Preisverleihung zum 3. Platz in der Kategorie „Aufholer“ bei Städten über 200.000 Einwohnern: Frankfurt am Main. Von links nach rechts: Ulrich Syberg (ADFC-Bundesvorsitzender), Stefan Majer (Stadtrat, Frankfurt/Main), Helmut Heuser (Vorsitzender Verkehrsausschuss, Frankfurt/Main), Volkmar Gerstein (Vorsitzender ADFC Hessen), Parlamentarischer Staatssekretär Jan Mücke, MdB
Foto: BMVBS

Fahrradklimatest 2012

Prima Klima für Radfahrer in Frankfurt – doch
genauer Hinschauen lohnt sich!

Donnerwetter – Frankfurt ist auf dem Weg Richtung Kopenhagen – oder übertreiben wir nicht doch etwas? Beim neuesten ADFC-Fahrradklimatest jedenfalls liegt Frankfurt in der Gesamtwertung der Großstädte über 200.000 Einwohner auf Platz 9 und ist sogar „Aufsteiger Nr. 3“ in der Dynamik der Entwicklung hin zu einer fahrradfreundlichen Metropole. Dezernent Stefan Majer und Verkehrsausschussvorsitzender Helmut Heuser (CDU) fuhren nach Berlin, um die Auszeichnung vom ADFC-Bundesvorsitzenden Ulrich Syberg entgegenzunehmen.

Das freut natürlich uns als ADFC Frankfurt, denn wir sehen uns da durchaus beteiligt. Beim letzten Fahrradklimatest (im Jahr 2005) schnitt Frankfurt schon überraschend gut ab. Fünfzehn Jahre lang dicke Bretter bohren seit Anfang der 90er Jahre, insbesondere durch den damaligen verkehrspolitischen Sprecher Fritz Biel, hatten Früchte getragen. Frankfurt wurde 2007 Austragungsort einer ADFC-Bundeshauptversammlung, die Verbesserung der Radverkehrssituation ausgerechnet hier ließ bundesweit aufhorchen.

Mittlerweile hat sich die Fachöffentlichkeit mit der Erkenntnis angefreundet, dass man in Frankfurt gut und mit Spaß Rad fahren kann, wenn auch noch nicht immer und überall. In den letzten acht Jahren ging die Entwicklung im wesentlichen positiv weiter, der Radverkehrsanteil liegt derzeit bei 15 %. Ein sehr wichtiger Schub nach vorn kam vor einigen Jahren durch die Installierung des Radfahrbüros.

Sicherlich haben in den letzten Jahren auch die Verkehrsdezernenten aus den Reihen der GRÜNEN, Lutz Sikorski und Stefan Majer, ihren Anteil an dieser Entwicklung, aber es wäre falsch, die Radverkehrsförderung parteipolitisch zu verorten. Seit die Frankfurter CDU Anfang des ersten Jahrzehnts die Hinwendung zu einer modernen Großstadt-Verkehrspolitik vornahm und sich von einseitigem Autolobbyismus verabschiedete, gibt es eine weitgehende Übereinstimmung der großen Stadtverordneten-Fraktionen in der grundsätzlichen Überzeugung, dass ein steigender Radverkehrsanteil unserer Stadt gut tut!

Wer nun bei den Resultaten des Fahrradklimatests genauer hinsieht, erkennt auch in Frankfurt erheblichen Handlungsbedarf. In fünf von 27 Kriterien des Fahrradklimatests liegt die Benotung Frankfurts sogar unter dem jeweiligen Gesamtschnitt, in den die Bewertungen auch der schlechtestbenoteten Städte wie Wiesbaden und Wuppertal eingehen – u. a. in den Kriterien Falschparken und Hindernisse auf Radwegen, aber auch Ampelschaltungen, geringe Radwegbreite und hohes Diebstahlsrisiko. Zum Ausruhen auf irgendwelchen Lorbeeren besteht also kein Anlass.

Herausragend dagegen die Zustimmung im Kriterium Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung – hier ist Frankfurt ein positiver Modellfall für ganz Deutschland, zumal dies – polizeiseitig bestätigt – nicht zu mehr Unfällen führte. Sehr gut beurteilt wurde auch die Erreichbarkeit der City per Rad – Radler kaufen halt lieber in der City als in Shoppingmalls an Autobahnabfahrten!

Das Prima-Klima-Resultat ist nicht zuletzt auch ein Anschub für Frankfurts Image als lebenswerte Metropole, ja sogar ein Standortfaktor – wo das Klima für Radler gut ist, da will man gern leben! Heutzutage sind gute Radfahrbedingungen für einen großen Teil der Stadtbewohner wichtiger, als dass immer und überall ein Parkplatz vorhanden ist.

Bertram Giebeler

 

Inhalt Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2013


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