Viel Lärm um nichts

Die Aufregung über den Umbau der nördlichen Eschersheimer Landstraße ist überflüssig

Was kommt da nur wieder für ein Horrorszenario auf das Autopendlervolk und die braven Eschersheimer zu: Staus bis in den Vordertaunus und Schleichverkehr in jeder be­nach­barten Seitenstraße! Warum? Weil die Eschersheimer Landstraße auf dem nördlichen Teilstück zwischen Weißer Stein und Hügelstraße umgestaltet werden und der Autoverkehr nur noch auf der linken Fahrspur rollen soll.

Wer die jetzige Situation kennt, reibt sich verwundert die Augen. Warum das ganze Bohei? Der rollende Autoverkehr findet doch jetzt schon nur auf der linken Spur statt. Rechts wird fast überall geparkt, legal und illegal. Wer auf den wenigen hundert Metern, auf denen die rechte Fahrspur frei ist, dort fährt, muss sich dann mühsam wieder einfädeln.

Wirklich unangenehm ist die derzeitige Situation eigentlich in erster Linie für Radfahrer, und zwar für diejenigen, die sich nicht angstfrei ohne Regelung in den Mischverkehr auf der Straße stürzen können. Es gibt derzeit weder einen Radweg noch einen Radstreifen noch einen Schutzstreifen.

Die künftigen Planungen sehen eine abschnittsweise Verbreiterung der Bürgersteige, eine Neuordnung des Parkraums unter Beibehaltung der Zahl der legalen Parkpätze und vor allem die Markierung eines Schutzstreifens für den Radverkehr vor. Radfahrer gewännen dadurch einen rechtlichen Schutzraum. Der Schutzstreifen – gestrichelte Markierung – bedeutet, dass der Radfahrer darauf fahren darf, der Autofahrer ihn unter Einhaltung des Mindestabstands von 1,50 Metern überholen kann, aber dass der Autofahrer im Bedarfsfall auch auf dem Schutzstreifen fahren darf – wenn gerade kein Radfahrer fährt. (Im Unterschied dazu ist der Radstreifen mit durchgezogener Linie für Autos tabu – oder sollte dies wenigstens sein).

Im Detail führen die Planungen in ihrer konkreten Ausprägung aber auch zu kritischen Situationen für den Radverkehr. Die Kombination von Fußwegverbreiterung, Parkplatzpositionierung und Schutzstreifen führt insbesondere im Bereich der Haltestelle Lindenbaum zu massiven Engstellen. (Siehe dazu den Beitrag unten). Das hätten wir gern anders gemacht.

Das Verkehrsdezernat befürchtete offenbar den geballten Zorn motorisierter Eschersheimer Bürger. Auf der Ortsbeiratssitzung Anfang Dezember fiel dieser dann gar nicht so krass aus, im Gegenteil, es meldeten sich auch genauso viele Radfahrer zu Wort. Als Konzession an die Ortsbeirats-Mehrheit soll eine „Testphase“ vorgeschaltet werden, um zu prüfen, ob die einspurige Autoverkehrsführung überhaupt funktioniert. In der Sache ist dies eigentlich unnötig, denn einspurigen Autoverkehr gibt es schon längst. Wir hätten es besser gefunden, durch restriktivere Parkplatzregelung dem Radverkehr auch in Engstellen genug Platz zu geben.

Warten wir nun die „Testphase“ ab.

Bertrm Giebeler


Inhalt Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2015

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