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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

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Radfahren und Archäologie

Grabungen am Elvis-Presley-Platz

Radfahren und Archäologie können sich gegenseitig befruchten. Das war mir schon klar, als ich vor rund 30 Jahren mutterseelenallein mit meinem Ur-Mountainbike namens "Taunus" im Taunus am Limes herumfuhr. Dass sich Hessen allerdings später mit einem "Limes-Radweg" schmücken würde, hätte ich damals nicht geahnt. Auch nicht, dass man immer noch mehr ausgraben kann:

Von Bad Homburg nach Friedberg führt mich mein Weg per Rad im Sommer 2013. Friedberg ist äußerst reich an Historie, das weiß man als welterfahrener Radler. Ich komme in die Friedberger Kaiserstraße und zu einem Ort namens "Elvis-Presley-Platz". Der ist eingezäunt und damit unzugänglich wegen einer großen Baustelle, auf der aber nur eine Frau und ein Mann arbeiten. Ich lehne mich samt Rad an den Zaun und sehe dem Mann eine Zeitlang zu, wie er sorgfältig im Boden gräbt. Auf dem Fahrrad kommen einem immer die besten Ideen; ich nehme also meinen ganzen Humor zusammen und frage den Erdarbeiter frech: "Ist das, was Sie dort tun, Archäologie oder Straßenbau?"

Auf die geniale Reaktion des Wühlers war ich nicht gefasst: "Na, raten Sie mal!"

(Sapperlot, die sind aber schlagfertig, die Archäologen!) "Archäologie!" beeile ich mich zu antworten. "Richtig!" "Und was hoffen Sie zu finden – sicherlich mindestens Mittelalterliches, ich kenne doch Friedberg?!" Der Archäologe: "Nein, eher frühe Neuzeit – 15. oder 16. Jahrhundert." "Das enttäuscht mich ein wenig, aber dennoch viel Erfolg!" rufe ich im Weiterfahren, "und graben Sie doch ruhig mal ein wenig tiefer!" "Gute Idee", höre ich noch.

Ein paar Wochen später komme ich an dieselbe Stelle, wieder natürlich mit dem Rad, anders geht das ja auch gar nicht. Und siehe da: Rings um den Bauzaun hängen jetzt große Plakate, auf denen die Pläne und Ergebnisse der Grabungen beschrieben sind. Das Wort "Straßenbau" nehme ich lieber nicht mehr in den Mund. Aber was sehe ich da: "Fahrspuren römischer Wagen" seien entdeckt worden! Na also!

Wären es Fahrradspuren gewesen, wäre die Sensation noch größer – ich werde weiter danach suchen lassen!

Günther Gräning