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Bild zum Artikel So sieht die Schloßstraße (momentan noch nur der östliche Teil) für Radfahrer:innen aus: ganz rechts Parkplätze, links daneben der Sicherheitstrennstreifen zwischen der durchgezogenen und der gestrichelten Linie, links daneben die Fahrbahn mit den Piktogrammen und Sharrows.
Bertram Giebeler

Bockenheim Schloßstraße:

Neu markiert – jetzt bitte richtig fahren!

Monatelang war es angekündigt, jetzt wurde es umgesetzt: auf der Schloßstraße in Bockenheim wurde der alte Rad- und Schutzstreifen demarkiert. Und zwar zu Recht, denn er schützte nicht, er bot keine Distanz zur Türöffnungszone („Dooring-Zone“), und er sicherte auch nicht den Überholabstand von 1,5 Metern.

Autoverkehr: Tempo 30, und wenn Radfahrende vor einem unterwegs sind, gilt Überholverbot. Das Verkehrszeichen ist neu.
Bertram Giebeler

Die neue Lösung sieht so aus: links neben den Kfz-Parkplätzen ist ein Sicherheitstrennstreifen, der den Radverkehr aus der Türöffnungszone hält. Links von diesem Sicherheitstrennstreifen ist auf der Fahrbahn die Piktogrammspur und die „Sharrows“, die anzeigen, wo sich der Radverkehr jetzt bewegt, nämlich auf der Fahrbahn! Für den Autoverkehr gilt Tempo 30 und ein Überholverbot gegenüber Fahrrädern, verdeutlicht mit einem neuen StVO-Kennzeichen. Diese Lösung wurde vom Radfahrbüro beim Ortsbeirat 2 angekündigt und dort mit breiter Mehrheit akzeptiert.

Es kommt jetzt darauf an, dass die Radfahrer:innen die neue Regelung richtig für sich interpretieren, denn Sicherheitstrennstreifen und vor allem Piktogrammspur + Sharrows sind in Frankfurt noch nicht so verbreitet und bisher wenig bekannt. Wichtig: Der Sicherheitstrennstreifen ist, obwohl mit gestrichelter Linie markiert, kein Schutzstreifen – im Gegenteil! Dort soll gerade nicht geradelt werden, um nicht in die Türöffnungszone zu geraten. Geradelt wird links davon, ungefähr dort wo die Piktogramme und die Sharrows die Spur vorgeben. Der Autor dieses Beitrags beobachtete kurz nach der Markierung im Laufe einer Viertelstunde, dass mindestens die Hälfte der Radfahrer:innen genau den Fehler machten, im Sicherheitstrennstreifen zu fahren (leider waren und sind Schutzstreifen oft so absurd schmal, dass diese Verwechslung sogar verständlich ist).

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Links: So bitte nicht! Öffnet sich eine Autotür, ist der Unfall vorprogrammiert, und Dooring-Unfälle haben oft schwere, manchmal sogar tödliche Verletzungen zur Folge. Der letzte tödliche Dooring-Unfall in Frankfurt passierte erst 2018 in der Fürstenbergerstraße im Westend. Rechts: Die beiden machen es richtig und fahren links vom Sicherheitstrennstreifen. Theoretisch könnten sie sogar noch weiter links fahren, in der Piktogrammspur, damit auch jede:r Autofahrer:in klar erkennt: Überholen ist jetzt nicht!
Bertram Giebeler

Die neue Lösung in der Schloßstraße ist weit besser als der vorherige Zustand, aber immer noch nicht das Gelbe vom Ei für den Radverkehr. Es gibt zu viele drängelnde Autofahrer, das nervt gewaltig, es ist auf den 800 Metern Länge für zu viele nicht auszuhalten. Da muss noch etwas nachgerüstet werden, um die Überholverbots-Regel auch durchzusetzen. Wer dort jetzt richtig und sicher Rad fährt, braucht Selbstbewusstsein. Es ist auch nur eine Lösung, die kurzfristig und mit einfachen Markierungsmaßnahmen zu realisieren war. 140 Parkplätz zu opfern wäre politisch so einfach nicht durchsetzbar gewesen. Die längerfristige Perspektive ist, dass die Schloßstraße Teil einer Radschnellverbindung vom Vordertaunus in die Frankfurter City wird. Dafür muss die Straße aber komplett neu geplant werden, wozu auch die Überfahrbarmachung des Gleiskörpers und der Bau von breiten Radwegen gehören muss.

Bertram Giebeler

Ausgabe 6 (Nov/Dez) / 2020

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