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Bild zum Artikel Die bestehende Fahrrad-Abstellanale am Karbener Bahnhof – sicher, überdacht, direkt am Bahngleis
Foto: Karl Pfeil

Flächenkonkurrenz am Bahnhof in Karben

Eine kleine politische Gruppe in Karben, sich selbst „Freie Wähler“ nennend, hat den Bau einer Doppelstock-Fahrradparkanlage am Bahnhof in Karben vorgeschlagen. Zitat aus der Frankfurter Neuen Presse vom 1.11.2017: „… durch doppelstöckiges Parken könne die Zahl der Abstellmöglichkeiten erhöht werden, ohne dass dafür mehr Fläche nötig ist.“ Das hört sich zunächst gut an. „Und für die Stadt sei ein solches Angebot gut, weil die Straßen von Autofahrten entlastet würden, je attraktiver das Fahrradfahren sei.“

Der Verfasser dieser Zeilen folgt im Wesentlichen dem Grundsatz: An ihren Taten, nicht an ihren Worten, sollt ihr sie erkennen. Aber auch Worte können verräterisch sein, denn die Sprache ist die Kleidung der Gedanken. Sie trägt unser Inneres nach außen – kleidet aber auch mit Leichtigkeit ein, was jemand willentlich oder unbewusst verbirgt. Wer genauer hinschaut, erkennt: Meine Sprache bringt meine Haltung zum Leben ins Wort. Andererseits hat meine Mutter mir immer gesagt, ich soll nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Jetzt tue ich es doch wieder und lege einmal die Aussagen der „Freien Wähler Karben“ auf meine sprachliche Goldwaage: „… durch doppelstöckiges Parken könne die Zahl der Abstellmöglichkeiten erhöht werden, ohne dass dafür mehr Fläche nötig ist.“ Aber der Volksmund sagt auch, dass gut gemeint das Gegenteil von gut sein kann. Immerhin ist die bestehende Abstellanlage großzügig angelegt und wird gut genutzt – und vor allem liegt sie direkt an den Bahnsteigen. Doppelstock-Abstellplätze hingegen sind für viele Radler auch eine Erschwernis, sie erfordern mehr Zeit und Kraft.

Begründet wird der Vorschlag mit der folgenden Aussage: „Und für die Stadt sei ein solches Angebot gut, weil die Straßen von Autofahrten entlastet würden, je attraktiver das Fahrradfahren sei.“

Gutwillig unterstelle ich zunächst, dass die Freien Wähler das Fahrradfahren fördern wollen. Aber da die Freien Wähler in Karben der Förderung des Fahrradfahrens unverdächtig sind – sie haben unlängst eine Beleuchtung des Nidda-Uferwegs für Fußgänger und Fahrradfahrer abgelehnt –, steckt eventuell etwas anderes dahinter, nämlich die Entlastung der Straßen von Fahrradfahrten, was (jetzt böswillig unterstellt) mehr Platz für die standhaften Autofahrer bedeuten würde. Dazu passt auch folgende Aussage: „Einfließen solle die Idee in die ohnehin demnächst anlaufende Planung für die Umgestaltung des gesamten Bahnhofsbereichs. Denn nicht nur an den Fahrradparkplätzen ist es eng, sondern ebenso auf denen für Autos und erst recht an den Bussteigen und auf den Fußwegen.“

Es wird in der Tat eine Flächenkonkurrenz am Bahnhof geben, und es hört sich wieder so an, als könne man mit einer Doppelstock-Fahrradparkanlage mehr Platz für Pkw bereitstellen. Muss nicht so sein, aber ein solche Situation hatte schon Goethe beschrieben: „So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“

Wenn nun auch die beschriebenen Äußerungen der Freien Wähler mit der Goldwaage abgewogen wurden, so ist es nicht eindeutig, was sie wirklich wollen. Daher gilt auch für die Freien Wähler: Wir müssen reden.

Karl Pfeil
(der mit der Goldwaage)

Inhalt Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2018

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