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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Schon mal mental vorgeradelt

Infos und Tipps zur Vorbereitung auf einen schönen Radurlaub

Bild zum Artikel Sonne, Berge, grüne Wiesen, perfekter Radweg so wie hier am Ende der romantischen Straße bei Füssen – so macht Radurlaub Spaß!
Foto: Bertram Giebeler

Die folgenden Tipps und Hinweise mögen für den einen oder anderen Leser nicht neu sein oder gar banal erscheinen, aber erfahrungsgemäß sind nicht alle ADFC-Mitglieder absolut routiniert in der Vorbereitung eines Radurlaubs. Wir erlauben uns daher, einen "idealtypischen" Leser mit Infos zu beglücken, und der/die sieht so aus:

Er/sie gehört zur Kategorie "Genussradler", d.h. Mountainbike oder Rennrad sind im Radurlaub nicht sein/ihr Gefährt; er/sie ist erwachsen und nicht körperlich eingeschränkt, halbwegs fit, wohnt in oder bei Frankfurt, fährt gern Rad, aber nicht als Hauptbeschäftigung oder gar Lebensinhalt, ist soweit bei Kasse, dass eine Hotelübernachtung nicht gleich weh tut, spricht deutsch und halbwegs englisch. Diese/-r Musterradler/-in möchte zwei bis drei Wochen lang allein oder mit Partner/-in radeln, nicht in einer geführten Gruppe, und er/sie genehmigt sich maximal einen Tag per Auto oder Bahn (bis ca. 800 km) für die Anreise in die Zielregion.

Frankfurter haben's gut!

Zunächst nehme man eine Europakarte und ziehe von Frankfurt aus einen Kreis mit einem Radius von 800 Kilometern. Resultat: alle unmittelbaren Nachbarländer Deutschlands (DK, PL, CZ, A, CH, F, L, B, NL) sind an einem Tag auf dem Landweg erreichbar, zusätzlich noch die Slowakei, Südengland und Oberitalien, bei geschickter Planung sogar Slowenien und, per Fähre, Trelleborg in Südschweden. Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, dessen Einwohner eine größere Auswahl an attraktiven und divers-vielfältigen Radreisezielen haben. Zehn (!) Kultur- und Sprachräume, alle Landschaftsformationen von topfeben bis hochalpin, im Sommer immer irgendwo gutes, gemäßigt warmes Wetter, alle kulinarischen Spitzenregionen und Top-Weinlagen. Man stelle sich vor, man wohnte statt in Frankfurt in, sagen wir, Kansas City/USA und nähme den 800-km-Zirkel: Kultur- und Sprachräume: USA; Landschaftsformationen: Ebene mit Weizen- und Maisfeldern im Wechsel; Wetter: überall schwülheiß; Essen und Trinken: ja, vorhanden. Wer dagegen in Frankfurt lebt und trotzdem keinen Radurlaub macht, verpasst im Leben wirklich was!

Hardware-Empfehlungen

Wer nun entschlossen ist, eine Radreise zu machen, checkt natürlich sein Fahrrad und sein sonstiges Material. Hier wollen wir nur drei Hinweise geben:

  • Wer kein wirklich wasserdichtes Packtaschenset ans Rad hängt, wird unweigerlich irgendwann einmal dumm aus der klatschnassen Wäsche gucken.
  • Wenn man überhaupt die Wahl hat, gilt fürs Fahrrad: im Ausland nicht zu komplizierte Technik nutzen, es sei denn man kann alles selbst reparieren. High-End-Antriebe wie Rohloff oder Pinion sind nicht überall bekannt.
  • E-Bikes und Pedelecs sind heute überall verbreitet, aber in Süd- und Osteuropa nicht flächendeckend. Wer dort elektrisch unterwegs sein will, sollte Regionen wählen, wo Radtourismus schon etabliert ist, wie Masuren oder Veneto/Adria.

Wohin soll's überhaupt gehen?

Die Reiseziel-Auswahl ist erst mal einfach: dorthin, wo man Lust hat hinzufahren, warum auch immer. Wir gehen einfach davon aus, dass stark übergewichtige Menschen nicht unbedingt die große Hochalpenroute Martigny - Nizza wählen werden, und wer mit Hitze ein Problem hat, fährt von sich aus nicht im August in die Po-Ebene. Eine Empfehlung haben wir aber doch, nämlich die, zwei Zielregionen in unterschiedlichen Himmelsrichtungen zu wählen, Plan A und Plan B sozusagen. Nasskalt wird auch die schönste Gegend grau und hässlich, und im 800-km-Radius rund um Frankfurt sind auch im Sommer ortsfeste Regentiefs überall möglich. Wer also eigentlich am liebsten nach Holland möchte, sollte eine Alternativplanung für die Donau oder das Etschtal aus dem Jackenärmel ziehen können; wohin es letztlich geht, wird dann kurz vorher entschieden.

Bild zum Artikel

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links: Fahrradmitnahme in der Bahn (hier: Italien) ist in Europa fast überall möglich, bedarf unter Umständen aber einer genauen Planung
rechts: Nur ein wirklich wasserdichtes Packtaschenset schützt bei Regenfahrten (hier: Österreich) vor klatschnasser Wäsche
Fotos: Peter Sauer

Mut zu Freiheit und Abenteuer – nicht zu viel vorplanen!

Die Plan A / Plan B-Variante funktioniert natürlich nur, wenn man nicht lang vor Reiseantritt alles vorgebucht hat. Das ist auch generell unsere Empfehlung: ist die Entscheidung für die Zielregion gefallen, einfach drauflos fahren! Allein oder zu zweit findet man überall eine Übernachtung. Einzige Ausnahme ist die deutsche Ostseeküste, die im Sommer tatsächlich bis in die letzte Besenkammer ausgebucht ist. Überall sonst ist es allenfalls mal eine Frage des Zimmerpreises. Man muss nicht schon am Morgen wissen, wo man die nächste Nacht verbringt. Dafür kann man die Tour unterbrechen, wenn Dauerregen aufzieht, wenn das Bein schmerzt oder wenn man einfach keine Lust mehr hat zu fahren, man kann bleiben so lange man will, wo es einem gut gefällt. Diese Freiheit ist ja das Schöne am individuellen Radurlaub.

Erst mal beim ADFC reinschauen

Wer sich an die Reiseplanung macht, sollte erst mal schauen, was der weltgrößte Radfahrerverband so alles an radtouristischem Infomaterial in der Pipeline hat. Das ist nämlich ziemlich viel und reicht für so manche Radreiseplanung völlig aus. Auf der Website des ADFC unter der Rubrik ADFC-ReisenPLUS ist all dies zu finden:

  • Die Broschüre "Deutschland per Rad entdecken" stellt dutzende Radreiseregionen vor und zeigt auf, wie man sich im Detail dann weiter informieren kann.
  • Die Broschüre "Radurlaub 2017" informiert über kommerzielle geführte Radreisen. Auch wenn man diese nicht buchen will, zeigt die Broschüre auf, wo attraktive Regionen sind, denn nur dorthin fahren kommerzielle Anbieter.
  • Die Kartenserien des ADFC in Kooperation mit dem BVA-Verlag decken ganz Deutschland ab, zusätzlich gibt es ADFC-BVA-Radreiseführer.
  • Das Gütesiegel ADFC-Qualitätsradroute und ADFC-Qualitätsradregion weist aus, welche Region sich wirklich angestrengt hat, Radtouristen etwas zu bieten.
  • Im ADFC-Tourenportal kann man sich Tracks fürs GPS-Gerät laden.
  • Über 5.500 Gastbetriebe tragen das ADFC-Label "bett+bike", Website, App, Karte und einzelne regionale Verzeichnisse führen zum radfahrerfreundlichen Gastgeber.
  • Empfehlenswert ist der Besuch einer ADFC-Radreisemesse, zum Beispiel der in Frankfurt, aber auch der etwas größeren in Bonn oder Hamburg. Die Saison touristischer Messen ist jetzt durch, aber über die Website der veranstaltenden ADFC-Gliederungen kommt man auf das Ausstellerverzeichnis und kann den Links zu den Radreiseregionen folgen.
  • Obwohl der ADFC nur in Deutschland tätig ist, bietet er ein ausgezeichnetes Informationsangebot über Radreisen im Ausland: die "Europa-Infos", zu finden unter www.adfc.de/adfc-reisenplus/ausland/europa-infos/uebersicht werden gepflegt und aktualisiert von Wolfgang Reiche, einem der kenntnisreichsten und erfahrensten Radtouristiker weltweit und "Urgestein" des ADFC.

Über den ADFC-Tellerrand hinaus

In Deutschland deckt der ADFC eigentlich den gesamten Informationsbedarf für "Genussradler" ab. Es gibt aber natürlich noch andere Informationsquellen, insbesondere Kartenserien, Internetseiten und GPS-Portale. Genannt seien hier die beliebte Kartenserie "bikeline" aus dem österreichischen Esterbauer-Verlag und die hervorragende Internet-Karte Open Cycle Map ( www.opencyclemap.org ).

Regionale Tourismusverbände und Betreibergemeinschaften von Radfernwegen bieten jede Menge Informationen und GPS-Tracks. In fast allen Bundesländern gibt es inzwischen regionale Radroutenplaner und Netze empfohlener Radwege, wenn auch meistens ohne Qualitätskriterien. Genannt sei exemplarisch das "Bayernnetz für Radler", das sogar ein eigenes Wegweisungslogo hat. Zwei originelle und hochinteressante Webseiten seien hier noch erwähnt: www.bahntrassenradeln.de von Dr. Achim Bartoschek aus Leverkusen, einem absoluten Spezialisten auf diesem Gebiet, der die Seite ständig aktuell hält. Und dann noch – denn nur die Harten kommen in'n Garten – die Leib- und Magen-Website fürs Rennrad: www.quaeldich.de – der Name ist hier Programm!

Trendsportart Bahnfahren

Ein besonderes Problem der Radreiseplanung ist die Bahnfahrt mit Fahrradmitnahme. Wer nicht vorbuchen will, muss "Regionalzug-Hopping" machen. Allein oder zu zweit geht das, zum Beispiel mit einem "Bayernticket" kommt man günstig von Kahl (hinter Hanau) bis Passau oder Freilassing. Der Autor schaffte einmal Bratislava - Frankfurt an einem Tag mit 9 Umsteigevorgängen. Das ist stressig, Treppe runter, Treppe rauf mit gepacktem Rad, aber für fitte Radler durchaus zu empfehlen, um frei und spontan agieren zu können.

Camping – ja oder nein

Für manche Radtouristen kommt Camping gar nicht in Frage, für andere ist es eine Selbstverständlichkeit. Man sollte selbst entscheiden, ob das Mehrgewicht der Zeltausrüstung durch die größere Auswahl an preiswerten Übernachtungsmöglichkeiten angemessen aufgewogen wird. Am eindeutigsten im Vorteil ist man mit Zelt in Frankreich, mit seinen 11.000 (!) Campingplätzen ist es das Camper-Dorado schlechthin. Leider gibt es das komplette Verzeichnis (in Dünndruck-Papier) nur im Land selbst zu kaufen. Auch die Briten urlauben gerne im Freien, schöne Campsites mit englischem Rasen gibt es einige auf der Insel. In anderen Ländern, etwa in Italien, ist die Campingplatz-Dichte außerhalb der Küstenregionen schwach, so dass man oft auf feste Unterkünfte angewiesen ist. Da kann das Zelt auch gleich zuhause bleiben. Oder Gasthöfe und Hotels sind richtig günstig wie in Tschechien. Deutschland nimmt da eine Mittelposition ein. Campen ist eine sinnvolle und mögliche Option, andererseits gibt es hierzulande sehr viele gute und preiswerte Gasthöfe mitten in den Orten.

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links: Wer gerne zeltet, kommt auch in der teuren Schweiz halbwegs kostengünstig durch die schöne Bergwelt
Foto: Peter Sauer
rechts: Tschechisch-österreichisches Grenzgebiet in Mikulov, die umgebende Parklandschaft ist UNESCO-Welterbe!
Foto: Bertram Giebeler

Europäische Optionen –
von Frankfurt nicht weit

Der ADFC hat Partnerverbände in so gut wie allen europäischen Ländern, die in der ECF (European Cyclists Federation) organisiert sind. Allerdings befassen sich nicht alle dieser Verbände auch mit Radtouristik, und ihre Internetangebote sind meist nur in der jeweiligen Landessprache verfügbar. Der Einfachheit halber empfehlen wir daher, erst mal die "Europa-Infos" auf der ADFC-Website zu nutzen. Hier die wichtigsten radtouristischen Charakteristika der Nachbarländer, von Norden im Uhrzeigersinn:

  • Dänemark: ausgeprägte Alltags-Fahrradkultur, ähnlich wie in den Niederlanden. Weitmaschiges Netz weniger aber sehr komfortabel ausgebauter Fernradwege.
  • Polen: touristische Radwege an der Ostsee, vor allem in den Masuren. Überall sonst muss der Radfahrer absolut straßenverkehrsfest sein. Fremdsprachkenntnisse sind nicht überall ausgeprägt. Tipp für Fitte: der "wilde Südosten" Polens.
  • Tschechien: dichtes Netz von gelben Radwegweisern, denen man aber nicht immer folgen sollte – es geht dann oft über Stock und Stein, auf ruhigen Nebensträßchen ist man besser aufgehoben. Topografie erfordert Steigungsfestigkeit. Touristische Infrastruktur gut und günstig. Tipp: in die UNESCO-Weltkulturerbeliste schauen.
  • Österreich: Angebot so gut und dicht wie bei uns. Der Donau- Radweg Passau - Wien war die "Mutter aller Fernradwege". Die Österreicher haben als erste begriffen, dass Radtouristen keine armen Schlucker sind, die sich kein Auto leisten können.
  • Schweiz: wie die Schweizer halt so sind: was sie machen, machen sie gleich richtig. Das Radwegenetz und das dazugehörige Informationssystem "SchweizMobil" sind das perfekteste weltweit. Die Radrouten sind teilweise anspruchsvoll, doch wenn es zu steil wird, helfen überall Bus und Bahn mit Radtransport über die Berge. Ein Discount-Urlaubsland ist die Schweiz aber nicht.
  • Frankreich: Basis-Infrastruktur für Radtouristen sind die kleinen D-Straßen. Es wird aber sehr zielgerichtet an "voies vertes" ("Grüne Wege") gebaut, die in Kombination mit empfohlenen Straßen ("veloroutes") ein fast flächendeckendes Netz schöner Radverbindungen bieten – man klicke auf die interaktive Karte von www.af3v.org .
  • Luxemburg: ein echter Genussradeltipp. Ein Netz gut ausgebauter und beschilderter Radwege, teilweise auf alten Bahntrassen, führt durch schöne Kleinstädte, aber auch mitten hinein in die Hauptstadt.
  • Belgien: wie alles in Belgien ist auch das touristische Radwegsystem zweigeteilt. Im radaffineren flämischen Landesteil dominiert das engmaschige Knotenpunktsystem ohne Zielwegweisung – es funktioniert, man muss es aber erst lernen. Im wallonischen Teil gibt es ein weitmaschigeres Netz von "Ravel"Radrouten.
  • Niederlande: das Musterland der Alltags-Radkultur. Radtouristisch gibt es zwei Systeme parallel: ein Netz von nationalen Radfernwegen (LF-Routen) mit Zielwegweisung und engmaschige Knotenpunktsysteme lokal und regional.
  • Italien: nahezu perfekt ausgebaut ist das Radwegenetz in Südtirol, anderswo aber kaum vorhanden. Wer in Bella Italia unterwegs ist, muss autoverkehrsstressfest sein; wer noch woanders als in der Po-Ebene fahren will, muss echte Steigungen bewältigen können.
  • England: unsere Kollegen vom Partnerverband Sustrans (sustainable transport) haben entscheidend mitgewirkt, dass Großbritannien heute ein "National Cycle Network" hat und dieses weiter entwickelt. Keine Angst vor dem Linksverkehr – Englands Autofahrer sind freundlich.

Nun ist aber genug theoretisiert! Mit so vielen Informationen im Kopf kann bei der Radreiseplanung nichts mehr schief gehen – ab auf den Sattel!

Bertram Giebeler