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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

Artikel dieser Ausgabe

Editorial

Foto: Peter Sauer

Frauen fahren Rad. Mein subjektiver Eindruck: Im morgendlichen Berufsverkehr, in der Innenstadt, im Nordend oder Westend, in Bornheim oder Bockenheim, stellen sie gar die Mehrheit aller Radfahrenden. Radfahrerinnen tragen Rock oder Hose, hochhackige Schuhe oder Slipper, sind elegant oder sportlich, mit Hollandrad, Kindertransporter oder Rennrad unterwegs. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die uns im Alltag kaum ins Auge fällt. Warum ich das hier trotzdem erwähne? Vor 200 Jahren wurde der Vorläufer unseres heutigen Velos erfunden. Kaum eine der großen Tageszeitungen verzichtet darauf, reich bebildert über die Geschichte des Fahrrads zu berichten. Dabei wird nicht nur die technische Seite, vom Drais'schen Laufrad über das Hochrad bis zum modernen Niederrad, betrachtet. Auch die Folgen für wesentliche gesellschaftliche Veränderungen, für Mobilität, für die Befreiung von allen möglichen Zwängen, finden hier und da Erwähnung. Kaum berichtet jedoch wird, wie wichtig das Fahrrad gerade für Frauen war, die raus wollten aus den ihnen zugewiesenen Rollen in der Männergesellschaft der Kaiserzeit. Und welche Rolle es heute noch für Frauen spielt, die in Ländern leben, in denen ihnen zwar das Autofahren verboten, das Radfahren aber erlaubt ist, sie dies jedoch wegen strenger Bekleidungsvorschriften (man erinnere an Korsetts, steife Mieder und lange Röcke hierzulande) kaum ausüben können.

Literatur zu diesem Thema gibt es durchaus. "Sie radeln wie ein Mann, Madame – Wie die Frauen das Rad eroberten" ist dabei ein bereits vor 25 Jahren erschienener Klassiker. Nun hat sich der Hessische Rundfunk glücklicherweise dieses Themas angenommen und eine spannende Radiosendung im Rahmen der Reihe "Der Tag" produziert. "Mit dem Rad &ndasg; raus aus dem Patriarchat" heißt es aktuell zum Internationalen Frauentag (und weiterhin auf der Website von HR2). "Immer wieder werden wir von Männern, denen das nicht gefällt, attackiert", wird eine Radfahrerin aus Kairo zitiert. "... von den Passanten teils mit Hohngelächter, teils mit unzweideutigen Bemerkungen begrüßt ..." schrieb eine Berliner Radlerin im Jahre 1890.

Vor einer roten Ampel in der Frankfurter Innenstadt stehen sechs Radfahrerinnen. Ein Beweis dafür, dass Frauen die Mehrheit der Radfahrenden stellen? Nicht unbedingt, meint die Liebste, Radfahrerin auch sie. Vielleicht sind die Männer einfach längst bei Rot über die Kreuzung gerauscht.

Frauen fahren Rad. Fahren Frauen vielleicht sogar besser Rad?

Peter für das Redaktionsteam