Skip to content

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

Artikel dieser Ausgabe

Bild zum Artikel Felix (8) und Lea (4) finden Bahnreisen im Fahrradabteil gut
Bianka Schlun

Reise mit Bahn und Rad – immer ein Abenteuer

Mutter, Vater, Tochter, Sohn, drei Fahrräder und ein Hänger unterwegs von Amrum nach Frankfurt Hauptbahnhof

Es ist kurz nach sechs Uhr morgens. Im Juli auf Amrum etwas kühl noch, aber es wird ein schöner Tag werden. Der Zeltplatz liegt noch ganz ruhig da. Die meisten Taschen haben wir schon gestern gepackt, manche hängen schon an den Fahrrädern. Unser Plan: Abfahrt gegen 8 Uhr, Fähre um 9 Uhr, Zug um 11:10 Uhr in Dagebüll, Umstieg in Niebüll und Ankunft in Frankfurt am Main gegen 19 Uhr. Bis dahin müssen wir noch zwei kleine Zelte abbauen und einpacken. Unsere Kinder schlafen noch.

Neunmal sind wir nun schon nach Amrum mit Fahrrad und Bahn von Frankfurt gereist. Wir sind quasi Experten für die schwierigen Punkte auf dieser Strecke. Denn in der Theorie ist es ganz einfach. Praktisch ist es etwas abenteuerlicher.

Wir, das sind Mutter (Bianka), Vater (Markus), Sohn (Felix 8), Tochter (Lea 4) mit drei Fahrrädern und einem Hänger für die Kleinste.

Vom Zeltplatz geht es wie geplant zum Schiffsanleger. Mit den reservierten Tickets können wir auf die Fähre. Dort wird angezeigt, dass alle Fahrgäste, die von Dagebüll weiter nach Niebüll wollen, gleich den ersten Zug nehmen sollen. Dieser Zug ist normalerweise nicht zu schaffen, aber dieses Mal wartet er. Denn umsteigen in Niebüll ist nicht lustig: über zwei Aufzüge und durch Menschenmengen zusammen mit den Kindern zum Anschlusszug. Auf dem Bahnsteig in Dagebüll stehen schon acht Fahrräder und viele Koffer. Wir schieben unsere Räder zu den hinteren Abteilen, auch dort stehen einige Velos, doch wir kommen noch rein. Um Platz zu schaffen, müssen wir fremde Koffer stapeln, sonst haben wir keine Chance.

Wir stehen dann im Gang (nicht schlimm bei rund 15 Minuten Fahrzeit) und steigen als erste mit einigen Taschen und dem Hänger aus. Ab dann herrscht Chaos: die Leute reißen ihre Koffer hinter den Fahrrädern hervor und stürmen raus. Ich habe keine Chance, wieder in den Zug zu kommen, um weiter Sachen rauszuholen. Ich bin etwas erschreckt nach dem entspannten Urlaub, aber wir haben zum Glück Zeit und holen unser Gepäck ganz zum Schluss aus dem Abteil. Mein Mann fragt beim Mobilitätsservice nach, wo Wagen 16 ungefähr halten wird, damit wir dann an der richtigen Stelle stehen.

Dann fährt der Zug ein und das große Geflitze beginnt

Der Zug aus Sylt hat etwas Verspätung, die Kinder werden ungeduldig, ich aber bin ganz froh noch etwas an der frischen Luft zu sein. Als der Zug einfährt, beginnt das große Geflitze. Unser Wagen befindet sich nämlich auf der anderen Bahnsteigseite als angenommen. Mein Mann flitzt, er hat einen Rucksack auf dem Hänger, mein Sohn flitzt mit seinem Rad, ich flitze, meine Tochter flitzt ohne Rad. Schafft sie das? Ich sehe eine Hebebühne für eine Rollstuhlfahrerin, die noch einsteigen muss. Das gibt uns noch Zeit, und wegfahren wird der Zug wohl nicht ohne uns. Tatsächlich schaffen wir es, alles einzuladen. Wir sind drin. Aufatmen.

Ich wundere mich jedoch etwas über die Reservierungsanzeige im Zug, weder bei den Rädern noch bei den Sitzen stimmt sie mit unserer Reservierung überein. Auf Nachfrage erfahren wir vom Zugchef, dass irgendjemand alle Reservierungen ab Dagebüll gelöscht habe. Was? Dann müssen wir uns für die lange Reise bis Frankfurt auf jeden Fall neue Sitzplätze suchen. Das ist auch kein Problem, aber was ist mit den Rädern? Deren Plätze sind teilweise doppelt reserviert, und so bemühen wir uns, alles möglichst schmal zu packen. Unser Hänger passt zusammengeklappt zwischen die Fahrräder. Aus vier mach drei, das Kinderrad kann man notfalls auch noch irgendwo dazwischen schieben.

Bald sind wir in Hamburg. Da steigen immer Radfahrende zu. Aus dem Fenster sehe ich die Leute flitzen. Aber huch, was ist das denn? Vier Menschen mit Weste und Aufdruck: Fahrradhelfer. Wow, das ist ja eine prima Idee. Ein bisschen tun sie mir aber auch leid, was für ein Job, den ganzen Tag von Gleis zu Gleis sprinten. Alle Radler:innen sind nun drin. Etwas abgehetzt, aber es hat geklappt, mit Hilfe der Radhelfer:innen noch besser. Wir fahren weiter, halten am schönen Bahnhof Uelzen und mein Sohn erkennt sofort Maschen: ein gaaanz großer Güterbahnhof. Da war auch mal die Sendung mit der Maus auf einer Sommerreise.

Immer wieder steigen Radler:innen ein, mein Mann und andere helfen den Einsteigenden, erklären das Dilemma mit den Doppelreservierungen, alles klappt, alle entspannt, alles gut.

Doch dann kommts.

Doppelreservierung: Krach um die Fahrradplätze

In Hannover gibt es einen Zugführerwechsel und vier Räder werden eingeladen. Die Herrschaften möchten unbedingt auf die von ihnen reservierten Fahrradplätze und machen einen Riesenkrach. Es gibt eine große Diskussion. Die neue Zugchefin weiß offensichtlich nichts von der Doppelreservierung und macht eine Durchsage: Alle, die in Wagen 16 eine Fahrradreservierung haben, sollen bitte sofort dort erscheinen. Großes Ticket-Geraschel und Gedrängel. Mein Mann und mein Sohn gehen hin. Letzterer kommt sichtlich aufgewühlt nach kurzer Zeit zurück und erzählt, dass zwei Räder in ein anderes Abteil wechseln müssen. Er befürchtet, dass es unsere sind, weil sie auf falschen Plätzen stehen. Aber ein Herr, der zwischendrin eingestiegen war, erklärte sich netterweise dazu bereit, in Göttingen zu wechseln und entscheidet: "Bevor eine Familie mit den ganzen Urlaubstaschen umziehen muss, mach ich das."

Fahrgäste beschenken sich gegenseitig mit Gummibärchen

Meine Tochter ist unbeeindruckt und kommuniziert mit dem Herrn, der hinter uns sitzt. Sie malt etwas für ihn und sie schenken sich gegenseitig Gummibärchen. Es gibt eine rege Unterhaltung darüber, was sie gerne isst, was sie schon malen kann und wer bei uns zu Hause wo schläft etc.

Nach dem Halt in Göttingen läuft alles ganz entspannt. In Schlüchtern haben wir einen geplanten Aufenthalt von 30 Minuten, dürfen auch aussteigen und draußen herum flitzen. Lea sucht Bernd, so heißt der Herr, der hinter uns sitzt. Sie findet ihn, schnappt sich seine Hand, und er erzählt uns von seinen Kindern und Enkelkindern. Draußen ist es schwülwarm, die Vorbereitung auf Frankfurt, denn dort sind die Temperaturen ähnlich.

Bild zum Artikel Gut angekommen: Markus, Lea, Felix und Bianca im Frankfurter Hauptbahnhof
Bianka Schlun

Als wir wieder an unseren Platz kommen, steht dort eine Packung M&Ms. Der junge Mann vom Sitz vor uns hat sie großzügigerweise dort für die Kinder deponiert.

Weiter geht's über Hanau, wo ein Ehepaar sehnsüchtig aus dem Fenster schaut. Sie müssen vom Frankfurter Hauptbahnhof wieder zurück fahren. Ebenso ein Mann am Südbahnhof, er könnte von hier aus weiter zum Riedberg. Und wir fahren wirklich sehr langsam durch den Südbahnhof. Vielleicht wär das ja mal was: Optionale Ausstiege für Radler, je nachdem ob es spontan möglich ist. Wir brauchen es nicht, aber andere wären froh.

Bernd unterstützt uns beim Ausladen in Frankfurt. Hier wieder das gleiche Spiel, alle Taschen und Räder raus. Doch dank Kopfbahnhof haben wir genügend Zeit, denn der Lokführer muss zu dem Führerstand am anderen Ende des Zugs laufen, bevor es weitergeht. Alle Taschen an die Räder. Und zum Schluss machen wir noch ein Foto auf dem Bahnsteig und winken allen wie wild zum Abschied zu.

Fazit: Es ist immer wieder aufregend, es klappt immer, wenn auch manchmal anders als geplant, und wir treffen immer wieder viele nette Leute im Zug. Also wir werden es wieder tun, aber es wäre doch wirklich schön, wenn das mal besser klappen würde mit den Verbindungen für Radreisende!

Bianka Schlun