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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

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Schon in 22 Jahren fahrradfreundlich?

Beim Jahresgespräch des ADFC zeigt Hofheims Stadtverwaltung geringschätzigen Umgang mit dem Radverkehr

Am 20.04. führte der ADFC Hofheim, Eppstein, Kriftel ein Gespräch mit der Stadtverwaltung, an der neben dem Ersten Stadtrat Wolfgang Exner und dem ehrenamtlichen Stadtrat für Nahmobilität Thomas Jung auch diverse Mitarbeiter der Hofheimer Stadtverwaltung teilnahmen. Den ADFC vertrat Dr. Holger Küst.

Tagesordnungspunkt war zum einen eine vom ADFC erstellte Liste mit über 150 offenen Mängeln und Verbesserungsbedarf in Sachen Radverkehr im Stadtgebiet. Von dieser 2018 der Stadtverwaltung übergebenen Liste wurden bisher ganze sechs Positionen abgearbeitet. Eine Hochrechnung ergibt damit, dass die gesamte Liste in 22 Jahren ad acta gelegt werden kann. Das erinnert an das Vorgehen vor etlichen Jahren in Sachen Bordsteinabsenkungen. Erst war dem ADFC die Bearbeitung von zwei Bordsteinabsenkungen pro Jahr (von 16) zugesagt, nach zwei Jahren hieß es dann: Auch der Behindertenbeirat hat hier Forderungen, der ADFC möchte sich doch mit dem Behindertenbeirat auf eine gemeinsame Liste einigen. Doch der Behindertenbeirat zeigte daran kein Interesse und so blieben die Bordsteine in den meisten Fällen ohne Absenkung. Dieser geringschätzige Umgang mit dem Verkehrsträger Radverkehr zieht sich wie ein roter Faden durch die Hofheimer Verkehrspolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte. Dies könnte unter anderem ein Grund für die kontinuierlich sehr schlechte Bewertung des Hofheimer Fahrradklimas (2020: 4,36) am unteren Ende der Skala sein.

Die aktuelle Verzögerung ergab sich nach Auskunft der Stadtverwaltung aus der Neubesetzung von Stellen, Corona-bedingten Verzögerungen und einer Überlastung des Bauhofs. Die Stadtverwaltung hat die Liste in eine für sie leichter zu handhabende Form umgesetzt und hofft, jetzt die Punkte schneller abarbeiten zu können. Lassen wir uns überraschen!

In Hinblick auf wesentliche Infrastrukturmaßnahmen scheint es hingegen Bewegung zu geben: Für die Brücke über die Landesstraße L 3011 und die Bahnlinie zwischen Hofheim-Süd/Marxheim und der Kernstadt sollen spätestens nach der Sommerpause die nach Aussagen der Stadtverwaltung sehr positiven Ergebnisse der kürzlich abgeschlossenen Machbarkeitsstudie den politischen Gremien zur Kenntnis gegeben werden. Auch beim Radweg zwischen Hofheim und Lorsbach scheint es voran zu gehen, zuvor wird 2022 allerdings die Mauer am Bach saniert. Dort wird aktuell noch geprüft, ob dafür eine Teilsperrung ausreicht. Die seit langem vom ADFC geforderte Querung zwischen dem Richard-Zorn-Weg und der Straße Am Untertor hält die Stadtverwaltung noch im Jahre 2021 für machbar.

Zu diversen den Radverkehr betreffenden Maßnahmen (Baugebiet Römerwiesen, Wallauer Spange, Busbahnhof, Radschnellweg Frankfurt – Wiesbaden, Anschluss des Radwegs nach Lorsbach an die Innenstadt) liegen der Stadtverwaltung aktuellere Planungen vor oder sind Machbarkeitsstudien in Arbeit. Der ADFC konnte bislang leider noch keine Einsicht nehmen.

Der ADFC hofft, dass die immerhin dem Klima-Bündnis angehörige Stadt Hofheim endlich das Potenzial des Radverkehrs als Alltagsverkehrsmittel erkennt und dessen Bedürfnisse zukünftig höher gewichtet als bisher.

Holger Küst