Bad Homburg
ADFC radelt mit neuer Radverkehrsbeauftragten durch Bad Homburg
Seit kurzem hat Bad Homburg wieder eine Radverkehrsbeauftragte, nachdem die Stelle fast zwei Jahre krankheitsbedingt unbesetzt war. Der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf hat nach einem ersten Kennenlerntreffen gleich die Möglichkeit ergriffen, Frau Marie Nissen zu einer Rundfahrt durch Bad Homburg einzuladen, um ihr die aus Sicht des ADFC kritischsten Punkte zu zeigen und Verbesserungen vorzuschlagen.
Frau Nissen ist als Geographin bestens für ihre Aufgabe qualifiziert und hat bereits studienbegleitend in der Verkehrsplanung gearbeitet. In Bad Homburg erwarten sie große Herausforderungen und der ADFC freut sich sehr, dass sie nicht nur seinen Aktiven, sondern allen Radfahrenden als kompetente Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Sie kann unter radverkehr@bad-homburg.de jederzeit für Anregungen, Lob und Kritik kontaktiert werden.
Ralf Gandenberger hatte eine ca. 13 km lange Rundroute mit verschiedenen Stationen ausgearbeitet, an denen die acht teilnehmenden ADFC-Mitglieder ihre Probleme und Erfahrungen schilderten. Sie begann am derzeitigen Fahrradparkhaus am Bahnhof, wo die oberen Stellplätze kaum genutzt werden, weil es schon für Biobiker extrem schwer ist, das Rad dort einzustellen. Anschließend wurde der Standort des neu geplanten Fahrradparkturms und die hierhin notwendige Infrastruktur diskutiert und zu zwei Einbahnstraßen geradelt, die nach Ansicht des ADFC kurzfristig für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben werden sollten. In der Urseler Straße und dem Hindenburgring warten Radfahrende und besorgte Eltern seit vielen Jahren auf eine Verbesserung der untragbaren Zustände für Radfahrende und zu Fuß gehende, insbesondere bei hohem Schülerverkehr von und zu den beiden angrenzenden Schulen. Zwischenzeitlich liegt eine recht gute Planung vor, die hoffentlich bald den Gremien zugeleitet wird. Ob diese dann tatsächlich umgesetzt wird, hängt wie so oft vom politischen Willen der Stadtverordneten ab.
Die Abbiegesituation nach links in die Saalburgstraße wurde genauso wie der viel zu schmale Radfahrstreifen dort heftig kritisiert. Alle konnten live erleben, wie die Gruppe mit wenigen Zentimetern Abstand von Kfz überholt wurde – und wie andere Radler aus Angst verbotswidrig auf den Gehweg auswichen.
Durch Kirdorf fuhr die Gruppe dann bis zum Waldfriedhof, weil mehrere Teilnehmende Frau Nissen die Situation auf der Friedberger Straße schildern und sie an der steilen Abfahrt teilnehmen lassen wollten. Dort besteht die einzige legale Möglichkeit in der Fahrt im Mischverkehr mit den Kfz, was schon sehr viele Radelnde aus Angst und der hohen Geschwindigkeit vermeiden und wieder illegal auf den Gehwegen fahren. Richtig gefährlich wird die Abfahrt aber durch überholende Kfz, die aufgrund der teilweisen Unübersichtlichkeit der Strecke oft viel zu eng an den 30 bis 45 km/h schnellen Radlern vorbei fahren. Obwohl diese Gefahren sowohl vom Ortsbeirat Kirdorf als auch dem ADFC geschildert und von beiden offiziell ein Überholverbot für einspurige Fahrzeuge (Zeichen 277.1 StVO) gefordert wurde, hat die Straßenverkehrsbehörde dies erst im März abgelehnt.
Die Gruppe kam dann über die unzureichende Radinfrastruktur in der Höllsteinstraße zur Landgrafenstraße, wo Frau Nissen gebeten wurde, die bereits von ihrer Vor-Vorgängerin begonnene Planung zur Fortführung der Fahrradstraße wieder aufzunehmen, wie es auch im Radverkehrskonzept des Hochtaunuskreises vorgesehen ist. In der Fahrradzone Dorotheenstraße schilderte insbesondere eine Anliegerin aus erster Hand, dass viele Autofahrende in die Zone einfahren, obwohl diese nur für Anlieger freigegeben ist. Dies führt entgegen der Absicht zu sehr hohem Verkehrsaufkommen, Parksuchverkehr und auch zu vielen kritischen Begegnungen mit dem Radverkehr auf den engen Straßen.
Die Rundfahrt endete wieder am Technischen Rathaus und alle Teilnehmenden sprachen Frau Nissen ihren Dank für ihre Teilnahme und dafür aus, dass sie versprach, die angesprochenen Punkte aufzunehmen. Alle waren beeindruckt, wie gut sich Frau Nissen schon in die Situation in Bad Homburg eingearbeitet hatte und ihr viele Problemstellen bereits bekannt waren.
Ralf Gandenberger Diskussionsrunde am Standort des geplanten Fahrradparkturms hinter dem Bahnhof. Rechts (in Gelb) die Radverkehrsbeauftragte Marie NissenADFC Bad Homburg (2) Die Situation auf der Friedberger Straße wird erläutert. Vor der Abfahrt haben wir noch gut Lachen (v.l. Bruno Gutjahr, Marie Nissen, Ralf Gandenberger).














