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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Wie wird man ADFC-Tourguide?

Was erwartet mich als Tourguide? Was muss ich wissen und was muss ich tun, wenn es mal schwierig wird? Diesen Fragen bin ich vor ein paar Monaten nachgegangen und habe mich für einen ADFC-Tourguide-Kurs in Neustadt an der Pfälzischen Weinstraße angemeldet.

Ein Wochenende lang – von Freitagmittag bis Sonntag – sollte die Ausbildung in der dortigen Jugendherberge stattfinden. Zusammen mit zwölf anderen Teilnehmenden wurden wir von einem ADFC-Ausbilder – Peter Fimmers – geschult. Durch die Präsenzform war ein intensiver Erfahrungsaustausch in den Pausen möglich.

Warum bietet der ADFC Radtouren an?
Wozu müssen Tourguides ausgebildet werden?
Und was lernt man dabei?

Der ADFC bietet mit seinen Touren gemeinschaftliche Natur- und Freizeiterlebnisse an, verbunden mit sportlicher Aktivität. Vielfältige Ziele gehen damit einher: Menschen fürs Radfahren begeistern und motivieren, auch außerhalb von Touren verstärkt das umweltfreundliche Verkehrsmittel nutzen, das Gesundheitsbewusstsein erhöhen, Mitglieder gewinnen und für die Aufgaben und Ziele des ADFC werben. „Tourguides sind die ADFC-Repräsentanten vor Ort“, so der Schulungsleiter. In dieser Ausbildung sollen wir dazu befähigt werden, Touren zu entwickeln und durchzuführen und gleichzeitig auftretende Schwierigkeiten gleich welcher Art so zu meistern, sodass alle Teilnehmenden am Ende einer Tour mit einem Lächeln nach Hause gehen und im Idealfall bei der nächsten Tour wieder dabei sind. „Das nötige Rüstzeug dafür vermittle ich euch an diesem Wochenende. Angefangen von der Vorstellung des ADFC als verkehrspolitischer Verein über zielgruppenspezifische Tourplanung, Orientierung mithilfe von Karten, Aufstellen eines Tourablaufplans bis zu verkehrsrechtlichen und technischen sowie Haftungsfragen oder dem Umgang mit Unvorhergesehenem“, erklärt Fimmers.

Wie entwickelt man eine Tour? Wie beschreibt man eine Tour?

Zeitgleich mit der Auswahl eines attraktiven Ziels legt der Tourguide die Zielgruppe fest. Schließlich haben Rennradfahrende andere Anforderungen an Geschwindigkeit und Entfernungen als Familien oder Genussradelnde, die an Kultur oder einer schönen Einkehr interessiert sind. Das Vorgehen wurde in Gruppenarbeit geübt: Für eine fiktive Zielgruppe sollte in einer vorgegebenen Region ein Tagesablaufplan erarbeitet werden, idealerweise mit ÖPNV-Nutzung, mitsamt Einkehr und touristischen Besonderheiten. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein sollte auch ein möglicher Ausstieg – ein nahegelegener Bahnhof – berücksichtigt werden. Jede Gruppe stellte am Ende ihre Tour vor: eine präzise Tourbeschreibung mit Benennung des Tourcharakters (z. B. Kulturtour), mit Tourlänge und -dauer, Höhenmetern, Wegbeschaffenheit, Abfahrtsort und -zeit sowie Ankunftsort und -zeit, entstehenden Kosten, Rucksackverpflegung oder Einkehr.

Gerüstet für alle Fälle: Was muss ein Tourleiter können?

Nicht jeder Fahrradfreak ist zugleich Fahrradmechaniker. Von einem Tourguide wird das auch nicht zwingend erwartet, denn neben dem Klassiker – einem Platten – gibt es viele technische Schwierigkeiten, die besser von Fachleuten geregelt werden. Allerwichtigste Voraussetzung, um eine Tour durchführen zu können, sind Kenntnisse des genauen Tourverlaufs, die sich der Tourguide durch mehrere Testfahrten im Vorfeld erarbeitet, und ein absolvierter Erste-Hilfe-Kurs. Darüber hinaus fungiert ein Tourguide wie ein Reiseleiter und kann für unerwartete Ereignisse, ob für Pannen, Unfälle, Ausfall von öffentlichen Verkehrsmitteln oder kurzfristige Streckensperrungen eine Lösung anbieten. Die mitgeführte Notfallausrüstung, bestehend aus Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Multifunktionswerkzeug, Reparatur-/Flickenset, Ersatzschlauch fürs eigene Rad, Luftpumpe und evtl. noch Traubenzucker – deckt so manche Vorkommnisse ab. Als Repräsentant des ADFC hat ein Tourguide Vorbildfunktion, auch in Zusammenhang mit Verkehrsregeln. Im Kurs wurde deshalb ausgiebig über die Straßenverkehrsordnung gesprochen.

Was tun bei Zwischenfällen?

Ob es um verlorene Tourteilnehmer geht, um liegengelassene Gegenstände oder das Nicht-Einhalten von zu Tourbeginn genannten Tourregeln, ob Pannen, Verletzungen oder ein unerwartetes Gewitter – Zwischenfälle sind möglich. Der Umgang damit wurde in Gruppenarbeit gelernt. Ziel sollte immer sein, die Gruppe für Entscheidungen mit einzubeziehen und jederzeit respektvoll miteinander umzugehen.

Wie führt man eine Tour durch?

Zielgruppe und Ziel stehen fest, Tourenplanung liegt vor, die Teilnehmenden kommen zum Treffpunkt. Dort führt der Tourguide einen kurzen Check der Teilnehmenden durch: Eindruck von Fitness und Fahrrad, bei Nachtfahrten auch Beleuchtung. Der Tourguide begrüßt die Teilnehmenden im Namen des ADFC und stellt sich, den ADFC, die Schlussperson und seine Tour mit allen Besonderheiten vor (Entfernung, zeitlicher Rahmen, Pausen, Wegbeschaffenheit). Die für die Tour geltenden Regeln – Eigenverantwortung, keiner fährt vor dem Tourguide, Handzeichen etc. – werden vorgestellt. Am Ende der Tour bedankt sich der Guide für die Teilnahme und verabschiedet sich im Namen des ADFC. Dieser Ablauf wurde in der Theorie erarbeitet und anschließend bei einer Ausfahrt geübt. Der Schulungsleiter hatte eine Radstrecke erstellt, auf der jeder Kursteilnehmende einen Abschnitt anführen und vom Kurzcheck der Räder der Teilnehmenden über Begrüßung, Bekanntmachung der Regeln bis zur Verabschiedung einen Tourtag simulieren sollte. Eine anschließende Feedbackrunde beendete die intensiven Schulungsstunden. Inzwischen habe ich mein Tourguide-Zertifikat erhalten und verfüge über das nötige Grundwissen, um Touren anzubieten. In drei Jahren werden das Wissen und der Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt.
Übung „Ausfahrt“
bei der Tourguide-Ausbildung. Wichtige Regel: Wenn der Tourguide den Arm hebt, ist von den Teilnehmenden erhöhte Aufmerksamkeit gefordert

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gemeinsameUSchrift
Renate Lauffenburger,
ADFC Offenbach