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Bild zum Artikel Adressat unserer Forderung nach kurzer und ­sicherer Umleitung ist der Verkehrsminister als Dienstherr von Hessen Mobil. Und vom Magistrat erwarten wir mehr ­Engagement bei der Verteidigung des Frankfurter Leuchtturmprojekts Grüngürtel – eins von vier Transparenten des ADFC an der Niddabrücke der A 648
Foto: Torben Hedderich

Vollsperrung Grüngürtel am Westkreuz – Protest artikuliert sich

So langsam merken immer mehr Bürger und auch Umweltorganisationen, was da in diesem Frühjahr/Sommer wegen der Autobahnsanierung an der Nidda auf Radfahrer und Fußgänger zukommt – die zweijährige Vollsperrung beider Uferwege, verbunden mit einer gerade für Fußgänger unzumutbaren Umleitung über ­Oeserstraße und Rebstock. Bei mehreren Protestaktionen des ADFC und seiner Verkehrs-AG ab Mitte Februar zeigten sich fast alle angesprochenen Radfahrer, Jogger oder Spaziergänger mehr oder weniger entsetzt, dass damit bald auf Jahre Schluss sein soll.

Parteien und Verbände wachen auf

Zeitweilig mussten wir befürchten, dass wir die einzigen in Frankfurt sind, die sich über die Zerhackung des westlichen Grüngürtels überhaupt aufregen. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen im Stadtparlament haben einen Antrag eingebracht, in dem sie den Magistrat dazu auffordern, sich beim Verkehrsminister und bei Hessen Mobil für eine bessere Umleitung für Radfahrer und Fußgänger einzusetzen. Es wurde auch allerhöchste Zeit, dass sich Römerfraktionen und Magistrat dem Thema zuwenden.

Eine wichtige Unterstützung waren die in gebotener Deutlichkeit formulierte Presseerklärung und die offenen Briefe vom „Verein Umweltlernen in Frankfurt“, Hauptorganisator des alljährlichen frühsommerlichen GrünGürteltages. Der Verein sieht sich gezwungen, diesen beliebten Event komplett in Frage zu stellen, wegen der Untauglichkeit der von Hessen Mobil geplanten Umleitung, insbesondere für Familien. Auch aus Kreisen des BUND wird Unmut vernehmbar, die Fußgängerlobby „FUSS e. V.“, eine Partnerorganisation in der vielgelobten AGNH (Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen) äußerte auch ihr Befremden.

Können wir noch etwas ­bewegen?

Die Frage ist: wie geht es weiter? Gibt es Bewegung in der Sache? Bislang deutet nichts darauf hin. Im Verkehrsausschuss verlautete, man werde sich dafür einsetzen, dass es eine Informationsveranstaltung mit Hessen Mobil zum Thema gibt. Schön und gut, aber wenn keine Verbesserung der Umleitung dabei herauskommt, ist das nur Propaganda. Wir verlangen, dass sich der Magistrat energisch für Frankfurts Fußgänger und Radfahrer einsetzt.

Was könnte getan werden, um die Beeinträchtigung durch die Sanierungsbaustelle zu minimieren?

  • es könnte eine provisorische kurze Umleitung in Gerüstbauweise gebaut werden, wie von uns vorgeschlagen
  • es könnte die Bauplanung so modifiziert werden, dass einer der beiden Uferwege – Nordseite oder Südseite – passierbar bleibt, solange wie es irgend möglich ist. Am Sossenheimer Wehr und an der Rödelheimer Niddabrücke könnten Fußgänger und Radfahrer auf die jeweils passierbare Seite geleitet werden. Im Baustellenbereich würde es eng, Radfahrer müssten halt ein kurzes Stück schieben, was soll's, ADFC-ler erinnern sich, an Baustellen ihr Rad auch schon durch Wellblechröhren geschoben zu haben. So könnte das Zeitfenster der Vollsperrung reduziert werden.
  • es könnte der von der A 648 nach Süden auf die A 5 abbiegen­de KFZ-Verkehr über das Nordwestkreuz umgeleitet werden, damit das Brückenbauwerk dieses Abbiegers „außer Betrieb ge­nommen“ und dadurch schneller saniert werden kann. Das ist noch nicht mal ein großer Umweg. Es mag am Nordwestkreuz Staus verursachen, aber ob die Autofahrer vor dem Nordwestkreuz im Stau stehen oder vor dem durch eine Baustelle verengten Rechtsabbieger am Westkreuz, kann ihnen eigentlich egal sein.

Die bisher von Hessen Mobil ins Spiel gebrachte Umleitung über Oeserstraße und Römerhof ist natürlich einfach und billig. Mit ein paar laminierten Seiten und einer Tüte Kabelbinder könnte der Autor selbst diese Wege für ein paar Euro fuffzich ausschildern. Alles, was über diese Billiglösung hinausgeht, kostet natürlich etwas – Geld oder Zeit oder beides. Aber sind wir das nicht wert?

Jetzt sind Land und Magistrat am Zug

Dieser Artikel wird von unserer Seite die letzte längere Äußerung zu diesem Thema sein – es sei denn, es ändert sich etwas Wichtiges zum Positiven. Jetzt ist erst einmal der Frankfurter Magistrat gefordert, mit Landesminister und Hessen Mobil eine Nachbesserung herauszuverhandeln.

Wenn aber dann doch im Sommer an einem schönen Wochenende Tausende Frankfurter oder Eschborner oder Sulzbacher oder Oberurseler an der Nidda zu Fuß oder mit dem Rad vor der rot-weißen Plastikabsperrung stehen und das Schild lesen „Betreten der Baustelle verboten – 3 km Umleitung – viel Vergnügen!“ – ja dann wird es keinen ADFC mehr brauchen, um den Zorn der Bürger anzufachen. Und überhaupt, eh wir's vergessen: Ende Oktober ist Landtagswahl!

Bertram Giebeler

Inhalt Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2018

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