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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Bild zum Artikel Auf dem Weg zurück von der Hohen Straße: Die Strecke verläuft optimal, ihre Beschaffenheit ist es nicht.
Foto: Ute Gräber-Seißinger

"Kurze Wetterau"

Spurensucher für einen künftigen ­Radweg nach Bergen-Enkheim und zur Hohen Straße
Bericht von der ­Raderkundungsfahrt 2016 des
ADFC Bad Vilbel, Teil II

Wie bereits in Frankfurt aktuell 1/2017 berichtet, steuerte die Radfahrergruppe unter der Leitung Christian Eulers insgesamt acht Haltepunkte an, um Problemstellen für den Radverkehr zu identifizieren und Handlungsbedarf aufzuzeigen. Hier nun der zweite Teil unseres Berichts, der mit dem Haltepunkt Nr. 5 beginnt.

Wegweisungen am Heilsberg: Leider für Radfahrende ­irreführend!
Die nächste Etappe bildete der "Heartbreak Hill", die Strecke den Schöllberg hinauf bis zum Heilsbergkreisel, der nach den derzeitigen Planungen den südlichen Endpunkt der "Kurzen Wetterau" bilden soll. Dort versammelte sich die Gruppe auf der Ostseite und damit am Haltepunkt Nr. 5.

Will man mit seinem Fahrzeug – und um ein solches handelt es sich bei einem Fahrrad – die Fahrbahn benutzen, was bei nicht benutzungspflichtigen Radwegen ja durchaus erlaubt ist, so fehlen im unmittelbaren Umkreis des Heilsbergkreisels schlichtweg die Abfahrten. Abgesehen davon ist es für Radfahrende schon eine echte ­Heraus­forderung, am Heilsbergkreisel die Abzweigung nach Bergen-Enkheim zu finden – und das auch noch angesichts einer an zwei Stellen in die falsche Richtung weisenden Beschilderung.

Erfreut stellte die Gruppe hingegen fest, dass ein tiefes Schlagloch, das noch 14 Tage zuvor die Fahrbahn verunziert hatte, zwischenzeitlich aufgefüllt und damit beseitigt worden war.

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links: Das kann nur wissen, wer die Richtung ohnehin kennt: Nach Bergen-Enkheim geht's in die entgegengesetzte!
rechts: Gelöst nach dem Do-it-now-Prinzip: Das Schlagloch ist weg, dank schnellen ­Handelns der Stadt!
Fotos: Ute Gräber-Seißinger

Lückenschluss an der Stadtgrenze zu Frankfurt dringend gewünscht
Der schmale Weg zum sechsten Haltepunkt an der Fußgangerbrücke zur Fertighausausstellung konnte aufgrund seiner deftigen Steigung teilweise nur schiebend zurückgelegt werden.

Eine von der Fahrbahn getrennte Radverkehrsanlage entlang der B?521 von Bad Vilbel nach Bergen-Enkheim ist seit langem vorgesehen. Gleichwohl gibt es noch immer keine Bewegung seitens der beiden Anrainerkommunen Bad Vilbel und Frankfurt, diese für die Nahmobilität unhaltbare Situation zu verbessern. Bislang ist an der Fußgängerbrücke zur Fertighausaustellung der Weg zu Ende.

Christian Euler hierzu: "Der ADFC befindet sich seit diesem Jahr in moderierenden Gesprächen mit den Verkehrsdezernaten der Städte Frankfurt und Bad Vilbel sowie des Regionalverbands. Wir hoffen, hier bald einen Durchbruch für konkrete Erschließungsmaßnahmen erzielen zu können." In einem solchen Kontext könnte zugleich eine direkte Verlängerung der "Kurzen Wetterau" bis hinein in den Frankfurter Osten entstehen.

Überlegenswert ist zudem, den Zweirichtungsradweg, der von der Friedberger Warte aus auf westlicher Seite entlang der B 521 bis zur Kfz-Abzweigung zum Heilsberg führt, entlang eben dieser Bundesstraße bis zum Heilsbergkreisel zu verlängern. Dies beträfe ein rund 800 Meter langes Teilstück.

So würde eine weitere Lücke geschlossen. Radfahrende könnten vom Heilsbergkreisel aus direkt, das heißt ohne Umweg über die Alte Frankfurter Straße, in den Norden Frankfurts gelangen. Überdies würde dieser Lückenschluss im Verein mit einer neuen Radverkehrsanlage entlang der B 521 zwischen Bad Vilbel und Bergen-Enkheim durchgängige Radwege von der südlichen Stadtgrenze Bad Vilbels aus sowohl in den Norden als auch in den Osten Frankfurts bedeuten.

Landgrabenweg als ultimative Herausforderung
Was es heißt, mit dem derzeitigen Zustand leben zu müssen, zeigt sich auf dem Landgrabenweg. Diese Passage ausgangs des Vilbeler Waldes ist bislang auf Karten des Regionalparks Rhein-Main und der Stadt Bad Vilbel allen Ernstes als einziger offizieller Radweg nach Bergen-Enkheim ausgewiesen und entsprechend ausgeschildert. Sie bildete die Etappe bis zu Haltepunkt Nr. 7, der Kreuzung Landgrabenweg/Höhenweg.

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links: Der Landgrabenweg hoch zum Berger Rücken – exquisit steil und steinig
rechts: Streckenplan abrufbar unter www.adfc-bad-vilel.de/Kurze-Wetterau_Spurensucher, dort ganz unten als PDF-Dokument
Fotos: Ute Gräber-Seißinger

Und diese Etappe hat es in sich, denn mit einer Steigung von 20 Prozent (!) in der Spitze stellt sie den "Heartbreak Hill" klar in den Schatten. Sie lässt sich – nicht zuletzt auch aufgrund der miserablen Wegeoberfläche, gekennzeichnet durch groben Schotter und quer verlaufende steinerne Regenrinnen – sowohl abwärts als auch aufwärts bestenfalls von sehr sportlichen Radfahrenden mit Breitreifen-Bikes ohne Absteigen bewältigen. Selbst das Schieben des Rades brachte so manchen aus der Gruppe bei spätsommerlichen Temperaturen an seine Grenzen. Genommen wurde das Ganze mit Humor. Ein Teilnehmer brachte die Lacher auf seine Seite, als er lakonisch äußerte: "Ja, es geht doch! Mit einem Aufzug geht's." Der ADFC Bad Vilbel meint: Prädikat besonders untauglich.

Den Haltepunkt Nr. 8 bildete der an der Hohen Straße gelegene Lindenhof. Der Weg dorthin ließ dann wieder aufatmen, da er leidlich gut ausgebaut und steigungsarm ist.

Gute Verbindung zur Hohen Straße – auf dem Papier bereits vorhanden
Den ersten Teil des Rückwegs zum Start-/Zielpunkt am Alten Rathaus bildeten eine bereits gut ausgebaute, asphaltierte Strecke bis zu der von Bergen-Enkheim nach Niederdorfelden verlaufenden B 521 sowie im Anschluss daran ein alter Feldweg, dessen Pflastersteine mittlerweile fast gänzlich im Boden versunken sind. Die ganze Strecke des Rückwegs hat lediglich moderates Gefälle und lässt sich auch in umgekehrter Richtung zur Hohen Straße hinauf gut befahren.

Aus der Sicht des ADFC Bad Vilbel wäre hiermit eine optimale, weil direkte und steigungsarme Anbindung des Niddaradwegs an die Hohe Straße gegeben. Die Strecke böte auch Ungeübten, die in ihrer Freizeit nach Bergen-Enkheim, in den Frankfurter Osten oder nach Hanau radeln wollen, eine einfache und bequeme Möglichkeit zur Überwindung des Berger Rückens. Sie wäre radtouristisch und für den Alltagsverkehr gleichermaßen sinnvoll und wünschenswert. Allerdings ist die Oberfläche eines etwa 500 Meter langen Teilstücks des besagten alten Feldwegs noch stark verbesserungswürdig. Auch hier ist der ADFC Bad Vilbel bestrebt, die beiden Anrainerkommunen und den Regionalverband für eine baldige Wegeertüchtigung an einen Tisch zu bekommen.

Der Rest des Rückwegs verlief im Anschluss an eine etwa 300 Meter lange Zick-Zack-Passage vorbei am Hundeübungsplatz und über die Hanauer Straße. Die Hanauer Straße ist ab der Gabelung Am Hohlweg als Einbahnstraße ausgewiesen; Radfahrende müssten hier absteigen, um mit ihrem Gefährt die Innenstadt zu erreichen. Besser ist es deshalb, den parallel verlaufenden Erzweg bergab bis zur Frankfurter Straße zu benutzen, wie wir es bei der Raderkundungsfahrt als "Spurensucher" schließlich auch taten. Eine Beschilderung fehlt bislang – selbstredend.

Am Ende der Erkundungstour kehrte die Gruppe zur Stärkung bei weiterhin schönstem Sonnenschein im Bistro Weinliebe gegenüber dem Alten Rathaus an einem Tisch im Freien ein. Bei Kaffee und süßem Gebäck sagte einer der Teilnehmer halb scherzend, halb im Ernst: "Ich bin jetzt von Butzbach hierher gezogen, da hatte ich schöne Radwege. Jetzt bin ich hier und suche nach Radwegen Richtung Frankfurt, aber wie ich feststellen musste, könnt Ihr mir auch nicht weiterhelfen."

Hürden für den Radverkehr herabsetzen – in Radinfrastruktur investieren!
Den Nutzen des Fahrrads als alternatives, Landschaftsflächen, Luft und Umwelt schonendes Verkehrsmittel dürfte heute kaum noch jemand ernsthaft bestreiten wollen. Folglich wird es immer wichtiger, alternative Wege für den Radverkehr so attraktiv zu gestalten, dass sie auch gerne angenommen werden. Dazu gehören: kurze Verbindungen, steigungsarme Streckenprofile, ausreichend breite Wege, fahrradgerechte Wegeoberflächen, durchgehende, gute Beschilderung auch über Gemeindegrenzen hinweg und bei starker Frequenz eine möglichst getrennte Führung der verschiedenen Verkehrsteilnehmer. Der Radverkehr führt schon längst kein Nischendasein mehr. Der Bedarf an einer fahrradfreundlichen Infrastruktur nimmt zu. Das gilt auch für Bad Vilbel.

Theo Sorg
Christian Euler,
Ute Gräber-Seißinger