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Bild zum Artikel Das hat gewirkt, auch beim Fahrradklimatest: der neue Radstreifen vom Friedberger Platz bis zum Main. – Hier die Eröffnungsfahrt im Sommer 2020, vorn links Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, rechts Bernhard Maier (Grüne) begleitet von Personen des Radentscheid, ADFC, Medien, ­Stadtverwaltung.
Eckehard Wolf

Frankfurt steigt auf…

... in Sachen Radverkehrsförderung, jedenfalls sehen das die über zweitausend Radfahrer:innen in dieser Stadt so, die sich am ­ADFC-Fahrradklima-Test beteiligt haben. Die Gesamtbenotung (nach Schulnoten) ist zwar mit 3,72 immer noch nicht berauschend, aber das ist zwei Zehntel besser als beim letzten Mal vor zwei Jahren. Weil alle anderen Städte in der Kategorie über 500.000 Einwohner:innen stagnierten oder sich sogar verschlechterten, liegt Frankfurt hinter Bremen und Hannover auf Platz 3 von 14 – das ist schon mal nicht schlecht.

Die Verbesserung in Benotung und Ranking qualifiziert Frankfurt für gleich zwei Auszeichnungen, für Platz 3 und als Aufsteiger in der Gesamtbenotung. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling durfte sich also über die Einladung zur Preisverleihung bei Andi Scheuer in Berlin freuen – wenn auch die Feier digital abgehalten wurde.

Das ist durchaus verdient, denn es hat sich ja doch einiges getan in den letzten zwei Jahren, und das sehr sichtbar und auffällig, an der Friedberger Landstraße sogar regelrecht spektakulär. Und es wurde auch viel dazu kommuniziert, in allen Medien – gedruckt, gesendet, im Netz. Auffällig ist daher im Detailergebnis, dass Frankfurt insbesondere in Kriterien der allgemeinen Wahrnehmung – „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ und „Werbung für das Radfahren“ (obwohl es gar keine bezahlte Kampagne gab) sprunghaft nach vorn benotet wurde. „Tue Gutes und rede darüber!“ – diese Weisheit aus der Werbebranche wurde beherzigt, und das zeigte Erfolg.

Bei der Radwegweisung ist Frankfurt in den letzten zwei Jahren deutlich vorangekommen.
Torsten Willner

Deutlich wahrgenommen wurde auch die Verbesserung im Kriterium „Wegweisung für Radfahrer“, und das zu Recht, denn gerade in den letzten zwei Jahren nahm die grün-weiße Beschilderung in der ganzen Stadt derart an Fahrt auf, dass sie wirklich nicht zu übersehen ist. Wo sich Frankfurt erstaunlicherweise auch erheblich in der Benotung verbessert hat, ist im Kriterium „Falschparkerkontrolle auf Radwegen“. Der Autor dieser Zeilen muss sich zwar in der eigenen Praxis immer noch täglich über Falschparker ­ärgern, aber die Kontrollaktivität der neuen Fahrradstaffel der Stadtpolizei war massiv ein Medien­thema und wird auch durchaus wahrgenommen – hinter der Windschutzscheibe genauso wie im Sattel.

Viele dieser positiven Entwicklungen wären ohne den Druck der 40.000 Unterschriften für den Rad­entscheid 2018 nicht zustande gekommen. Wir wollen aber auch zugestehen, dass die bisherige Magistratskoalition (CDU-SPD-GRÜNE) konstruktiv damit umgegangen ist und viele Forderungen des Radentscheids übernommen hat. Darüber hinaus hat das Verkehrsdezernat erhebliche Energie an den Tag gelegt und bei der Umsetzung nicht lange gefackelt, sondern zügig Fakten geschaffen, die auch jede:r sieht: knallrot markierte Radstreifen, sogar auf Kosten von Kfz-Streifen, teilweise mit Flexi-Pollern geschützt; tausende von Fahrradabstellbügeln, an einigen ÖV-Knoten auch auffällige doppelstöckige Abstellanlagen; tausende von Wegweisungsschildern in nahezu der ganzen Stadt; dutzende kleinere Lückenschlüsse, die einzeln nur wenigen auffallen, in der Summe aber dem Radverkehrsnetz viel bringen. Auch größere bauliche Maßnahmen wie der Umbau der Bockenheimer Landstraße oder der neue Radweg Nieder-Erlenbach-Nieder-Eschbach wurden durch die Beschlussgremien gebracht und zumindest planerisch realisierungsfertig gemacht.

Hoffen wir, dass es auch jetzt, nach der Kommunalwahl, mit einem neuen Magistrat und mit teilweise neuen Akteuren, in diesem Tempo weitergeht!

Bertram Giebeler

Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2021

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