Vier Meter mehr Sichtbarkeit: Poller an der Eytelweinstraße, jetzt eine Zufahrt zur
EZB-Tiefgarage
Foto: Bertram Giebeler

Gefahren rund um EZB und Osthafenbrücke – einige erkannt, andere nicht

Auf engstem Raum bietet sich in Wurfweite vom EZB-Wolkenkratzer genug Anschauungsmaterial dafür, was Radfahrern so zugemutet wird – und zwar im Neubau, nicht in vermurkstem 60er-Jahre-Beton, wo man sagen könnte „geht halt nicht anders“.

Eytelweinstraße

Beispiel Eytelweinstraße: diese unscheinbare Straße, früher mal Standort des Tagelohn-Arbeitsamts, war bis vor kurzem eine Einbahnstraße vom Osthafen in Richtung Hanauer Landstraße. Leider markiert sie die kürzeste Distanz zur Mitarbeiter-Tiefgarage der EZB. Im Zuge der Neugestaltung des ganzen Knotenpunktbereichs wurde sie deshalb als Zweirichtungsstraße umgeplant. Es war dort ein „freier Rechtsabbieger“ ohne Ampelsicherung vorgesehen, schräg über den geradeaus führenden Radweg rüber, noch dazu bei schlechten Sichtverhältnissen unter einer Eisenbahnbrücke.

Eigentlich ein No-Go heutzutage, ein Planer mit einem Gespür für sicheren Radverkehr macht so etwas nicht. Der ADFC protestierte und verlangte, an der Einbahnstraße festzuhalten, die Tiefgarage kann schließlich auch komfortabel über die – ampelgeregelte – Honsellstraße angefahren werden. Es kam wie es kommen musste. Die EZB bekam ihren Willen, die Einbahnstraße wurde geöffnet. Ein ganz klein wenig hat die ADFC-Demarche dann doch bewirkt: wer jetzt nach rechts in die Eytelweinstraße abbiegt, muss dank der nachträglich aufgestellten Poller immerhin ein bisschen aufs Bremspedal treten und nach rechts gucken, ob ein Radfahrer daherkommt. Na ja, als großen Erfolg möchten wir uns diese Minimal­lösung nicht ans Revers heften.

links: Immerhin hat doch noch mal jemand an Radfahrer gedacht – ­Baustellenumfahrung an der Hanauer Landstraße
rechts: Unfallschwerpunkt Gerbermühlstraße / Osthafenbrücke: nagelneu, aber gefährlich, weil nicht regelkonform
Fotos: Bertram Giebeler

Baustelle Hanauer Landstraße

Beispiel Baustelle alte Feuerwehrzentrale an der Hanauer Landstraße. Da hatte die Stadt noch vor zwei Jahren einen wunderschönen neuen Radweg gebaut, der Bestandteil einer noch zu beschildernden Radroute in Richtung Ostpark – Seckbach sein sollte (wir berichteten damals) und vielleicht irgendwann noch mal wird. Kaum ist der Radweg fertig, wird die Baustelle für den neuen Wohn- und Geschäftskomplex auf dem Gelände der alten Feuerwehrzentrale am Ernst-Achilles-Platz eingerichtet, und – simsalabim – ist der Radweg ersatzlos wieder weg! Warum das so sein musste, und ob das jemals von der Stadt so vor Ort abgenommen und genehmigt wurde, wissen wir nicht. Platz für Materiallagerung ist anderswo auf der Baustelle genug, eine Baustellenzufahrt ginge auch anderswo. Nach Monaten und nach mehreren Beschwerden auf der Meldeplattform hatte die Bauleitung ein Einsehen und ließ wenigstens in Gelb eine Ausfahrfurt für Radfahrer auf die Straße markieren. Dort ist es zwar schon nach wenigen Metern vorbei mit Radverkehrsführung, und es kommt eine Engstelle mit Schwerlastverkehr und Straßenbahn, aber immerhin hat doch mal jemand, wenn auch spät, ein klein wenig an Radfahrer gedacht.

Ampel Honsellstraße

Achtung: Wer dieses Ampelsignal befolgt, wird zermalmt!
Foto: Peter Sauer

Beispiel Ampel Honsellstraße / Mayfahrtstraße, nagelneu installiert. Wunderschön anzuschauen, diese Radfahrer­ampel, eine wahre Bereicherung für das ansonsten noch triste Straßenbild ringsum. Einziges Problem: man soll dort gar nicht nach links, sondern geradeaus radeln, und der KFZ-Verkehr hat gleichzeitig grün. Wer also brav dem Ampelsignal folgt, der findet sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit unter einem der zahlreichen Betonmisch-Laster wieder, die dort unter Termindruck in Richtung Franziusstraße unterwegs sind. Schon seit Wochen ist dies bekannt, auch der Redaktions­leiter dieses Blattes hatte es an die Stadt gemailt, passiert ist bis zur Drucklegung nichts – dabei müssten nur die Streuscheiben ausgewechselt werden. Man stelle sich einmal vor, so etwas würde Autofahrern geboten: ein indirekter Linksabbieger mit grüner Ampelschaltung, mitten hinein in den ebenfalls grün signalisierten Querverkehr, und crrrash! Ob das wohl über Wochen so bliebe?

Gerbermühlstraße/Osthafenbrücke

Beispiel Gerbermühlstraße stadteinwärts an der T-Kreuzung zur Osthafenbrücke. Dieser Bereich wurde im Zuge des Brückenneubaus komplett neu gestaltet. Warum man dabei nicht die einschlägige Richtlinie berücksichtigt hat (Empfehlung für Radverkehrsanlagen ERA 4.4.2. Geradeaus fahrender Radverkehr), wissen wir nicht. Jedenfalls wird in der ERA angemahnt, dass die Haltelinie des Radverkehrs mindestens 3&xnbsp;Meter vor der des KFZs liegen muss, um Sichtbarkeit herzustellen. Wie jeder erkennen kann, ist der Abstand hier nur ca. 1 Meter. In Situationen mit besonderem Gefahrenpotential ist laut ERA der Radverkehr sogar mit einer eigenen Ampelphase zu sichern – dort angesichts des massiven Schwerverkehrs in Richtung Osthafen eine durchaus realistische Annahme.

Wir erwähnen dies deshalb, weil es an dieser Stelle schon im Oktober 2014 zu einem Rechtsabbiegeunfall LKW/Radfahrer gekommen war, und weil es zu dieser Stelle häufig Beschwerden an die Meldeplattform gibt. Auch der schwere LKW/Radfahrerin-Unfall am 22. Juni 2015 hatte, obwohl kein Rechtsabbiege-Fall, durchaus mit der unklaren Radverkehrsführung an diesem Kreuzungsbereich zu tun, vor allem für Radfahrer die vom Mainufer aus die Rampe hochfahren. Kurzfristig erwarten wir, dass wenigstens die Haltelinie für den rechtsabbiegenden KFZ-Verkehr um 3 Meter nach hinten versetzt wird. Das ist eine reine Markierungsarbeit, die ohne weiteres zeitnah erledigt werden kann. ­Außerdem unterstützen wir den ­Antrag des OBR 5, auf der Ostseite der Brücke eine wenigstens schiebetaugliche Rampe vom Mainuferweg zur Brücke zu bauen.

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 4 (Jul/Aug) / 2015

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