Widerspruch lohnte sich

Umlaufsperre in Rödelheim jetzt halbiert – Radler, Behinderte und Eltern mit Kinderwagen wurden regelwidrig blockiert

Vorher: da kommt kein Rad mit Kinderanhänger mehr durch! Und nicht nur das: die Begegnung „Mutter mit Kinderwagen – Hundebesitzer mit Rottweiler“ wird zum Konfliktszenario!
Foto: Bertram Giebeler

Das hessische Verkehrsministerium weist die Kommunen seit neuestem an, Sperren und Poller nur noch in zwingenden Fällen zu installieren. Die Aufstellung solcher Sperren ist ausdrücklich vom Stra­ßenverkehrsamt zu genehmigen.

Trotzdem wurde Anfang August am Niddauferweg vor dem Rödelheimer Anglerheim vom Grünflächenamt, auf Drängen des (notorisch durch radfahrerfeindliche Diskussionen und Beschlüsse auffallenden) Ortsbeirats 7 eine Drehsperre installiert, die bis vor kurzem auch meistens geschlossen war. Eine vorherige Absprache mit dem Straßenverkehrsamt erfolgte nicht.

Diese Sperre war dann auch noch regelwerkswidrig ausgeführt, sie hatte nur 1 Meter Durchgangsbreite (erforderliche Mindestbreite laut technischer Richtlinie ERA 2010 1,50 m), was keinerlei Begegnungsverkehr mehr zulässt und Räder mit Anhänger bzw. Lasten­räder und Dreiräder effektiv ausbremst. Es ging also nicht darum, den Radverkehr zu verlangsamen, sondern ihn zu blockieren. Wer auch immer diese Sperre aufgestellt hatte, maßte sich hier unzulässigerweise an, den Verkehr zu behindern.

Nachher: na bitte, so geht’s doch auch, zumindest einstweilen. Nur noch die halbe Sperre
Foto: Peter Sauer

Wir vom ADFC protestierten sofort, und erfreulicherweise ist auch das Straßenverkehrsamt jetzt nicht länger bereit, den Wildwuchs an Absperrungen seitens anderer Ämter so ohne weiteres hinzunehmen. Es kam zu Wortwechseln auf Amtsleiterebene, das Radfahrbüro schaltete sich ein, ein Ortstermin wurde anberaumt, auch die Polizei hielt diese Sperre für unsinnig, und es wurde dann wenigstens eine der zwei Drehsperren abmontiert, sodass der Radverkehr jetzt einigermaßen ungestört fließen kann – immerhin ist der Niddauferweg eine wichtige Arterie des Alltags-Radverkehrs im Frankfurter Westen und Norden.

So ganz zufrieden sind wir vom ADFC mit der Situation dennoch nicht. Die derzeitige halbe Sperre macht immer noch keinen Sinn und sollte auch abgebaut werden (es gibt Grund zur Hoffnung, dass dies auch geschieht). Auf der anderen Seite der Unterführung, vor dem Hausener Schwimmbad, ist die Situation mit der dortigen Sperre sehr unbefriedigend. Generell muss es kreativere Lösungen für knifflige Situationen mit Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fußgängern geben, als immer einfach nur den Radverkehr auf Tempo null herunterzublockieren.

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 5 (Sep / Okt) / 2014

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