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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Der Stadtplan und das Corona-Virus

Alles fing an mit Harald Braunewell. Ich hatte ihm eine Abkürzung vorgeschlagen, die die Befahrung der verkehrsreichen Homburger Landstraße vermeidet. Als der Fahrradstadtplan fertig war, war der Vorschlag aufgenommen und mein Name stand im Impressum. Da konnte ich nicht mehr zurück, ab diesem Zeitpunkt war ich bei jedem Stadtplan, jeder Landkarte dabei, die durch die Hände des ADFC Frankfurt ging.

Eigentlich hätte ich also auch im aktuellen Fall wissen müssen, wie es funktioniert. Die Gebiete für die einzelnen Team-Mitglieder sind langfristig abgesteckt, jeder beobachtet die Veränderungen auch ohne konkreten Auftrag, aber losradeln für die Einzelheiten muss man doch. Als sich die Kartographie-AG am 4. September 2019 unter der Leitung von Wolfgang Preising traf, ging es um eine Neuauflage des Radfahrerstadtplans Frankfurt und Umgebung im Maßstab 1:20.000, der schon seit einiger Zeit vergriffen ist. Wir verabredeten, bis zum Ende des Jahres unsere Beiträge abzuliefern.



Der Stadtplan müsste dringend überarbeitet werden, wie (nicht nur) das veraltete Logo des ADFC zeigt. Vielleicht kann die Neuauflage ja jetzt doch schon bald erscheinen, nachdem die Buchhandlungen und die Fahrradläden wieder geöffnet haben.

Peter Sauer


Also nichts wie los, noch war das Wetter ganz passabel. Aber vorher musste das kleine Bauprojekt in der Wohnung beendet werden. Außerdem warf die Buchmesse ihre Schatten voraus. Im Kino des Filmmuseums liefen Filme, die sonst nie in Deutschland auftauchen. Dann folgte eine Vernissage und mehrere Ausstellungen, schließlich die Buchmesse selbst. Ein neues "Frankfurt aktuell" stand auch an. All diese Termine waren drängender als die für den Stadtplan. Immerhin prüfte ich, ob ich alle Unterlagen beisammen hatte. Alles war da, ich musste nur noch anfangen.

Im November war ich dann plötzlich erkältet, seit vielen Jahren zum ersten Mal, Radfahren war erst einmal tabu. Als ich wieder ein wenig krabbeln konnte, zog ein Nachbar aus. Er nahm fast nichts mit und wollte alles einem Rollkommando überlassen, oder dann doch lieber mir. Ich rettete zunächst die Bücher, dann die CD-Sammlung und schließlich ein paar Möbel. Ich war sehr zufrieden mit meiner Leistung, nur der Stadtplan war nicht weiter gekommen.

Der Dezember brachte eine weitere Aufgabe mit sich. Ich musste einen Kellerraum leeren. Wohnungs- und Zimmertüren standen dort, die Reserven für das ganze Haus. Ich wollte meinen Rücken schonen, arbeitete mit einem Rollbrett und hob nie mehr als das halbe Gewicht einer Tür. Aber zupacken musste ich doch und auf einer kurzen Radfahrt schmerzte meine rechte Hand. Der Orthopäde fand schnell die Ursache. Mein rechter Daumen habe immer soviel leisten müssen wie die vier restlichen Finger der Hand zusammen und nun wolle das unterste Gelenk nicht mehr. Es gab Salbe, eine Bandage und den Rat, den Daumen zu schonen. Auf der nächsten Fahrt schmerzte der Daumen aber erneut und ich begriff, dass er beim Bremsen beteiligt war. Also erledigte ich alle Wege zu Fuß, da tat nichts weh.

Zur Neuauflage des Stadtplans sollten die "gesamtstädtischen Routen" eingearbeitet werden, Strecken, die ausgeschildert sind oder es demnächst sein werden. Am besten wäre es, die Änderungen gleich am Computer einzutragen. Doch mein Vorstellungsvermögen reichte nicht aus, die Abweichungen zu finden, mir den jeweiligen Abschnitt in der Realität vorzustellen und dann auch noch mit der Maus einzutragen. Ich grübelte, machte verschiedene Anläufe und am Ende druckte ich sechs DIN-A-4-Blätter aus der Datei mit dem alten Stadtplan aus und übertrug die Grenzen des von mir zu bearbeitenden Gebiets aus einem älteren Kartenbild.

Jetzt hatte ich ein Handwerkszeug. Die gesamtstädtischen Routen brachte ich am Bildschirm auf den gleichen Maßstab und nun klappte der Vergleich. Änderungsvorschläge trug ich mit Buntstift auf meinen Papierblättern ein und legte dazu eine Beschreibung in Textform an. Das ging sehr gut, aber es gab viel mehr zu bearbeiten, als ich erwartet hatte. Um diese Zeit meldete sich Wolfgang Preising, er wolle Anfang Februar unsere Vorlagen haben, damit er diese vor seinem Urlaub zum Verlag schicken könne. Ich versprach kleinlaut, alles zu tun, damit ich den Termin halten könne, aber schließlich gäbe es gerade jetzt das Tourenprogramm zu korrigieren. Einen Tag später kam die Entwarnung. Der Verlag hatte einer Verschiebung zugestimmt, Wolfgang Preising werde nunmehr die Schlussredaktion gleich nach seinem Urlaub vornehmen und ich hatte vier Wochen gewonnen. Der Aufschub war nicht nur mir zur Hilfe gekommen. Einer der Mitstreiter aus der Kartographie-AG fragte, wie er die verschiedenen Karten in Einklang zueinander bringen könne und wie er das Ergebnis dann weiterreichen solle. Ich gab ihm den Tipp mit den ausgedruckten Blättern, den er dankend aufgriff. Ich war also nicht der Letzte, sondern lag, wie sich herausstellte, im Mittelfeld.

In der Zwischenzeit hatte ich an einem Fahrrad mit Rücktrittbremse den Griff für die vordere Bremse an die linke Seite des Lenkers montiert. So blieb der rechte Daumen entlastet.

Und dann stellte sich heraus, dass es Corona-Viren doch nicht nur in China gab, sondern auch in Deutschland. Zum Glück besaß ich ein ausreichend großes Sammelsurium an Mund-Nase-Masken und konnte mich so relativ gut geschützt an einem Sonntagmorgen ins Gelände wagen. Dort war es nicht so einsam, wie ich erwartet hatte und die Sache mit dem Mindestabstand war kaum einzuhalten. Ich übte mich im Hakenschlagen, wich aus, versteckte mich auf Nebenwegen und kam erst wieder hervor, wenn der eigentliche Weg frei war. Immerhin hatte ich nach zwei solchen Ausflügen alle Informationen beisammen und schickte Wolfgang Preising die Ergebnisse per E-Mail zu.

Mich aber plagte ein schlechtes Gewissen. Es gab da eine Stelle im Bereich der Vilbeler Landstraße, die ich nicht wirklich ausprobiert hatte. Was wäre, wenn da ein zukünftiger Benutzer im Gewirr der Kleingartenwege stecken bliebe, weil der ADFC-Stadtplan einen Durchgang verzeichnet, wo es gar keinen gibt? Ich musste nochmal los. Die Stelle war und ist passierbar, die Eintragung im Plan aber nicht ganz korrekt. Ich war froh, mich trotz verschärfter Sicherheitslage noch einmal hinaus gewagt zu haben und reichte eine nachträgliche Änderung ein. Danach konnte ich wieder beruhigt schlafen.

Wann erscheint der neue Stadtplan? Der Verlag lässt wissen, dass wegen der Covid-19-Pandemie das Projekt einstweilen auf Eis gelegt ist. Zu Ostern wollte ich es trotzdem noch einmal wissen. In und um Fechenheim herum war ich mir auch nicht so ganz sicher gewesen mit meinen Angaben. Also wieder früh raus. So leere Straßen hatte ich seit der Ölkrise 1973 nicht mehr gesehen! Ich konnte auf den Fahrbahnen radeln und Rad- und Fußwege links liegen lassen. Abstandhalten war kein Problem mehr. So gute Bedingungen hätte ich gerne drei Wochen vorher gehabt. Und mir fiel ein, dass ich ja eigentlich bereits im September hatte unterwegs sein wollen ...

Ingolf Biehusen