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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Nach Wilhelmsbad zum historischen Karussell

In der Parklandschaft am Rande von Hanau wurde ein historisches Kleinod wieder zum Leben erweckt

Bild zum Artikel Einmal nicht selber treten müssen: Radfahrer werden zu Karussellfahrern
Foto: Günter Tatara

Am Mittwoch nach Ostern war eine Radtour nach Wilhelmsbad angesetzt, bei der als Höhepunkt eine Führung durch das historische Karussell stattfand.

Nach den frühlingshaften Temperaturen vor Ostern hatten wir leider richtiges Aprilwetter abbekommen. Über weite Strecken war es nur 5 Grad "warm". Aber immerhin sind fünf Radler und eine Radlerin zur Tour gekommen, dick eingemummelt mit Mütze, Schal und Handschuhen.

Die Tour führte auf verschlungenen Wegen zur Friedberger Warte, dann über Bergen-Enkheim zum Beginn der Hohen Straße. Die Sonne schien sehr schön, allerdings blies uns eine steife Brise aus Nordosten die meiste Zeit ins Gesicht. Aber die Fernsicht von der Hohen Straße bis zum Spessart war grandios und hat uns für die Kälte entschädigt.

Nachdem wir den "Staatspark Hanau-Wilhelmsbad", wie er offiziell heißt, erreicht hatten, unternahmen wir zunächst eine Besichtigungsrundfahrt. Der Park wurde im 18. Jahrhundert von Erbprinz Wilhelm I. von Hessen-Kassel angelegt, die vorhandene Heilquelle zum Bad ausgebaut. Kurze Zeit erlebte Wilhelmsbad eine Blütezeit. Alles was damals Rang und Namen hatte, kam dorthin zur Kur und zur Unterhaltung. Auch Johann Wolfgang von Goethe zählte zu den Gästen. Bootsfahrten auf dem kleinen Weiher oder Kutschfahrten sollten zur Unterhaltung und Belustigung der Gäste beitragen, wie auch Spiele im Karussell.

Bild zum Artikel Grandiose Fernsicht auf der Hohen Straße
Foto: Michael Bunkenburg

Damit sind wir beim historischen Karussell angekommen, das 1780 erbaut wurde. Eine Besonderheit ist, dass der Boden fest verankert ist und nur die Pferde und Kutschen sich im Kreis drehen. Diese Technik verdanken wir dem genialen Erbauer Franz Ludwig von Cancrin. Angetrieben wurde das Karussell zunächst von Dienern, später kamen Ochsen und noch später ein Benzinmotor zum Einsatz.

Der Führer des Karussell-Vereins erläuterte uns die Geschichte und die Technik des Karussells sehr anschaulich. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde der Betrieb des Karussells 1936 eingestellt. Danach fiel es in einen Dornröschenschlaf und verfiel zusehends. Das Land Hessen, das den Park Wilhelmsbad betreibt, wollte das Karussell nicht erhalten. Es stand über Jahrzehnte im Park, kaum geschützt vor Wetter und sonstiger Unbill.

1998 wollten ein paar "spinnerte" Hanauer Bürger diesen Zustand nicht mehr akzeptieren. Sie gründeten einen Verein, der die Wiederinbetriebnahme des Karussells zum Ziel hatte. Viele Hanauer Bürger fanden die Idee zwar gut, aber es gab wenig Hoffnung, dass sie sich verwirklichen ließe.

Doch der Karussell-Verein gab keine Ruhe und sammelte im Laufe der Zeit 700.000 Euro und steckte immer mehr Menschen mit der Idee an, dass sich das Karussell wieder drehen solle. Und so wurde schließlich aus der Idee Realität, 2016 wurde das Karussell mit einem großen Fest in Betrieb genommen. Seit dieser Zeit gibt es alle paar Wochen einen Tag, an dem der Fahrbetrieb organisiert wird. Nähere Informationen findet man unter www.karussell-wilhelmsbad.de/fahrzeiten .

Nach der Führung sind wir in der Pizzeria "Zum Schwanen" ganz in der Nähe von Schloss Philippsruhe in Hanau-Kesselstadt eingekehrt. Dort haben wir es uns schmecken lassen und uns obendrein wieder aufgewärmt. Anschließend ging es gemütlich am Main zurück nach Frankfurt.

Michael Bunkenburg