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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Ostern? Natürlich in Osterburken

Auf dem Skulpturenradweg durch den badischen Teil des Odenwalds

Mit der Bahn am Ostersamstag nach Osterburken, übernachten im „Eiermann-Bau“ in Buchen und schließlich im (Oster?) Lamm in Mosbach die Feiertage beschließen – mehr Osterradtour geht wohl kaum.

Dabei ist Ostern garnicht der Anlass für diesen Ausflug, sondern ein Stand auf der Rad+Reise im Saalbau Bornheim (siehe dazu Beitrag auf Seite 12). Dort bewirbt Marlies Ebel-Walz am Stand der Odenwald-Touristik den Skultpurenradweg im „Bauland“ (das ist die Gegend rund um Osterburken), und sie tut dies so begeistert und überzeugend, dass wir schon wenige Tage später auf Quartiersuche für die Ostertage sind. Frau Ebel-Walz empfiehlt die Anreise mit der S1, die direkt von Mannheim nach Osterburken fährt, doch nehmen wir lieber die Route über Würzburg und dort den Zug ins Bauland. Dabei muss man, weil Bayern, leider eine Fahrradkarte lösen, doch die Umstiegszeit in Würzburg macht uns mehr Hoffnung auf einen Weitertransport als die in Mannheim. Und so erreichen wir Osterburken am kühlen und feuchten Ostersamstag am späten Vormittag wie geplant und stellen unsere Räder direkt vor dem Café gegenüber dem Bahnhof ab. Dort gelingt der Versuch, im vorösterlichen Trubel Kaffee und Kuchen zu erhalten, bevor wir uns auf den Weg zur „Kunst in der Natur“, wie es im gut gemachten Begleitheft heißt, machen.

Über rund 80 Kilometer verteilen sich 25 Skulpturen in der hügeligen Landschaft, nahezu alle entlang autofreier oder verkehrsarmer Wege. Die einzelnen Objekte wurden von Künstler:innen oder Kunst Studierenden gestaltet. Mit Hilfe eines Förderprogramms des Landes Baden-Württemberg entstand so vor rund 20 Jahren ein hochinteressanter Parcours in dieser etwas abseits der Haupttouristenströme gelegenen Region.

„Badisch Sibirien nennen uns die Großstädter in Heidelberg oder Karlsruhe“, meint die Wirtin im Hotel in Buchen. So schlimm finden wir das nun auch wieder nicht, doch von blühenden Bäumen ist an Ostern noch wenig zu sehen. Dieser Teil des Odenwalds gehört zu Baden, und man konkurriere beim Radtourismus mit den Flusswegen entlang Main, Tauber oder Neckar, ergänzt die Wirtin. Da bietet der Skulpturenradweg einen schönen Anreiz, fort vom Fluss ins Bauland zu kommen.

Wenigstens für Menschen, die Steigungen nicht scheuen und sich am weiten Blick über die Landschaft freuen können, nachdem sie eine der vielen Kuppen erreicht haben. Erstaunlich eigentlich ist diese Wegeführung, wurde der Radweg doch in einer Zeit angelegt, als das Radeln ohne elektrische Unterstützung noch alltäglich war.

Wir starten in Osterburken am (empfehlenswerten) Café gegenüber dem Bahnhof und folgen der Beschilderung auf der südlichen Schleife der Kunst-Route. Skulptur 1, ein angedeuteter Schwimmbad-Sprungturm auf einer weiten Wiese, lässt uns nicht ganz so ratlos zurück wie die darauf gesprühte Figur andeuten soll. Bei Hochwasser könnte der Sprungturm wirklich im Wasser stehen. Hinauf kann man aber auch dann nicht – eine Leiter fehlt.

Weiter zu Nummer 2. Ein Metallskelett, an einigen Stellen mit Städtenamen, soll die Wegebeziehungen von Radtouren im Odenwald darstellen. Versteht man das? Nicht gleich, doch eine Tafel mit Erläuterungen hilft dabei. So eine Tafel ist an jedem der Objekte zu finden. Ergänzend gibt es auch ein übersichtlich gestaltetes Faltblatt, in dem alle Skupturen erläutert werden, sowie einen kleinen handlichen Katalog (passt in jede Lenkertasche), in dem ausführliche Informationen zu Kunst und Kunst Schaffenden zu finden sind. Auch zur spektakulären Nummer 4, einem Opel Manta, dessen zersägte Karosserie sich weit in den Feldern ausdehnt.

Nummer 6, ein Leuchtschild vor einem großen Baum, ist das Lieblingsobjekt des Anwohners, unter dessen Vordach wir im Örtchen Ravenstein Schutz vor einem Regenschauer suchen. „Funktioniert aber nur in der Dämmerung“, teilt er uns am helllichten Nachmittag mit. Spannender war für ihn Nummer 7, ein aufgeworfener Betonweg, der in großen Wellen den alten Weg versperrt. „Da haben die Studenten im Regen in ihrem Zelt gesessen und versucht, den Beton zu einer stabilen Welle hinzukriegen.“ Die Ravensteiner waren damals mehr als skeptisch, haben aber längst an der Kunst Gefallen gefunden.

Hinter Nummer 9 (ein Baugerüst wirft Fragen auf) verpassen wir im Wald fast das „Waldstück“ (No. 10), bevor wir unter Auslassung einiger Objekte (alles geht einfach nicht) direkt nach Adelsheim fahren und von dort weiter nach Buchen, mit Halt am „Wechselwild“ (Stahlkörper im Wald, die Wildwechsel symbolisieren), der „Flora und Fauna“ (wir finden in den vielen Formen einen Oster-Hasen, No. 18) oder vielbeinigen Fabelwesen, die auf einer Wiese weiden (No. 20).

Unseren reservierten Platz im „Prinz Carl“ haben wir so natürlich nicht pünktlich erreichen können, doch man zeigt sich unkompliziert und hält den Tisch frei. Geschlafen haben wir im „Eiermann-Bau“ aus den 1960er Jahren, einem Anbau an das barocke Hotelgebäude. Bevor der Architekt Egon Eiermann die Gedächtniskirche in Berlin entwarf, die Olivetti-Hochhäuser in Frankfurt-Niederrad oder das langgestreckte Neckermann-Gebäude in Fechenheim, hat er einen Anbau zu dem Hotel in Buchen entworfen. Der Bau ist nahezu original erhalten (natürlich mit leichten Mängeln, die der Zeit geschuldet sind) und zeigt uns die Leichtigkeit der Nachkriegs-Moderne, die dicke Polster und schwere Sessel hinter sich lassen wollte. Wer Eiermann bisher nicht kannte, kommt ihm schon bei der Morgendusche nahe. Als Kohlestift-Zeichnung schmückt ein Porträt des Künstler die Wand des Badezimmers.

Nach einem opulenten Osterfrühstück folgen wir wieder dem Skulpturenradweg, jetzt aber bei Sonne. In der Camera Obscura („Licht, lautlos“, No. 22) benötigen wir einige Zeit, bis wir uns an die Dunkelheit gewöhnt haben, um dann aber ein an die Wand projeziertes, auf dem Kopf stehendes Bild der Außenwelt (die hier durch eine mit den Armen wedelnde Radfahrerin vertreten ist) zu erkennen.

Der 16 Tonnen schwere Stein, der als Skulptur No. 23 halbausgegraben am Wegesrand liegt, soll uns zu einer Beteiligung an der weiteren Ausgrabung animieren (eine Schaufel liegt bereit). Lieber jedoch pausieren wir auf der „Bank“, die neben einem Koffer steht, direkt an der Bahnlinie bei Osterburken. Der Koffer allerdings ist aus massivem Stein, eine Weiterreise ist damit nicht möglich. Wir lassen ihn also stehen und schauen lieber, ob das Café vom Vortag, wenige Kilometer weiter an der Bahnlinie, geöffnet hat. Es hat, und der Trubel vom Samstag ist ostersonntäglicher Ruhe gewichen.

Nun folgen wir der Empfehlung von Frau Ebel-Walz, auf deren Visitenkarte „Skulpturenradweg“ steht, und nehmen die S1. Nicht nach Heidelberg oder Mannheim, sondern nur bis Seckach – eine Abkürzung, die uns einige Steigungen und zehn Streckenkilometer erspart. So gelingt es uns diesmal, pünktlich zum Abendessen im „Prinz Carl“ einzulaufen.

Auch das Frühstück am Ostermontag ist opulent, so dass wir, nach einem Spaziergang durch das äußerst hübsche Buchen, die Hügelstrecken nach Mudau bewältigen können. Dort findet sich, welch großes Glück in dieser abgelegenen Landschaft, ein kleines „Familien-Café“, in dem auch Rentner bedient werden. Von Mudau verläuft ein Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse (eine alte Dampflok in einem Lokschuppen markiert noch das damalige Ende der Strecke) bis hinunter nach Mosbach, gute 25 Kilometer mit leichtem Gefälle. In Mosbach finden wir das „Lamm“ in der Altstadt, deren gut erhaltene Fachwerkhäuser einen ausgedehnten Rundgang lohnen. „Das kleinste freistehende Fachwerkhaus Deutschlands“ stehe hier gleich hinter der Hotelgarage, informiert uns der junge Mann am Empfang. Und ja, es ist wirklich klein, wird aber nicht mehr bewohnt, sondern als Museum genutzt.

Am Dienstag dann auf flacher Piste entlang des Neckars nach Eberbach, unterwegs Halt an ausgedehnten Bärlauch-Feldern. In Eberbach nehmen wir die Bahn, die uns durch den hier hessischen Odenwald zurück nach Frankfurt bringt. Abends gibt es Nudeln mit Bärlauch. Hier müssen wir den Tisch nicht reservieren.Peter Sauer

Mehr Infos: www.skulpturenradweg.de

3_2026 Mai/Juni
No. 1

Schlicht „Manta“ nennt sich die Skulptur No. 4
No. 7

Stadtturm in Buchen


Regine Burges/Peter Sauer (7)
No. 18

Klein und freistehend:
Fachwerkhaus in Mosbach
No. 20
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Peter Sauer