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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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ADFC-Aktive aus ganz Hessen beim HessenForum in Bad Homburg
Torsten Willner

Wunsch nach mehr Gruppenarbeit

Beim HessenForum in Bad Homburg wurde nicht nur über Radverkehr debattiert

Das HessenForum ist eine Veranstaltung für Mitglieder aller ADFC-Gliederungen in Hessen. Vom 18. – 20.11.2022 fand es zum ersten Mal seit 2019 wieder statt. 52 Teilnehmende von Kassel bis zur Bergstraße waren der Einladung des Landesvorstands in die Jugendherberge Bad Homburg gefolgt – so viele Frauen wie Männer, ohne dass dies forciert worden war, und sowohl alte Hasen als auch etliche neu-Aktive. Die Moderation an den drei Tagen übernahmen Helga Hofmann sowie Ansgar Hegerfeld.

Der Einstieg am Freitagabend war sanft: Der Begrüßung und dem gemeinsamen Abendessen folgte ein Vortrag von Marcus Gottsleben, der anhand von Fotos und persönlicher Erfahrungen die bei vielen noch unbekannte „Tour de Natur“ vorstellte. An dieser jährlich stattfindenden, mehrtägigen Fahrraddemo nehmen typischerweise 100 – 150 Menschen teil, um sich zu dem umweltpolitischen Thema, auf dem der Fokus im jeweiligen Jahr liegt, zu positionieren. Nach dem Vortrag ließen die, die in der Jugendherberge übernachten wollten, den Abend gemütlich bei Getränken im Foyer ausklingen.

Thema Verkehrswende soll präsent bleiben

Am Samstag war Ansgar Hegerfelds Rück- und Ausblick auf das Volksbegehren Verkehrswende Hessen der erste Programmpunkt. Dieser enthielt den Aufruf, sich dem Kernteam der Aktiven anzuschließen und weiterhin Aktionen pro Verkehrswende zu unterstützen, um insbesondere mit Blick auf die kommende Landtagswahl das Thema in Bevölkerung und Politik präsent zu halten. In der darauffolgenden Diskussion wurde betont, dass wir uns als ADFC beim Werben von Aktiven für die Verkehrswende wie auch in unserer Argumentation nicht ausschließlich auf die eigenen Mitglieder und die Belange des Radverkehrs konzentrieren sollten; die Wichtigkeit des Netzwerkens mit anderen Verbänden und das gegenseitige Verständnis für die unterschiedlichen Belange wurden in den Vordergrund gerückt und die Hoffnung formuliert, neu geschaffene Bündnisse auch jenseits des Volksbegehrens weiterentwickeln zu können.

Das Frauennetzwerk im ADFC Hessen

Helga Hofmann und Linda Frey berichteten über das Frauennetzwerk des ADFC Hessen und beleuchteten die Frage, wie wir mehr Frauen dafür gewinnen können, sich im ADFC aktiv einzubringen. Derzeit sind 45 % der ADFC-Mitglieder weiblich, der Anteil bei den Aktiven ist jedoch geringer. Das landesweite Netzwerk möchte Frauen gezielt abholen und bietet dazu u. a. Treffen zu verschiedenen fachlichen Themen an. Hierdurch haben sich bereits Bedarfe und Wünsche von Frauen gezeigt, die im ADFC bisher noch nicht oder zu schwach adressiert worden sind. Ein Beispiel sind Reparaturkurse von und für Frauen, von denen der KV Darmstadt-Dieburg mittlerweile einige sehr erfolgreich durchgeführt hat. Ebenso haben Helga und Linda die Wichtigkeit der (Bild-)Sprache auf unseren Websites hervorgehoben – wer neue Zielgruppen ansprechen will, muss das Zielbild und nicht den Status quo zeigen.

Die Nachmittags-Session leitete Amelie Döres mit einem Überblick über die neue 5-Jahres-Strategie des ADFC-Bundesverbands ein. Mithilfe dieser Strategie wird das Oberziel verfolgt, Deutschland bis 2030 zum Fahrradland zu machen – konkret: 30 % aller Wege sollen dann mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Der strategische 5-Jahres-Plan soll dazu dienen, unsere Aktivitäten noch stärker an Zielen auszurichten, Priorisierung zu ermöglichen sowie Erfolge überprüfbarer zu machen. Für verschiedene Handlungsfelder – bspw. Verkehrspolitik oder Radtourismus – sind Ziele definiert und diese wiederum mit konkreten Maßnahmen unterlegt.

Danach waren individuelle Entscheidungen gefragt: Welcher Kleingruppe schließt man sich an? Im ersten Block konnte man zwischen den Themen „Alltagsradeln im ländlichen Raum – was will der ADFC?“ mit Oliver Sollbach, „Mehr werden ist leicht – wie Kreis- und Ortsverbände Mitglieder werben können“ mit Anne Wehr sowie „ADFC-Tourguide macht Spaß!“ mit Amelie Döres wählen. Nach einer Kaffeepause bot der zweite Block die Alternativen „Kommunale Radverkehrskonzepte im ländlichen Raum“ mit Nicole Sude aus der Kreisverwaltung Waldeck-Frankenberg, „Konflikte um neue Autobahnen“ mit Alexis Passadakis (attac Frankfurt) und Willy Breder (BUND Frankfurt) sowie „Mitarbeit im Landesverband“ mit Xavier Marc, Sofrony Riedmann und Ansgar Hegerfeld.

Per Tandem von Frankfurt nach Neuseeland

Zum Ausklang waren nach dem Abendessen Ute Pfeffer und Konrad Hötschel zu Gast. 2016 waren sie per Tandem von Frankfurt/Main durch 35 Länder bis nach Neuseeland gefahren. Die beiden wussten von Pannen, Planungsschwierigkeiten oder brenzligen Verkehrssituationen zu berichten, aber vor allem von überwältigender Hilfsbereitschaft, Gastfreundlichkeit und bereichernden sowie kuriosen Begegnungen. Auch zu später Stunde war ihnen bei ihrer kurzweiligen Präsentation die volle Aufmerksamkeit des Publikums sicher.

ADFC-Forderungen zur Landtagswahl

Am letzten Morgen blickte Sofrony Riedmann in Richtung des kommenden Jahres und stellte die Forderungen des ADFC für die hessische Landtagswahl 2023 vor. Das brachte eine gute Portion Diskussionspotential mit. Es wurde u. a. die Frage aufgeworfen, wie wir unsere Kommunikation gestalten sollten, um möglichst effektiv wirken zu können. Birgt bspw. eine Positionierung gegen Aus- und Neubau von Straßen die Gefahr, dass der ADFC als Verein des Autohasses abgetan wird, mit dessen Ideen sich in der Folge kaum noch jemand auseinandersetzen würde? Transportieren wir unser Zielbild klar genug oder legen wir das Gewicht zu sehr auf den Weg, auf dem wir es erreichen wollen? Über diese und weitere Fragen gab es einen regen Austausch.

Bitte auch körperliche Aktivitäten

Beim abschließenden Feedback wurde die Organisation des Forums sehr gelobt. Ebenfalls empfanden die Teilnehmenden die Auswahl der Themen als gelungen – gerade auch Agendapunkte, bei denen der Bezug zum Radverkehr nicht sofort ersichtlich war, wurden als erhellend wahrgenommen, da sie die weitreichende Wirkung verkehrspolitischer Entscheidungen verdeutlicht haben. Für das nächste Mal wurde jedoch auch der Wunsch nach mehr Gruppenarbeit und etwas körperlicher Aktivität geäußert, z. B. in Form eines Programmpunkts im Freien.

Das nächste HessenForum befindet sich bereits in der Planungsphase, es wird wieder in Bad Homburg stattfinden. Der Landesvorstand freut sich über Themenvorschläge oder Workshopangebote für die Agenda im November 2023 und wir alle freuen uns auf den weiteren überregionalen Austausch.

Donata Kirchner