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Bild zum Artikel Es ist nicht jedermanns/-fraus Sache, regelgerecht über die Alte Brücke zu radeln. Viele suchen Rettung aus der Gefahr auf dem Fußweg
Fotos: Peter Sauer

Mehr Radverkehr macht's möglich:

Bald ohne Lebensgefahr über die Alte Brücke!

Eine der ärgerlichsten Engstellen und Gefahrenpunkte für den Radverkehr in Frankfurt wird in absehbarer Zeit endlich beseitigt werden: die Alte Brücke wird in einer Weise saniert, dass sie für Fußgänger und Radfahrer ohne Gefahr in beide Richtungen passierbar wird. Dabei wird eine „bestandsnahe” Lösung ohne einen aufwendigen Totalumbau angestrebt. Die bisher fünf Fahrspuren werden auf nur noch vier reduziert.

Der gemeinsame Antrag von CDU und Grünen, dem auch alle anderen Fraktionen im Verkehrsausschuss am 24. April zustimmten, beendet eine buchstäblich jahrzehntelange Hängepartie. Eine Sanierung ist aus technischen Gründen ohnehin überfällig. Konsens ist auch, dass die derzeitige Situation für Radfahrer und Fußgänger - Gehweg mit betonierter Torkelmauer auf der Ostseite, Nulllösung für Radler auf der Westseite - absolut nicht akzeptabel ist. Die Frage ist: muss die Brücke bei der fälligen Sanierung physisch erweitert und praktisch neu gebaut werden - das würde ca. 32 Mio EUR kosten. Die bestandsnahe Sanierung, die die Brücke für mindestens weitere 15 Jahre erhält, kommt dagegen mit ca. 5 Mio EUR aus.

Es geht im Kern darum, ob auf die jeweilige Linksabbiegespur am Ende der Brücke in beiden Richtungen verzichtet werden kann. 1996 Jahre wurde in einer Verkehrssimulation ermittelt, dass ein Verzicht auf die Linksabbiegespuren ein völliges Verkehrschaos in Sachsenhausen und in der City hervorrufen würde.

Über die Analyse von damals kann man streiten, aber die Gewichte im Modal Split haben sich seitdem massiv verschoben: der KFZ-Verkehr im inneren City-Kordon hat seit 1996 um ca. 20% abgenommen, auf der Alten Brücke selbst fuhren im morgendlichen Berufsverkehr im Jahre 1999 noch 1.144 Kraftfahrzeuge pro Stunde, aktuell Ende 2011 nur mehr 871 KFZ/h - ein Viertel weniger! Der Radverkehr dagegen hat sich auf der Alten Brücke von (1996) 1.687 Räder je Tag auf 3.423 Räder je Tag mehr als verdoppelt.

Dank des massiv gestiegenen Radverkehrsanteils ergibt die Simulation von 1996 heute: Das Chaos fällt aus, die Linksabbiegespur kann entfallen, Radler und Fußgänger kommen sicher über den Main, die Stadt spart Millionen!

Fazit: mehr Radverkehr ist gut für Stadtkasse und Stadtplaner.
Eigentlich ist es doch logisch: Tausend Radler, die von A nach B wollen, kommen dafür mit einer weit schlankeren Infrastruktur aus als tausend PKW. Der Fall Alte Brücke sollte als Beispiel dienen, denn auch anderswo in Frankfurt kann der Kraftfahrzeug-Verkehr mit weniger Platz auskommen. Der ADFC wird in nächster Zeit derartige Engstellen benennen. Es ist sogar denkbar (Planungen liegen in der Schublade), einige Übertreibungen der Betoneuphorie der 60-er Jahre wieder zurückzubauen und diese Flächen sinnvoller zu verwenden. Frankfurt ist eine wachsende Stadt und braucht Platz für attraktive Wohnumfelder. Mehr Radverkehr hilft dabei!

Bertram Giebeler

Inhalt Ausgabe 3 (Mai/Jun) / 2012


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