Leserbrief

Zum „Editorial“ der Ausgabe FA 3/2013

Mit Freude auf die neuesten Infos aus dem Frankfurter Raum bezüglich meines Lieblingsfortbewegungsmittels, holte ich die neueste Ausgabe der Frankfurt-atktuell aus dem Postkasten.

Doch bereits beim Editorial ist mir die Lust am weiterlesen vergangen. Bereits zum zweiten mal benutzt Peter Beleidigungen für andere Radfahrer.

In einer Zeit in der an fast jedem Tourenrad LED oder Halogenscheinwerfer montiert sind, werde ich auch des öfteren geblendet und gerade heute sind mir auf dem Radweg auf meiner Seite Radfahrer entgegen gekommen.

Dennoch käme ich NIE auf die Idee, diese Menschen als Deppen zu bezeichnen. Und von dem Editorial-Schreiber einer Zeitung des ADFC erwarte ich das schon mal garnicht. In einem anderen Editorial waren es „Spacken“ oder so ähnlich.

Nochwas: Mein Arbeitsweg führt mich von Frankfurt nach Kelkheim und ein Teil davon ist der „Rund um den Industriepark“ Radweg. Auch da frage ich mich, wie Peter dazu kommt diesen abzuwerten. Ich fahre ihn sehr gerne.

Fazit: In Zukunft etwas mehr Professionalität bitte!

Holger Schmidt

Eine Antwort:

Lieber Holger Schmidt,

vielen Dank für deine kritische Nachricht. Du hast recht, „Deppen“ ist nicht das richtige Wort, auch wenn es unter den Beleidigungen sicherlich eines der schwächeren ist. Beleidigungen sind in jedem Fall abzulehnen, schon gar in schriftlicher Form. Dafür entschuldige ich mich ausdrücklich.

Ein paar Anmerkungen zu deinem Text kann ich mir aber nicht verkneifen. Fangen wir der Einfachheit halber hinten an:

„In Zukunft etwas mehr Professionalität bitte!“

Das mit der Professionalität ist eine Sache, die ehrenamtlichen, nebenberuflich Engagierten nicht immer so locker von der Hand geht (wobei ich Frankfurt aktuell für recht „professionell“ gemacht halte). Manchmal reicht die (Frei-)Zeit nicht, um sich tiefgründig Nettes einfallen zu lassen, manchmal hat man schlechte Laune, manchmal fehlt einfach die Inspiration. Die Druckerei erwartet trotzdem pünktlich die Übergabe der Druckdaten. Da kann es, wie in dem von dir monierten Editorial, schon einmal zu Ungerechtigkeiten kommen. Das sollte nicht sein, hier aber war es so. Das Redaktionsteam besteht nicht aus professionellen Journalisten, man sollte die Messlatte nicht zu hoch anlegen.

„...,Rund um den Industriepark‘ Radweg. Auch da frage ich mich, wie Peter dazu kommt diesen abzuwerten. Ich fahre ihn sehr gerne.“

Der Radweg an der genannten Stelle ist in Ordnung und wird auch von mir befahren. Mir ging es ausschließlich um die Beschilderung eines weiteren touristischen Themenweges, der mir, noch dazu an dieser Stelle, nicht besonders attraktiv erscheint. Die Vielzahl von Themenwegen, die häufig parallel verlaufen (RMV Vergnügen, Mainradweg, Niddaweg, Regionalparkroute, Grüngürtelroute, Hessische Fernradwege, etc.) sorgen oftmals für eine verwirrende Beschilderung, haben aber sicherlich hin und wieder ihre touristische Berechtigung. Die Umfahrung einer gigantischen Industrieanlage, die häufig wegen austretender Giftstoffe in der Presse Erwähnung findet, erscheint mir hier nicht besonders attraktiv.

„...heute sind mir auf dem Radweg auf meiner Seite Radfahrer entgegen gekommen...“

Für mich ist es ein wesentlicher Unterschied, ob mir auf einem Radweg (wie zum Beispiel der entlang des Industrieparks) ein Radfahrer regelwidrig entgegen kommt, oder ob dies auf einem Radstreifen wie auf der Alten Brücke der Fall ist. Ich selbst war Zeuge eines Unfalls, der durch verkehrswidriges Befahren eines Radstreifens geschehen ist (siehe Frankfurt aktuell 4/2008: „Hierhin, nicht dort rüber! Gefährliche Begegnung auf linksseitigem Radstreifen“). Darüber hinaus ist das Befahren eines Radwegs in Gegenrichtung die häufigste Unfallursache im Radverkehr.

„...an fast jedem Tourenrad LED oder Halogenscheinwerfer montiert sind, werde ich auch des öfteren geblendet ...“

Genau hier liegt für mich das Problem. Schon immer waren an vielen Rädern Scheinwerfer unsachgemäß montiert bzw. eingestellt und leuchteten irgendwohin, nur nicht auf die Straße. Mangels Lichtstärke hielt sich die Blendung des Gegenverkehrs in Grenzen. Leider halten viele Radfahrer dies mit den modernen Scheinwerfern nicht anders. Doch auch diese Scheinwerfer kann man so einstellen, dass sie nicht direkt in die Augen des entgegen kommenden Fahrers leuchten. Meistens gehen hier keine „Deppen“ zu Werke, sondern einfach nachlässige und unbedarfte Nutzer ihrer Velos. Wenn aber ein gut gerüsteter Mountainbiker auf einem augenscheinlich nicht ganz billigen Bike vorsätzlich Doppelscheinwerfer mit enormer Leuchtkraft montiert und damit bei Tageslicht Blendung hervorruft, sei schon die Frage erlaubt, ob auch hier Nachlässigkeit und Unbedarftheit eine Rolle spielen. Ob „Depp“ dabei die richtige Bezeichnung für diesen Fahrer ist, mag man trotzdem anzweifeln können.

„mit Freude auf die neuesten Infos aus dem Frankfurter Raum bezüglich meines Lieblingsfortbewegungsmittels, holte ich die neueste Ausgabe der Frankfurt-atktuell aus dem Postkasten.“

Es freut mich, dass du Frankfurt aktuell mit Freude aus dem Briefkasten nimmst. Ich hoffe, du wirst dies auch zukünftig tun. In dem Heft steckt viel Arbeit, die ich und das Redaktionsteam in unserer Freizeit leisten. Wir bemühen uns sehr, Frankfurt aktuell „professionell“ aussehen zu lassen. Dies nicht nur, um ADFC-Mitgliedern sechsmal im Jahr eine Freude zu machen, sondern auch, um unsere Arbeit und unser Engagement für den Radverkehr öffentlich darzustellen. Neben der Website adfc-frankfurt.de ist Frankfurt aktuell ein wesentliches Element der Öffentlichkeitsarbeit unseres Verein. Du bist jederzeit gerne dazu eingeladen, dich daran zu beteiligen.

Nochmals vielen Dank für deinen kritischen Einwurf, der mir ja, quasi im Nebeneffekt, zum Glück beweist, dass das Heft gelesen wird. Das ist mir ein erfreulicher Ausgleich für meine Mühen.

Peter Sauer

Inhalt Ausgabe 4 (Jul/Aug) / 2013


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