Die in Bau befindliche ober- irdische Fahrradabstellanlage
Foto: Christina Romeis

Bike + business im Realitätscheck

Eine Mitarbeiterin berichtet aus der Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank hat 2010 den bike + business award verliehen bekommen.

In der Tat sind die Gegebenheiten auf dem Gelände der Bundesbank-Zentrale für Fahrradfahrer (fast) paradiesisch. Fahrräder können in großer Stückzahl in den beiden Tiefgaragen abgestellt werden. Zwar sind die Ständer veraltet, sogenannte „Felgenkiller”, aber die Räder stehen im Trockenen und Warmen und brauchen nicht abgeschlossen zu werden, da das gesamte Gelände bewacht ist. Auch oberirdisch ist kein Mangel an geeigneten Stellplätzen.

Mittlerweile baut die Bundesbank ihren Standort in der Frankfurter Innenstadt aus. Rund um das Gelände der „Hauptverwaltung in Hessen” – auch ein Teil des Bundesbanksystems – sind inzwischen viele weitere Mitarbeiter auf dem sogenannten „Campus Taunusanlage” beschäftigt.

Hier stellt sich die Situation für mit dem Rad zur Arbeit fahrende Mitarbeiter etwas differenzierter dar. Ein Erfahrungsbericht:

Noch eine Woche vor dem geplanten Umzug meiner Abteilung von der Zentrale in die Taunusanlage gibt es keine Information darüber, wo ein Fahrrad sicher abgestellt werden kann.

Kollegen, die den ÖPNV als Verkehrsmittel bevorzugen, haben die Chance, das großartige Angebot eines Jobtickets anzunehmen, diejenigen, die das Auto wählen, haben die Möglichkeit, einen Parkplatz in der Tiefgarage zu beantragen. Hier werden mit großem Aufwand Ranglisten aufgestellt nach Kriterien, wie weit der Weg ist, ob Kinder betreut werden müssen, Arbeitszeiten etc. und die (knappen) Autostellplätze entsprechend vergeben. Eine Nachfrage nach Fahrradabstellanlagen jedoch erntet stets nur ein müdes Lächeln.

In der Tiefgarage sei kein Platz für Räder vorgesehen, eine neue oberirdische Fahrradabstellanlage sei in Bau, nein, über das Datum der Fertigstellung könne keine Auskunft gegeben werden, so der Tenor. Den HV-Fahrradkeller dürften Mitarbeiter der Zentrale nicht benutzen. Die vor der Hauptverwaltung befindlichen Fahrradständer erscheinen mir nicht sicher genug, da das Gelände öffentlich zugänglich ist und ich von Diebstählen gehört habe.

Mir fällt ein, dass die Bundesbank mit dem bike + business award 2010 ausgezeichnet worden ist (s.o.). Eine Nachfrage bei der betreffenden Projektleiterin führt zu dem Ergebnis, dass ich mein Anliegen selbst bei der zuständigen Bauabteilung vortragen soll.

Mittlerweile sind drei Monate seit dem Umzug vergangen: ich habe einen Schlüssel für den am Standort befindlichen Fahrradkeller. Hier werden mit Beginn der milderen Temperaturen die 30 Stellplätze langsam knapp. Die in Bau befindliche, oberirdische und überdachte Fahrradabstellanlage ist leider noch immer nicht fertiggestellt.

Die schnellste und kostengünstigste Variante wird jedoch gar nicht erst in Erwägung gezogen: nämlich die Umwandlung von wenigen Autoabstellplätzen in der Tiefgarage in viele Fahrradabstellplätze. Hier scheinen einige Verantwortliche im Geiste noch etwas „rat(d)los” zu sein.

Christina Romeis

Inhalt Ausgabe 3 (Mai/Jun) / 2012


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