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Sommer-Trendsport bei Bauherren und Partyveranstaltern: Radfahrer-Ausbremsing

Jeder baut – wenn’s ihm nützt, auch im öffentlichen Raum

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links, Junghofstraße: Künftige Mega-Doppel-Baustelle „Junghof-Carree“ und „Four“ an der Junghofstraße: erst mal alle Fußgänger und Radfahrer wegsperren. Die Umleitung für Radfahrer durch die Neue Rothofstraße endet an der Neuen Mainzer Straße. Wer zur Junghofstraße zurück muss, kann nur illegal auf dem Bürgersteig weiterfahren
rechts, Radweg Ende: Was nun? Getrennter Geh- und Rad­weg oder „Radweg Ende“? Warum überhaupt Radweg Ende? Etwa wegen der Baustelle 100 Meter weiter hinten?
Bertram Giebeler

Junghofstraße: Künftige Mega-Doppel-Baustelle „Junghof-Carree“ und „Four“ an der Junghofstraße: erst mal alle Fußgänger und Radfahrer wegsperren. Die Umleitung für Radfahrer durch die Neue Rothofstraße endet an der Neuen Mainzer Straße. Wer zur Junghofstraße zurück muss, kann nur illegal auf dem Bürgersteig weiterfahren

Jetzt im Sommer könnte man doch so schön durch das lichtdurchflutete Frankfurt radeln! Aber nein, Presslufthämmer von links, Ballermann-Mucke von rechts, rotweiße Sperrbake von vorn: es ist wieder die Hochzeit von Baustellen und Open-Air-Events. Allein das ASE (Straßenbauamt) hat 40 Baustellen in eigener Regie in diesem Sommer – gleichzeitig! Dann gibt es noch die Stadtentwässerung, die NRM (Netzdienste Rhein-Main) im Auftrag der Mainova, die Telekom, die Deutsche Bahn, VGF und RMV, alle greifen mit Baustellen in den Straßenraum ein. Und dann noch hunderte privater Bauherren, deren Baustellen auffallend häufig Bürgersteige und Radwege einkassieren. Frankfurt ist halt dynamisch, Fußgänger und Radfahrer sind da anscheinend Störfaktoren. Siehe dazu beispielhaft die folgenden Abbildungen:

> Junghofstraße
> Radweg Ende
> Bauzaun

Jeder macht Party – wer nicht
mitfeiert, kommt nicht durch

Dass die Eventveranstalter den Sommer nutzen, versteht sich von selbst. Insbesondere kurz vor und kurz nach den Schulferien ist überall Party, dass die Schwarte kracht. Das freut uns auch, wir ADFCler sind schließlich keine Kinder von Traurigkeit. Leider bringt es aber das Leben so mit sich,dass man nicht immer mitfeiern kann. Manchmal ist auch was anderes zu tun. Und dann ist es schon ärgerlich, wenn man an Opernplatz und Hauptwache wegen diverser Wein- und Wurstfestivals mit dem Rad nicht mehr durchkommt, oder wenn wegen eines Kinderfests gleich das südliche Mainufer für Radfahrer gesperrt ist.

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links, Bauzaun: Eine private Baustelle an der Eschersheimer Landstraße. Muss das Baufeld wirklich den Bürgersteig mit einschließen? Oft wird anderswo auch noch der Radweg zugestellt. Die Frage nach der Not­wendigkeit stellt sich bei vielen Baustellen!
rechts, Opernplatzfest: Da möchte jeder gern auf einen Schoppen dabei sein. Geht aber nicht immer. Man muss auch manchmal einfach nur durchkommen können, oder wenigstens drum herum.
Bertram Giebeler

Wir wollen weder Frankfurts Baudynamik hemmen noch irgendjemandem die Partylaune vermiesen. Wir erwarten aber von der Stadt – ASE, Bauaufsicht, Straßenverkehrsbehörde, Servicecenter Veranstaltungen, Ordnungsamt – den öffentlichen Verkehrsraum erst einmal zu schützen und dem Wunsch nach Aufhebung von Fuß- und Radwegen seitens Bauherren und Veranstaltern nicht gleich zuzustimmen. Erst wenn zweifelsfrei erwiesen ist, dass die Baustelle oder die Party wirklich nicht anders funktionieren kann – Mehrkosten oder Standeinnahme-Einbußen sind kein ausreichendes Argument – sollte die Aufhebung von Geh- und Radwegen genehmigungsfähig sein.

Siehe dazu Abbildung oben:

> Opernplatzfest

Beispiel Baustelle Adickes­allee:
Trial and Error im ­Zeitraffertempo

An der Nordseite der Adickesallee baut die NRM eine Fernwärmeleitung. Der Seitenraum ist dort sehr großzügig, wird aber für die Verlegung der Leitung dennoch in voller Breite in Anspruch genommen, sodass Fußweg und Radweg entfallen. Frage 1 wäre hier: muss das wirklich sein? Kann man auf einem so breiten Baufeld Fuß- und Radverkehr nicht irgendwie unterbringen? Nein, das ist dem Ingeniör wohl doch zu schwör. Das Straßenverkehrsamt musste das Problem auf der Straße lösen.

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links, Adickesallee: Schwieriges Problem Radverkehrsführung an der Baustelle Adickesallee: Die kleinen Klebehütchen sind für Frankfurter Autofahrer nicht robust genug.
Torsten Willner
rechts, Radfahrer absteigen: Wer dieses Schild aufhängt – hier übrigens auch noch in falscher Richtung – ist zu dumm oder zu faul oder beides, eine legale und sichere Radverkehrs-Umleitung an seiner Baustelle einzurichten!
Foto-AG ADFC Frankfurt

Als erstes wurde in gelb ein Schutzstreifen auf die existierende Fahrspur markiert. Das funktionierte überhaupt nicht, was auch niemanden überraschen kann. Dann wurde der Schutzstreifen mit rotweißen Baken gesichert und der rechte Kfz-Fahrstreifen aufgehoben. Eine mutige Maßnahme, der Shitstorm der Autofahrer kam prompt. Vor den Schulferien hatte dies tatsächlich einen größeren Rückstau produziert. Dann wurde der Straßenraum mit gelber Markierung komplett neu aufgeteilt, auch in der Gegenrichtung (Respekt für die Sorgfalt und Mühe!), es wurden vier engere Fahrstreifen, ein Begegnungs-Trennstreifen in der Mitte und ein Radstreifen markiert. Der Radstreifen wurde mit Baken gesichert.

Diese Baken standen aber in dicken schwarzen Kunststofffüßen innerhalb des Radstreifens, dessen Breite sich dadurch auf nur noch 1&xnbsp;Meter verringerte, streckenweise sogar weniger. Prompt stürzte ein Fahrrad-Anhänger-Gespann, es gab wieder Proteste, diesmal der Radfahrer, auch vom ADFC. Noch am gleichen Tag (!) ­besann man sich dann auf eine ­Lösung, die bis heute (Redaktionsschluss) Bestand hat: kleine Kle­be­hütchen sollen jetzt den Radstreifen sichern, der dadurch wieder in ganzer Breite befahrbar ist. Leider waren nach einer Woche die Hälfte der Klebehütchen weggefahren worden. ­Eigentlich müssten sie täglich (!) kontrolliert und erneuert werden!

Vier Varianten in kürzester Zeit! Wir beobachten das Resultat und hoffen, dass es irgendwie funktioniert. Ohne wenigstens symbolischen Schutz durch die Hütchen ist der Radstreifen dort, bei dem starken Schwerlastverkehr, nur etwas für Hartgesottene. Eine Umfahrung hinter dem Gelände der School of Finance ist zwar physisch möglich, aber sehr umwegig.

Ab Ende 2018 soll der vorherige Rad- und Fußweg wieder hergestellt und nutzbar sein. Die Stadt sollte den Bauträger drängen, ihn so schnell wie irgend möglich wieder herzustellen.

Siehe dazu Abbildung:

> Adickesallee

Noch zwei „No-Go's“ aus ­Radfahrersicht

Zwei Ärgernisse seien hier noch angesprochen: die Unsitte muss ein Ende haben, die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung aufzuheben, sobald irgendwer dort eine Baustelle eröffnet. Wenn es eng wird, muss im Baustellenbereich eben Tempo 10 gelten – also Schrittgeschwindigkeit. Wenn’s ganz eng wird, muss halt mal vorübergehend auf ein paar Autoparkplätze verzichtet werden. Und noch eins: das Schild „Radfahrer absteigen“ sollte auf Frankfurter Gemarkung tabu sein! Siehe dazu Abbildung:

> Radfahrer absteigen

Es geht auch besser

Es gibt natürlich auch positive Beispiele. Hier nur drei Bildmotive, die beispielhaft zeigen, wie es besser gehen kann:

> Fahrgasse
> Friedrich-Ebert-Anlage
> Adam-Riese-Straße

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links, Fahrgasse: Die Radverkehrs­umleitung in der City rund um die Straßenerneuerungs-Baustelle an der Fahrgasse /Reineckstraße ist beispielhaft
rechts, Friedrich-Ebert-Anlage: die Umleitung um die Baustelle an der Friedrich-Ebert-Anlage/Schumannstraße (mittlerweile fertig gebaut) zeigt, wie man es richtig macht.
Peter Sauer






Adam-Riese-Straße: Ein gutes Beispiel ist auch die „Deblockierung“ der privaten und sonst gesperrten Straße der Commerzbank an der Adam-Riese-Straße im Gallus.
Peter Sauer


Es muss auch bei Events nicht immer ein Abblocken derjenigen geben, die nicht an der Party teilnehmen wollen. Beim allfreitäglichen Public Drinking am Friedberger Platz bleibt die Bornheimer Landstraße immer frei – nun ja, fast hätten wir’s vergessen, da fahren auch Autos durch.

Bertram Giebeler

Inhalt Ausgabe 4 (Jul/Aug) / 2018

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