Echte Hingucker: die neue Osthafenbrücke (links) und die renovierte Honsellbrücke (rechts)
Fotos: Bertram Giebeler

Es könnte so richtig Spaß machen …

… auf den zwei schönen neuen Brücken – wenn, ja wenn … nicht dieser gefährliche Kreisel dazwischen wäre!

Es ist ein echtes Stadterlebnis: postkartengerechter Skylineblick, der neue EZB-Wolkenkratzer vor Augen, man schwebt über dem Hafenbecken und dem Main, der neue Hafenpark ist im Entstehen.

Eine Fahrradfahrt über die neue Achse Honsellstraße – Honsellbrücke – Osthafenbrücke ist in beiden Richtungen ein Highlight für jeden Frankfurter und für jeden Frankfurt-Touristen. Es gibt auf den Radwegen und Radstreifen auch überall genügend Platz. Die Steigung zur Honsellbrücke hoch ist keine sportliche Herausforderung, in Gegenrichtung ist die Ampelquerung gut geführt. Ein gewisser Wermutstropfen ist, dass es auf der Ostseite keine Rampe zum und vom Mainuferradweg gibt, sodass Radler aus Offenbach auf der falschen Seite oben an der Brücke ankommen.

Von der City zum Oberräder Mainufer ist die Fahrradfahrt querungsfrei und völlig problemlos. Will man allerdings von Oberrad in die City, von der City in die Franziusstraße am nördlichen Mainufer oder von der Franziusstraße nach Oberrad, fangen die Probleme an. Man muss dann nämlich am Kreisverkehr zwischen den zwei Brücken eine Querung bewältigen. Und das ist hier ein echtes Risiko!

Die Planer wählten hier, wegen der erwarteten Verkehrsbelastung, die Ende des letzten Jahrzehnts lehrbuchmäßige Variante des „kleinen Kreisverkehrs“ mit abgesetztem Radweg. Der Radweg ist eng am Kreisverkehr geführt – ca. zwei Meter Abstand, de jure hat der Radfahrer Vorfahrt wie bei einem „normalen“ Bordsteinradweg, der querende Autofahrer macht ein Rechtsabbiegemanöver und muss deshalb den Radfahrer durchlassen. So weit so gut. Die Frage ist nur, ob der Autofahrer die Situation auch so wahrnimmt und tatsächlich anhält! Der frühere verkehrspolitische Sprecher des ADFC Frankfurt, Fritz Biel, warnte die Planer schon damals in der Planungsphase vor der Gefahrensituation, die entsteht, wenn Radler ihren Vorrang auch wahrnehmen wollen.

Erschwerend kommt an dieser Stelle hinzu, dass wegen der Baustoff- und Industriebetriebe an der Franziusstraße der LKW-Anteil sehr hoch ist. Der Autor dieses Artikels hat für nur 10 Minuten an einem Werktag beobachtet, wie PKW und LKW dort tatsächlich fahren. Bei den einfachen Rechtsabbiegebeziehungen muss noch nicht mal nennenswert vom Gas gegangen werden, so stumpfwinklig und komfortabel sind die Ausfahrten aus dem Kreisel. So wird dann auch gefahren. Als Radfahrer einfach sein Vorrecht wahrzunehmen und zu queren könnte lebensgefährlich sein!

links: Auch die Rampe sieht schön aus – zwei davon wären besser gewesen!
rechts: Die Radfahrer haben hier Vorfahrt – aber weiß das auch der Autofahrer? Wer es drauf ankommen lässt, bringt sich in höchste Gefahr!
Fotos: Bertram Giebeler

In den letzten Jahren sind republikweit hunderte, wenn nicht tausende neue Kreisverkehre in Betrieb genommen worden, was grundsätzlich ja auch in Ordnung ist. Unter Planern und auch in der Versicherungsbranche ist mittlerweile bekannt (vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft GDV gibt es hierzu umfangreiche Studien), dass die „kleinen Kreisverkehre mit abgesetztem bevorrechtigtem Radweg“ für den Radfahrer am gefährlichsten sind. Am sichersten ist es innerorts auch bei mittleren Verkehrsbelastungen, den Radverkehr wie beim „Mini-Kreisverkehr“ jeweils kurz vor dem Kreisel mit einer Furt auf die Straße zu nehmen, dann im Kreisverkehr auf der Straße zu führen und anschließend wieder auf den Radweg zu nehmen. Dies wäre hier auch die Alternative gewesen. In der querungslosen City – Oberrad-Richtung wäre zusätzlich auch ein Bypass-Radweg am Kreisel vorbei möglich gewesen. So existiert er heute als Teil des umlaufenden Radwegs ohnehin.

Die Frage ist, wie man jetzt mit der Situation umgeht. Wir meinen, dass geprüft werden muss, ob eine Umgestaltung des Kreisels nach neuesten Erkenntnissen mit Mischverkehr möglich ist. Mindestens muss eine rote farbige Markierung des Radwegs und eine Beschilderung „Achtung Radfahrer“ (in der Fachsprache Zeichen 138) dem Autoverkehr optisch verdeutlichen, wer bei der Querung Vorrang hat. Außerdem muss durch geeignete Markierungsmaßnahmen der Ausfahrtswinkel des KFZ-Verkehrs aus dem Kreisel so spitz gemacht werden, dass gebremst werden muss.

Richtig gestaltete Kreisverkehre sind aus Radfahrersicht durchaus ein Fortschritt gegenüber Ampelkreuzungen und daher zu begrüßen. Wichtig ist, dass in Frankfurt bei künftigen Kreisverkehrsplanungen Gefahrenmomente vermieden werden und der Radverkehr im Kreisverkehr geführt wird. Positives Beispiel ist der Kreisel Große Friedberger Straße/Stephanstraße in der City. Dort ist es wirklich gut gelöst. Das muss künftig Standard sein!

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2014

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