn der Hölderlin-Pfad wird teilweise wirklich zu einem Pfad und windet sich am Rande von Eckenheim entlang. Hier muss man auf die Zeichen mit dem Kopf des Dichters achten. Man bedenke, dass Hölderlins Wanderung ein durchaus pikantes Ziel hatte und er deshalb wohl abseits von Wegen und mit wechselnden Routen unterwegs war. Ab der Gaststätte „Jahnvolk“ teilt sich der Hölderlin-Pfad den Weg mit der Radroute in die Frankfurter Innenstadt. Es ist einfacher, dieser Radroute bis zum Holzhausenpark zu folgen. Hier allerdings müssen Hölderlin-Verehrer nach links abbiegen und bis zum Oeder Weg fahren, denn dort lag der Sommersitz der Familie Gontard, Hölderlins Ziel nahe der heutigen Adlerflychtstraße. Bis hierher sind es etwa 20 km. Die konnte Hölderlin sicher an einem Tag zurücklegen, musste jedoch vermutlich noch am selben Tag aus bereits genannten Gründen wieder zurück.

Nebenbei: Hölderlins 250. Geburtstag wird in diesem Jahr in Bad Homburg gebührend gefeiert werden.

Günther Gräning

Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2020

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