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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Kampf um mehr Akzeptanz

Radverkehr ist noch kein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer in Offenbach

Beim Fahrradklimatest 2020 des ADFC konnte Offenbach mit einer stark gestiegenen Teilnehmerzahl die 2018 erreichte Bewertung halten. Nachdem sich vor zwei Jahren insgesamt 224 Leute an der Umfrage beteiligt hatten, füllten nun 587 Menschen aus Offenbach den Fahrradklimatest aus.

Der Radverkehr erfreut sich nicht nur zunehmender Beliebtheit. Es gibt nun auch ein erhöhtes Interesse an guten Bedingungen für den Radverkehr, was zu einer Rekordteilnahme in Offenbach, wie auch sonst in Hessen, führte.� Mit einer Note von 3,64 konnte nahezu die gleiche Bewertung wie 2018 (3,63) erzielt werden. Obwohl dies keine gute Note ist, gibt es keine hessische Großstadt, die besser dasteht. Deutschlandweit liegt Offenbach nun bei Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern auf Platz 6 von insgesamt 41. Der gute Wert basiert vor allem auf den Bewertungen für die Fahrradförderung in der jüngsten Zeit (2,5), der Erreichbarkeit der Innenstadt (2,5) und der Werbung für den Radverkehr (2,9). Wenn man die letzten zwei Jahre betrachtet, dann sind diese Punkte vor allem ein Erfolg des Projekts BikeOffenbach. Hier wurde sehr viel geleistet für den Radverkehr. Die Fahrradstraßen haben die Erreichbarkeit vieler Ziele innerhalb der Stadt verbessert. Auch das Marketing zu dem Projekt gibt dem Radverkehr einen Schub. Die Bewertung von "Fahrradförderung in der jüngsten Zeit" und "Werbung für den Radverkehr" zeigen das. Die Öffnungen der Einbahnstraßen für den Radverkehr (2,1) sind ein großer Pluspunkt im Test. Hier fehlt nur noch der Ortsteil Bieber.

Frankfurt und Wiesbaden wurden als Aufholer ausgezeichnet. Deren Radverkehrsinitiativen sind noch nicht komplett umgesetzt. Auch die Stadt Darmstadt, die in der Wertung knapp hinter Offenbach liegt, hat aktuell noch viele Projekte in der Pipeline. Hier muss Offenbach aktiv werden, damit die Stadt nicht beim nächsten Test in zwei Jahren zurückfällt. Nur durch neue radverkehrspolitische Projekte kann Offenbach im Hessenvergleich weiterhin bestehen.

Dagegen gibt es auch mehrere Punkte, bei denen sich Offenbach im aktuellen Fahrradklimatest verschlechtert hat. Dazu gehören die Themen "Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer", "Konflikte mit Kfz" und die "Wegweisung für Radfahrer". Während die Wegweisung zu Recht nur als befriedigend statt als gut bewertet wird, stehen die anderen beiden Punkte für Probleme, die gerade auch auf den Fahrradstraßen auftauchen. Trotz gestiegenem Verkehrsanteil müssen Radfahrer noch oft um ihre Akzeptanz kämpfen.

Weiterhin gab es mehrere Punkte, die oft mit mangelhaft bewertet wurden. Dazu gehört weiterhin die "Falschparkerkontrolle auf Radwegen"(4,9), die "sichere und bequeme Führung an Baustellen"(4,6), das "Fahren im Mischverkehr mit Kfz" (4,5) und ebenfalls nahezu mangelhaft wurde das Thema "Fahrraddiebstahl" (4,9) bewertet, was für viele Radler ein besonders schweres Problem darstellt. Die aufgeführten Punkte belegen den mangelnden Stellenwert, den der Radverkehr in den Offenbacher Behörden derzeit hat. Es ist kein sicherer Radverkehr möglich, wenn man aufgrund von Baustellen oder Falschparkern in den fließenden Kfz-Verkehr gedrängt wird. Hier wird man bei Konflikten auch allein gelassen. Die Note 4,4 bei den Ampelschaltungen für Radfahrende zeugt auch davon, wie wenig an die Interessen des Radverkehrs in den Ämtern gedacht wird.

Offenbach schneidet wieder verhältnismäßig zufriedenstellend beim Fahrradklima-Test ab. Damit dies so bleibt, darf die Stadt bei der Fahrradförderung nicht nachlassen, sondern muss weitere Projekte starten. Um fahrradfreundlich zu sein, muss sich allerdings noch viel an der Mentalität ändern. Der Radverkehr muss in der Verwaltung mitgedacht werden und die Interessen als gleichwertig zu anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werden. Hier kommt es auch stark auf den politischen Willen im Rathaus an. Hier hofft der ADFC darauf, dass Offenbach den Mut und die Lust dazu hat, die Stadt in den nächsten fünf Jahren radverkehrsfreundlicher umzugestalten. Zum Beispiel kann die Verkehrspolizei sich mehr des Schutzes des Radverkehrs annehmen und für ein besseres Miteinander auf den Straßen sorgen. Hier ist die Fahrradstaffel aus Frankfurt ein gutes Vorbild. Ergebnisse für Hessen im Fahrradklima-Test 2020: adfc-ffm.de/=1ZpG

Henning Kühl