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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

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Akquise in Schmitten

In Schmitten gebe es einen Fahrradladen, sagt mir Hans Lange, unser Tourenprogrammanzeigenvertriebsprofi aus Weilrod, der wolle gerne bei uns inserieren. Bis kurz vor Annahmeschluss tut sich nichts, Hans ist erkrankt, also mache ich mich zwecks Akquise auf den Weg nach Schmitten, mit dem Auto, zugegeben.

Im Ortszentrum an der Kanonenstraße (heißt so!) finde ich wirklich ein Radgeschäft, umgeben von Häusern, die sehr renovierungsbedürftig aussehen. Zwischen einer Autowerkstatt und den Fahrrädern eingeklemmt ist eine kleine Bäckerei, einige Meter abseits der Straße und nur über eine Treppe erreichbar. Mein Auto passt so eben gerade davor, und ich muss den Gehweg teilweise mit in Anspruch nehmen. Als ich aussteige, tritt die Bäckereiverkäuferin oben vor ihre Ladentür. Oha, denke ich, ich muss hier weg, das kenne ich schon aus Bad Homburg. Aber nein: Ob sie mir helfen könne, fragt die Verkäuferin. Chapeau! Als einzige (dumme) Frage fällt mir spontan ein: Ob der Radladen neben ihr geöffnet sei? Ja, das sei er.

Der Radladenbesitzer empfängt mich freundlich, ich übergebe artig mein Akquiseschreiben, unser Tourenprogramm von 2016 und die neueste Nummer der "Radwelt". Er spricht jedoch von umsatzschwacher Winterzeit und sehr wenigen Radlern und ist deshalb eher abgeneigt. Ich könne das verstehen, sage ich, aber er möge doch noch einmal nachdenken: Das Tourenheft gelte ein volles Jahr, und zahlen müsse er (wenn überhaupt) erst mitten in der Radsaison. So verbleiben wir.

Ich fühle mich verpflichtet, in der Bäckerei irgend etwas zu kaufen und steige die Stufen zum Laden hinauf. "Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club", sagt die Verkäuferin zu meiner Verblüffung. Ja, sie habe das kleine Schild an meinem Auto aus der Nähe betrachtet. Wo wir denn beheimatet seien, fragt sie. Überall, sage ich (jedoch offenbar nicht in Schmitten, denke ich), aber ich sei aus Bad Homburg. Hier in Schmitten gebe es zu dieser Jahreszeit wenig Radler, sagt sie, in Schmitten herrsche sechs Monate Winter und sechs Monate schlechtes Wetter. Aber Ski fahren, das gehe doch wohl, am Sandplacken liegen noch 20 cm Schnee, sage ich. Ja, das gehe ganz gut, insbesondere Langlauf oder Abfahrt auf der Hegewiese.

Ich kaufe eins ihrer fünf verbliebenen Brötchen, mit Käse überzogen, für 63 Cent. (In Bad Homburg nimmt sogar mein Fußballverein rote Cent-Stücke nicht mehr, auch nicht geschenkt.) Dann verabschiede ich mich freundlich und fahre nach Glashütten, wo bekanntlich in einer Kombination aus Bäckerei, Metzgerei und Imbiss immer Wildbratwürste vorrätig sind.

Auf der Heimfahrt beschließe ich genau auf dem Königsteiner Kreisel, dem Radhändler in Schmitten für seine Anzeige einen Rabatt einzuräumen.

Günther Gräning