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Radeln in Rhein-Main

Wer dieses Buch aufschlägt, der legt es so schnell nicht wieder aus der Hand und fragt sich unwillkürlich, ob das Fahrrad auch startklar ist.

Die Bilder, die Titel der Touren, die Kartenskizzen und vor allem natürlich die Texte lassen erkennen, dass hier nicht nur über etliche Fahrradkilometer berichtet wird, sondern ebenso über die Historie, den kulturellen Hintergrund, die wirtschaftlichen Zusammenhänge und nicht zuletzt über ökologische Aspekte.

Aus gutem Grund wird dazu geraten, nie ohne passende Landkarte loszuradeln, dabei sind die Streckenverläufe sehr geschickt ausführlich beschrieben. Akribisch ist angegeben, welche Wegweiser und Markierungen in welcher Richtung jeweils zu beachten sind. Auch mögliche Varianten der Wegführung sind berücksichtigt. Langeweile kann beim Lesen nicht aufkommen, denn alle Hintergrundinformationen werden gleich mitgeliefert und die passgenauen Bilder sprechen für sich.

Die 18 Rund- und 11 Strecken-Touren sind zwischen 19 und 42 Kilometer lang, der Schwierigkeitsgrad variiert und ist anschaulich beschrieben. Eine Zeitdauer ist aus gutem Grund nicht angegeben. Zu viele Museen und andere Sehenswürdigkeiten liegen am Wege, die zu einer Fahrtunterbrechung einladen. Viele Abschnitte folgen der Regionalpark-Rundroute oder den zugehörigen Stich- und Querwegen. Etliche Ziele und Verbindungsstücke dürften aber auch für Kenner der Region eine Neuentdeckung sein. Das Terrain reicht von Bad Nauheim bis Heppenheim und von Rüdesheim bis Aschaffenburg. Alle Start- und Zielpunkte sind mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar.

Bemerkenswert ist, dass Sehenswürdigkeiten aus den verschiedensten Bereichen vorgestellt werden. Eine Schiffsmühle, eine Waschanlage für ICE-Züge und eine Kletterwand an einem Biomasse-Kraftwerk bekommt man nicht überall geboten. Auch nach einem riesigen Raben aus Aluminium und einer Parabolspiegel-Antenne mit 12 Meter Durchmesser wird man ohne Anleitung trotz der Größe ein wenig suchen müssen. Ganz zu schweigen von vielen Klöstern, Kirchen, Burgen und Schlössern, die man in der näheren und weiteren Umgebung der Bankenstadt Frankfurt nicht unbedingt vermutet. Genauso interessant ist die naturnahe Landwirtschaft in Form von Biobauernhöfen und den selten gewordenen gebietstypischen Streuobstwiesen. Naturbelassene Landschaften gibt es natürlich auch, wie es sich für einen Radwanderführer gehört, auch wenn sie schwer zu finden sind und wenn sich die Bedeutung erst durch die Beschreibung erschließt.

Eine einzige Tour sei hier beispielhaft hervorgehoben: Unter der Überschrift „Salzgeruch, Seen und seltene Vögel“ wird eine Strecke beschrieben, die von Bad Nauheim aus zwischen den Flüssen Usa und Horloff erst nach Osten und dann zurück nach Westen führt. Dabei geht es um Rosen, stillgelegte Braunkohlebergwerke und ein Feuchtgebiet, in dem seltene Vogelarten brüten und das eine wichtige Zwischenstation für Zugvögel darstellt.

Die Auflistung ließe sich beliebig fortführen, aber sie kann das Blättern in diesem Buch keinesfalls ersetzen. Infos gibt es auch unter societaets-verlag.de

Ingolf Biehusen

Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2020

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