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Bild zum Artikel Mit dem ADFC Frankfurt kann, wer möchte, auch Radurlaub machen – wie hier eine Gruppe am Saar-Kohle-Kanal hinter Saarbrücken. Das Tourenprogramm mit über 20 Radreisen ist soeben erschienen, im Netz stehen die Radreisen schon länger unter adfc-frankfurt.de/radreisen Bertram Giebeler

Gut geplant ist halb geradelt

Infos und Tipps zur Vorbereitung auf einen schönen Radurlaub

Dieser Artikel richtet sich an die Leser/innen, die sich selbst als nicht ganz routiniert in der Vorbereitung ihres Radurlaubs einschätzen. Alle anderen mögen ihn überblättern!

Eins vorneweg: wir Frankfurter* innen haben es gut! Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, dessen Einwohner eine größere Auswahl an attraktiven Radreisezielen haben. In einem Radius von anderthalb Stunden mit der Regionalbahn liegen kulturell und kulinarisch sehr unterschiedliche interessante Landschaften. Von „12 Uhr“ im Uhrzeigersinn: Kurhessen, Rhön, Mainfranken, Kraichgau/­Hohenlohe, Nordschwarzwald, Pfälzerwald, Nahe-, Mosel und Lahntal, Westerwald. Im Radius von einer Tagesreise mit Bahn oder Auto liegen ganz Deutschland und alle (!) seine unmittelbaren Nachbarländer – alle denkbaren Topografien, im Sommer immer irgendwo gutes Wetter, kulinarische Spitzenregionen und gute Weinlagen. Was brauchen wir mehr für Spaß am Rad fahren?

Wohin soll's überhaupt gehen?

Ein Radurlaub muss nicht, kann aber gleich vor der Haustür losgehen. Gerade Hessen hat ein gut ausgebautes Netz von Radfernwegen, nicht zuletzt wegen der langjährigen Qualitätssicherung durch den ADFC Hessen. Die hessischen Radfernwege sind im Mittelgebirge zum Teil anspruchsvoll, aber immer bestens beschildert. Die dazugehörige Broschüre gibt es beim ADFC Frankfurt und beim ADFC Hessen, viel Information natürlich auch online – zum Beispiel in der Rubrik „Naturerlebnis“ auf hessen-tourismus.de

Wer die Zielsuche von vornherein auf Deutschland beschränkt, hat dennoch eine riesige Auswahl – siehe weiter unten. Deutschland ist weltweit Radreiseland Nr. 1, ein Tipp ist die ältere, aber noch aktive Webseite radnetz-deutschland.de Der Plan zu einem nationalen radtouristischen Wegenetz wurde in den Nuller-Jahren vom ADFC angeschoben, vom für den Tourismus zuständigen Bundeswirtschaftsministerium damals leider nicht energisch genug unterstützt, es soll aber höchstwahrscheinlich bald einen Neustart über das Verkehrsministerium geben. Die 12 „D-Routen“ bestehen größtenteils aus bekannten Radfernwegen. Bis auf die noch unvollständigen Routen 4 und 11 sind sie physisch vorhanden und gut gepflegt, teilweise auch als D-Routen beschildert, und sie sind allemal für einen Radurlaub zu empfehlen.

Bild zum Artikel In unseren europäischen Nachbarländern gibt es atemberaubende Strecken zu erradeln – wie hier die Gorge de la Nesque bei Sault, Provence, Frankreich
Bertram Giebeler

Unter eurovelo.com gibt es auch europaweit ein Routennetz. Allerdings ist nicht überall davon auszugehen, dass diese Routen einen ausreichenden Ausbaustandard haben. Wir empfehlen, erst einmal genauer zu recherchieren – auch über die Kontaktmail des ADFC Frankfurt. Zu Europa weiter unten mehr.

Plan A und Plan B

Eine generelle Empfehlung haben wir doch, nämlich zwei Planungen zu machen, für Regionen in unterschiedlichen Richtungen von Frankfurt aus. Deutschland und Mitteleuropa sind nirgends absolut wettersicher, und niemand sollte ausgerechnet seinen Radurlaub grau und nasskalt erleben müssen. Die Plan A-/Plan B-Variante funktioniert natürlich nur, wenn man nicht monatelang vorher alles fix gebucht hat.

Flexibel bleiben

Unsere Empfehlung: nicht zu viel vorbuchen! Im Zweifel einfach drauflos fahren! Allein oder zu zweit findet man überall – außer an der deutschen Ostseeküste – eine Übernachtung. Freiheit ist gerade das Schöne am individuellen Radurlaub. Man kann die Tour unterbrechen, wenn das Wetter schlecht oder die Beine schwer werden, und wo es einem gut gefällt, kann man bleiben, solange man will.

Erst mal beim ADFC reinschauen!

Der weltgrößte Radfahrerverband hat sehr viel an radtouristischem Infomaterial in der Pipeline; das reicht für so manche Radreiseplanung schon völlig aus. Auf der Website adfc-radtourismus.de findet sich eine Vielzahl an Informationen zu allen Themen rund um die Radtour. Dort findet man auch den schnellsten Zugang zu den eigenen touristischen Leistungen des ADFC:

  • Die Broschüre und Webseite „Deutschland per Rad entdecken“ stellt dutzende interessante Radreiseregionen vor.
  • Die Broschüre „Radurlaub“ und die Webseite radurlaub-online.de informieren über kommerzielle geführte Radreisen.
  • Die Kartenserien und Radreiseführer des ADFC in Kooperation mit dem BVA-Verlag und dem Bruckmann-Verlag geben Radreisenden auf ihrer Tour Orientierung.
  • Die Gütesiegel ADFC-Qualitätsradroute und ADFC-Qualitätsradregion zertifizieren Qualität in Wegbeschaffenheit und touristischem Angebot.
  • Das ADFC-Label „bett+bike“ mit eigener Website und App führen zu 5.800 radfahrerfreundlichen Gastbetrieben.
  • Immer richtig: der Besuch einer ADFC-Radreisemesse, zum Beispiel am 22. März 2020 in Frankfurt.
  • Für die digitale Routenplanung arbeitet der ADFC unter anderem mit dem führenden Wander- und Fahrrad-Navigationsportal fürs Smartphone komoot zusammen, außerdem mit diversen regionalen Radroutenplanern, zusammengeführt im ­Radroutenplaner Deutschland: radroutenplaner-deutschland.de.

Über den ADFC hinaus

In Deutschland deckt der ADFC ­eigentlich den gesamten Informationsbedarf für „Genussradler“ ab. Es gibt aber natürlich noch andere Informationsquellen:

  • Kartenserien wie „bikeline“ aus dem österreichischen ­Esterbauer-Verlag.
  • Die hervorragende Internet-Karte Open Cycle Map opencyclemap.org.
  • Informationen und GPS-Tracks regionaler Tourismusverbände.
  • Länder-Radroutenplaner wie das „Bayernnetz für Radler“.
  • Hochinteressant: die Webseite bahntrassenradeln.de
  • Für die „ganz Harten“ auf dem Rennrad: die Webseite quaeldich.de

Ein paar notwendige Checks

  • Stimmen Topografie der Ziel­region und eigene körperliche Fitness überein? Ein Hinweis: Flusstal-Radwege sind nicht immer flach!
  • Ist die Fahrrad-Hardware ok, sind die wichtigen Teile neu genug?
  • Bekäme ich das Rad in der Zielregion repariert? Tipp für Nicht-Bastler: im Ausland nicht zu komplizierte Technik nutzen!
  • Wenn Camping eine Option ist: ist die Campingplatz-Dichte ­ausreichend?

Planungs-Checks für
Hin- und Rückreise

  • Mit der Bahn: kann ich das Ziel oder den Heimatort mit Regionalzug-Hopping erreichen? Schaffe ich das körperlich und mental?
  • Mit dem Auto: erreiche ich das am Startort sicher abgestellte Auto im Notfall (Verletzung, ­Erkrankung, Wettersturz) mit ­öffentlichen Verkehrsmitteln?

Europäische Optionen – von Frankfurt nicht weit!

Hier die wichtigsten radtouristischen Charakteristika der unmittelbaren Nachbarländer Deutschlands, von Norden im Uhrzeigersinn:

  • Dänemark: ausgeprägte Alltags-Fahrradkultur, ähnlich wie die Niederlande. Weitmaschiges Netz weniger, aber sehr komfortabel ausgebaute Fernradwege.
  • Polen: touristische Radwege an der Ostsee, vor allem in ­Masuren. Überall sonst muss der Radfahrer absolut straßenverkehrsfest sein. Tipp für Fitte: der „wilde Südosten“ Polens.
  • Tschechien: dichtes Netz von gelben Radwegweisern, es geht dann oft über Stock und Stein, auf ruhigen Nebensträßchen ist man oft besser aufgehoben. ­Topografie erfordert Steigungsfestigkeit. Touristische Infrastruktur gut und günstig.
  • Österreich: Angebot so gut und dicht wie in Deutschland. Der Donau-Radweg Passau-Wien war die „Mutter aller ­Fernradwege“.
  • Schweiz: was die Schweizer machen, machen sie gleich richtig. Das Radwegenetz und das dazugehörige Informationssystem „SchweizMobil“ sind das perfekteste weltweit. Aber: Kontostand und eigene Fitness überprüfen.
  • Frankreich: Basis-Infrastruktur für Radtouristen sind die kleinen D-Straßen. Es wird aber sehr zielgerichtet an „voies ­vertes“ („greenways“) gebaut. Tipp: die interaktive Karte von af3v.org. Frankreich hat knapp 10.000 Campingplätze!
  • Luxemburg: ein echter Genussradeltipp. Gut ausgebaute und beschilderte Radwege, teilweise auf alten Bahntrassen.
  • Belgien: Im radaffineren flämischen Landesteil dominiert das engmaschige Knotenpunktsystem, im wallonischen Teil gibt es ein weitmaschigeres Netz von „Ravel“-Radrouten.
  • Niederlande: radtouristisch gibt es zwei Systeme parallel: ein Netz von nationalen Radfernwegen (LF-Routen) mit Zielwegweisung und ein lokales Knotenpunktsystem.

Und noch ein paar Hinweise zu zwei wichtigen Zielländern:

  • Italien: nahezu perfekt ausgebaut ist das Radwegenetz in Südtirol. Ansonsten gilt: Wer in Bella Italia unterwegs ist, muss stressfest hinsichtlich des Autoverkehrs sein und echte Steigungen bewältigen können.
  • England: dank unserer Kollegen vom Partnerverband Sustrans (sustainable transport) hat ­England heute ein gutes ­„National Cycle Network“. Die Radwege sind teilweise offroad. Keine Angst vor dem Linksverkehr – Englands Autofahrer sind freundlich.
  • Nun ist aber genug theoretisiert! Mit soviel Information im Kopf kann bei der Radreiseplanung kaum noch etwas schief gehen – auf in den Sattel!

Bertram Giebeler

Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2020

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