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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Editorial

Hört ihr das? Das leise Rauschen der Blätter an einem Baum? Das ferne Tuckern eines Schiffsdiesels, der einen Frachter langsam mainaufwärts schiebt? Das Sirren von Fahrradreifen auf dem Asphalt, Passanten, die sich unterhalten? Geräusche, die wir in der Stadt nur noch selten wahrnehmen. Die Stadt ist laut, Verkehrslärm der Einfallstraßen sickert bis in die letzten Winkel der dazwischen liegenden Wohngebiete ein, über den südlichen Stadtteilen ist der Fluglärm allgegenwärtig. Und nun das: Ein Ort der Ruhe, mitten in der Stadt, direkt am Fluss, ganz frei von Autoverkehr (nimmt man einmal die lautlosen, autonom fahrenden Kleinbusse aus, die dort zurzeit unterwegs sind). Was bisher nur anlässlich von Main- oder Museumsuferfesten, von Marathon- oder Triathlon-Wettkämpfen, von Silvesterfeiern oder Radrennen möglich war, ist nun ganzjährig zu erleben: die Sperrung des nördlichen Mainkais für den Kraftfahrzeugverkehr.

Peter Sauer

Klaus Oesterling, Verkehrsdezernent dieser Stadt, hat in seiner Ansprache zur letzten bike-night bereits darüber gesprochen. Wie ihn die Stille beeindrucke, die ihn umfängt, wenn er hinunter zum Mainufer geht und sich dort umschaut. Doch Stille allein wird aus dem breiten Asphaltband keinen lebenswerten Stadtraum machen. Wie sich zentrale urbane Räume am Flussufer lebendig gestalten lassen, wenn der Autoverkehr reduziert ist, lässt sich in anderen Städten bewundern: Köln, Düsseldorf, Bremen, aber auch Bordeaux und Paris oder New York City, all diese Städte haben sich ihre Flusslandschaft zurückerobert. Selbst in Frankfurt, daran sei hier erinnert, fuhren auf dem Hochkai des Deutschherrnufers einmal Autos, wo heute Spaziergänger und Radfahrende das Bild beherrschen.

Wie wichtig der autofreie Mainkai für den Radverkehr zukünftig sein wird, lässt sich momentan erst erahnen. Mit den frisch angelegten Radstreifen der Schönen Aussicht (siehe links) und den angekündigten Verbesserungen auf der Hanauer Landstraße kann er das Herzstück einer neuen Ost-West-Achse werden. Für unsere Nerven ist der neu geschaffene Ort der Stille aber schon jetzt wertvoll. Denn er zeigt uns, wie sich eine Stadt ohne Autoverkehr anhören kann.

Fahrt an den Main, genießt die Ruhe, aber passt auf die lautlosen, autonom fahrenden Busse auf. Und auf die Anderen, die Touristen und die Flaneure, die Jogger und die Spaziergänger. Auch die genießen die Ruhe mitten in der Stadt.

Peter für das Redaktionstem